Freitag, 13. Dezember 2019

Puma-Chef Björn Gulden "Alles andere wäre Harakiri"

Guldens Guldkurs
Katrin Binner für manager magazin

3. Teil: "Wir bauen hier langfristig etwas auf"

mm: Vergangenes Jahr hat Herr Pinault gesagt, vor 2018 werde er sich nicht von Puma trennen.

Gulden: Zwischen uns war ein Verkauf wirklich nie ein Thema. Und ich weiß auch nicht, ob das derzeit die richtige Entscheidung wäre. Ich habe nicht das Gefühl, dass Herrn Pinault die Puma-Aktien gerade in den Taschen brennen. Aber das kann nur Kering entscheiden.

mm: Der Kurs hat zuletzt so stark zugelegt, dass der Einstandspreis von Kering fast wieder erreicht ist, und der Sportmarkt boomt - ein guter Moment zum Ausstieg.

Gulden: Wir bauen hier langfristig etwas auf, statt kurzfristig etwas zu verschönern. Mit 3,5 Prozent Rendite ist der Job hier längst noch nicht getan.

mm: Kering hatte mal vor, um Puma herum weitere Sport- und Lifestylemarken anzusiedeln. Dazu ist es nie gekommen.

Gulden: Daran bin ich vielleicht mitschuldig. Ich habe Herrn Pinault gesagt, dass ich mich zunächst zu 100 Prozent auf Puma konzentrieren möchte. Die Aufgabe ist groß genug. Wenn wir das im Griff haben, kann man immer noch sagen: Okay, wir haben jetzt eine Struktur, die wir für andere Marken nutzen können. Geld ist billig.

mm: Verstehen wir Sie richtig: Kering könnte, statt Puma zu verkaufen, andere Marken dazukaufen?

Gulden: Warum nicht? Aber auch diese Entscheidung kann nur Kering treffen.

mm: Warum haben Sie privat keine Puma-Aktien gekauft? Seit Mitte 2015 hat sich der Kurs verdoppelt.

Gulden: Beim Schmuckhändler Pandora, wo ich vorher war, habe ich ebenfalls keine Aktien gekauft. Der Kurs ging auch dort steil nach oben. Aber, wissen Sie, ich habe immer gut verdient und bin ja beteiligt am Erfolg von Puma. Geld ist nicht der Antrieb für mich. Ich verdiene im Vergleich zu vielen anderen außerhalb des Managements sowieso viel zu viel.

mm: Deutschland diskutiert derzeit eine Begrenzung von Managergehältern. Was halten Sie davon?

Gulden: Ein Fußballspieler spielt nicht besser, wenn er statt zwei Millionen Euro zehn Millionen im Jahr verdient. Ist das bei einem Manager anders? Ich glaube nicht an eine gesetzliche Grenze, aber ein bisschen mehr Augenmaß bei Gehalt und Boni schadet vielleicht nicht.

mm: Ein Topverdiener bei Puma mit geschätzten zehn Millionen Dollar jährlich ist Usain Bolt, achtfacher Olympiasieger und Ihr prominentestes Aushängeschild im Sport. Bolt wird im Sommer 31. Wann unterschreibt er seinen Vertrag für die Zeit nach seiner aktiven Karriere bei Puma?

Gulden: Er hat bereits einen Vertrag.

mm: Usain Bolt bleibt also auch nach seiner Karriere Markenbotschafter von Puma?

Gulden: Ja. Er hat einen Vertrag als Sprinter, und je schneller und je mehr er läuft, desto mehr Geld bekommt er. Und wenn er nicht mehr läuft, richtet sich seine Vergütung nach anderen Faktoren. Er könnte zum Beispiel eine Kollektion entwickeln und Puma noch stärker repräsentieren.

mm: Was könnte eine solche Bolt-Marke bringen? Nike hat mit Michael Jordan eine Submarke geschaffen, die Milliarden umsetzt.

Gulden: Wenn Sie Usain fragen, dann sagt er: Klar, das kann ich auch! Aber er weiß natürlich, dass es schwerer ist, Spikes in Mode zu übersetzen als Basketballschuhe. Doch Usain hat eine Ausstrahlung und eine Bodenständigkeit, mit der wir ihn sicher viel besser vermarkten können als bisher. Am Ende muss Usain das natürlich selbst entscheiden.

mm: Es gibt also einen Vertrag, aber noch keinen Plan?

Gulden: Doch, nach seiner Karriere wird er auf jeden Fall sichtbarer sein für Puma. Er ist öfter hier und spielt etwa mit uns Fußball. Ich telefoniere oder simse fast täglich mit ihm. Demnächst wird er mal bei Borussia Dortmund mittrainieren. Er hält sich ja selbst für einen hervorragenden Kicker.

mm: Sie waren selbst mal Profi. Wie gut ist er denn?

Gulden: Er ist schnell! Ob er ein überragender Fußballer ist? Er selbst ist jedenfalls davon überzeugt.

Seite 3 von 3

© manager magazin 4/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung