Mittwoch, 13. November 2019

Tipps von "25hours"-CEO Christoph Hoffmann Mein perfekter Tag in Paris

10 Uhr: Tartines beim besten Bäcker der Stadt

Joggen auf alten Gleisen, Flohmarkt der Kuriositäten, schlecht gelaunte Spitzenköche

Die Stadt hat etwas zutiefst Romantisches. Melancholie und Glaube an die Liebe, die Zukunft. Noch immer. Ich übernachte entweder gern im legendären "Le Bristol" (für ein Geschäftsessen: deren Sternerestaurant "Epicure", wo man nebeneinandersitzt wie an einem Boulevard) oder im "Hotel Amour" am Pigalle, einem ehemaligen Bordell, das der hochaktiven Familie Costes (Innendesign-Guru, tolle Coffeetable-Books!) gehört. Die Zimmer sind klein, aber mit spannendem Kunstkonzept. Im zugehörigen Restaurant füllen adrette Damen und Herren noch per Hand die kleinen Butterförmchen zum Frühstück. Ich gehe aber gern auch ums Eck, um mir Tartines beim besten Bäcker "Maison Arnaud Delmontel" zu holen. Die ganze Straße duftet danach.

16 Uhr: Stöbern nach Raritäten auf dem Flohmarkt Porte de Clignancourt
Stephane Asseline
16 Uhr: Stöbern nach Raritäten auf dem Flohmarkt Porte de Clignancourt

Als Genussmensch muss ich auch Paris draußen riechen. Ich jogge am liebsten vom Parc des Buttes-Chaumont bis zum Boulevard Périphérique, eine 7,4-Kilometer-Strecke vorbei an der Opéra Bastille und am Viaduc des Arts, hoch über Paris mit Blick auf die Stadt, durchs Grün: wie die High Line in New York, auf einer ehemaligen Bahnstrecke quer durchs Zentrum.

Mein weiterer Draußen-Bezugspunkt: der Flohmarkt Porte de Clignancourt, speziell "Paul Bert", der schönste Bereich. Nicht wirkliche Schnäppchen, aber Kurioses und Raritäten. Beste Möbel ab Art déco! Für zeitgenössische internationale Mode und Bespoke-Tücher präferiere ich L'Eclaireur: Man muss klingeln (10, Rue Hérold), man sieht den Shop von außen nicht. Ein weiterer cooler Concept-Store: "Merci" (111, Boulevard Beaumarchais), wo ich gern Interior-Design-Stücke wie handbemaltes Geschirr der Designerin Paola Navone shoppe.

22 Uhr: Der letzte Drink in der Bar im "Ritz", Negroni oder Martini
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22 Uhr: Der letzte Drink in der Bar im "Ritz", Negroni oder Martini

Paris ist an vielen Orten noch unbefleckt von ungehemmter Kommerzialisierung. Lassen Sie sich treiben im Marais. Bis zum Marché des Enfants Rouges. Dort gibt es die perfekten Food-Stände zum Lunch. Der beste: der immer schlecht aufgelegte Japaner vom "Les Enfants du Marché". Danach treibe ich mich in Museen und Galerien herum: dem Musée de la Vie romantique oder dem Musée de Montmartre.

Zum Dinner gehe ich gern zu "Chez l'Ami Jean" (baskische Küche mit gigantischem Milchreisdessert, das auch Barack Obama liebt!) oder zum wilderen "Le Bon Georges" (Saucissons und Cornichons mit Champagner auf einem Holzbrett und Austern- wie Wildgerichte). Der Absacker: immer in der "Bar Hemingway" im renovierten "Ritz". Super bei den Modemessen oder der "Maison & Objet", da kommt das interessanteste internationale Publikum.

Christoph Hoffmann (54) ist Mitbesitzer und CEO der "25hours"-Hotels. Paris kennt er bestens, seit er dort das Hotel "Terminus Nord" aufgebaut hat.

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