Wie rational ist der Mensch? Zwei Revolutionäre der Wirtschaftswissenschaften

US-Starautor Lewis setzt zwei Psychologen, die das ökonomische Denken revolutionierten, ein Denkmal.
Der extrovertierte Amos Tversky (l). und der schüchterne Daniel Kahnemann waren eines der besten Teams der Wissenschaft

Der extrovertierte Amos Tversky (l). und der schüchterne Daniel Kahnemann waren eines der besten Teams der Wissenschaft

Täglich treffen wir Entscheidungen. Täglich glauben wir, dabei weitgehend rational zu handeln. Irrtum! 82 Prozent der Befragten stimmen einer Operation zu, deren Überlebenswahrscheinlichkeit bei 90 Prozent liegt. Gefragt, ob wir eine Operation zulassen, bei der die Wahrscheinlichkeit, zu sterben, bei 10 Prozent liegt, willigen nur 54 Prozent ein. Ist das rational? Bietet man uns 400 Euro als Geschenk oder ein Los mit 50 Prozent Gewinnchance auf 1000 Euro, wählen wir die sicheren 400 Euro. Vor die Wahl gestellt, einen sicheren Verlust von 400 Euro zu erleiden oder mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit einen Verlust von 1000 Euro, wählen wir die Wette.

Menschen tun sich schwer, Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen. Trotzdem basierte die Wissenschaft, von der Psychologie über die Medizin bis zur Volkswirtschaftslehre, lange auf der Annahme rationalen Verhaltens. Bis zwei israelische Psychologen sich daranmachten, dies zu hinterfragen: Amos Tversky und Daniel Kahneman. Von ihrer Zusammenarbeit, für die Kahneman den Nobelpreis erhielt (Tversky war bereits verstorben), handelt Michael Lewis' neues Buch.

Es ist nicht sein stärkstes Werk. Im Vergleich zu "The Big Short" oder "Moneyball", packenden Thrillern aus der Welt der Wirtschaft und des Sports, kommt es teils langatmig und ermüdend daher. Lewis versucht es mit seinem bewährten Trick, die Story (also eigentlich die Entwicklung der Theorie der kognitiven Verzerrung) entlang lebendig geschilderter Charaktere zu entfalten.

Die Passagen über den eher unbekannten, sympathisch wilden Tversky und die symbiotische Verbindung des ungleichen Duos sind eine Entdeckung. Es mag an der sperrigen Materie liegen, dass diesmal kein echter Pageturner herauskam. Ein lesenswertes Denkmal für zwei herausragende Wissenschaftler ist es allemal.

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