Dienstag, 25. Juni 2019

Das Wettrennen um den Quantencomputer Die nächste Dimension der IT

Stoff für Fantasien: Quantencomputer-Kunstwerk
imago/Science Photo Library
Stoff für Fantasien: Quantencomputer-Kunstwerk

3. Teil: Think Quantum

Google, das sich bereits seit 2013 einen D-Wave-Rechner mit der Nasa teilt, ist so sehr von dem Potenzial der Technologie überzeugt, dass es parallel an einer Eigenentwicklung arbeitet. 2014 warb der Konzern den Quantenforscher John Martinis von der Universität in Santa Barbara ab, seitdem tüftelt er im hausinternen Labor für künstliche Intelligenz ("A.-I.-Lab") an einem Chip, ähnlich dem von IBM.

Ob selbstfahrende Autos, denkende Roboter oder Arzneien, die den Krebs besiegen – für viele von Googles "Moonshots" käme der Quantencomputer einem Turbolader gleich. Er würde das Training der Software, das sogenannte Maschinenlernen, immens beschleunigen und einen heute noch unvorstellbaren Grad an Realitätstreue in den Simulationen ermöglichen. Denn eine Software, die Gesichter oder Straßenschilder erkennen soll, muss zuvor Millionen von Beispielbildern durchgehen, bevor sie einigermaßen zuverlässig ist. Je detaillierter die Bilder, desto größer die Datenflut.

Google-Forscher Martinis gibt sich Valley-typisch selbstbewusst und will bereits in den nächsten zwei bis drei Jahren einen ersten marktreifen Quantencomputer präsentieren, der konventionellen Rechnern überlegen ist. Googles CEO Sundar Pichai dürfte an dieses Versprechen gedacht haben, als er verkündete, dass "Maschinenlernen der transformative Weg" sei, mit dem "wir alles, was wir tun, neu denken".

Die heutigen Quantenchips sind noch fehleranfällig und bestehen aus wenigen "Qubits", den Quantenpendants konventioneller Bits, der kleinsten Einheit digitaler Informationsverarbeitung. IBM arbeitet mit 8 und will bald auf 16 Qubits aufstocken. Ab 50 Stück winkt der Durchbruch.

Um die Entwicklung der speziellen Software zu beschleunigen, die für einen Quantencomputer nötig ist, hat der Konzern den Zugang zu einem seiner Computer Anfang Mai sogar via Cloud geöffnet. Programmierer sollen sich an die neue Denkweise gewöhnen ("Think Quantum").

Jerry Chow, der Yale-Physiker im IBM-Labor, fantasiert schon von Quantencomputern, die sich via iPhone fernsteuern lassen, und von quantenoptimiertem Düngemittel, das die Welternährung sicherstellt. Dabei kann das Potenzial der Technologie auch Bange machen. Ein hypersmarter Watson, der in Superschurkenmanier die Weltherrschaft an sich reißt, taucht in Chows Träumen aber nicht auf. Noch nicht.

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