Freitag, 6. Dezember 2019

Die besten Reisen zu Filmsets Die Set-Jetter - wo Serienjunkies glücklich werden

4. Teil: Reisen mit dem "Night Manager"

"Night Manager"-Regisseurin Susanne Bier, Oscar-Preisträgerin, kommt von der Dänischen Filmschule. Alle zwei Jahre bilden die Dänen sechs Screenwriter aus, um die sich alle reißen. Die besten wirbt Hollywood ab. Erst die Revolution der Küche, New Nordic, dann der Serien, Nordic Noir - Dänemark rules.

"Bedrag" oder "Follow the money", selten war Windenergie (Staffel 1) oder Bankenfusion (Staffel 2) so sexy. Und natürlich "Borgen", die Politserie um die dänische Premierministerin Birgitte Nyborg; Ehekrieg, Intrigen, stets vor der prächtigen Kulisse von Schloss Christiansborg. Selbst das Staatsfernsehen DR1 war unsicher, ob sich so was Ödes wie dänische Politik erzählen lässt. Am Ende schalteten 70 Länder ein.

Und plötzlich strickte alle Welt Pullover mit Schneeflockenmuster, und 250 britische Singlefrauen bestellten in Aarhus bei Cryos, der größten Samenbank weltweit: "Congratulation! It's a viking!" Aber das Wichtigste: die Locations. Alles gehalten in coolem Grau, Apartments in der teuersten Straße Kopenhagens (weiß, hellblau, viel Holz), eine Glasvilla am Meer - je dunkler die Story, desto heller leuchten die Möbel. Ein Klick, und schon ist Esplanade 46, Kopenhagen gebucht.

Reisen zu Drehorten sind wie Statussymbole. Und manchmal Ersatz für das eigentliche: "Episadness" heißt der Zustand, wenn der Zuschauer nach Ende einer Serie ins Leere fällt. Von drogenähnlichen Entzugserscheinungen ist die Rede.

Ausschalten fällt schwer. "Purge-Watcher" sehen sogar Serien zu Ende, die ihnen nicht gefallen. Menschen, so erklären es Psychologen, mögen abgeschlossene Handlungen. Jeder Cliffhanger, das Ende der Folge im spannendsten Moment, arbeitet damit.

Früher ging Fernsehen so: Vier US-Sender teilten den Markt unter sich auf - NBC, CBS, ABC Börsen-Chart zeigen, Fox. Von dort kam, was neu, spannend war. Geschichten wurden um Werbeblöcke herum erzählt, Kreative hatten wenig zu sagen.

Bis 1999 die "Sopranos" den Boom lostraten. Überall hatte Autor David Chase seine Mafiosi-Idee angeboten, ohne Erfolg. Der ABC wurde darin zu viel geflucht. CBS fragte, warum Tony Soprano in Therapie sein müsse. HBO Börsen-Chart zeigen griff zu. Fans fahren heute noch zur Suite 449 im Hotel "Boscolo Exedra" in Rom, in der James Gandolfini (Tony Soprano) 2013 an einem Herzinfarkt starb.

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