Was macht eigentlich ... Ex-Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt?

Die schwedische Topmanagerin war kurze Zeit der Kassenschlager bei Karstadt. Nun führt sie eine bekannte Designmarke.
Eva-Lotta Sjöstedt, CEO der dänischen Nobelmarke Georg Jensen.

Eva-Lotta Sjöstedt, CEO der dänischen Nobelmarke Georg Jensen.

Ihre harten Monate in Deutschland hat Eva-Lotta Sjöstedt (51) bei ihrer Rückkehr nach Skandinavien abgestreift wie einen Silberreif am Abend. Heute ist die Ex-Karstadt-Chefin mal wieder präsent an ihrer alten Wirkungsstätte, sie empfängt im Münchener Flagship-Store der Designmarke Georg Jensen, am Rande der feinen Fünf Höfe. Nebenan betreibt Charles Schumann sein Tagescafé, wo die Gäste die Reflexe des Sehen- und-gesehen-Werdens trainieren.

Sjöstedt, lebhafte blaue Augen, knackiger Händedruck, sitzt im edelholzmöblierten Chambre séparée bei Cappuccino und Croissants - und macht Werbung für die bekannteste Silberschmiede Dänemarks. "Wir reden nicht von Luxus", sagt Sjöstedt, "uns geht es um die Philosophie des skandinavischen Designs, und das ist demokratisch und funktional." Das hätte sie auch zu ihren Zeiten als Topmanagerin von Ikea sagen können, wo sie viele Jahre in diversen Führungspositionen und Ländern agierte.

Seit Anfang 2016 nun ist sie Chief Executive Officer von Georg Jensen in Kopenhagen, der erste weibliche Chef in der Geschichte des Hauses und eine der wenigen in der Branche überhaupt. Eine schwedische CEO, eine dänische Topmarke und mit dem Private-Equity-Fonds Investcorp ein Eigentümer aus Bahrain - das Unterfangen ist ein globales. Die weltgewandte Sjöstedt soll die Marke bekannter und begehrenswerter machen - und, logisch, neue Märkte erschließen. "Alles ist möglich, wenn alle zusammenhalten", lautet Sjöstedts Führungsmotto, ganz Hands on.

Da ist sie wieder, die Frau ohne Dünkel, die zu Weihnachten 2013 bei Karstadt an der Kasse stand, um den Mitarbeitern Hoffnung und Selbstvertrauen zurückzugeben. Eine Chefin, wie man sie in einem deutschen Konzern sonst nicht erlebt - und auch nicht lange hatte. Nicolas Berggruen hatte Sjöstedt geholt. Der Finanzinvestor und Schöngeist, der halb Deutschland blendete, bis er sich als Geldschneider entlarvte, lockte die Schwedin mit Investitionsversprechen, die er nie hielt. Sie hatte keine Chance, die Kaufhauskette zu sanieren, auch weil sie wenig vom deutschen Warenhausgeschäft verstand. Nach fünf Monaten waren sie und Karstadt erlöst.

Jetzt kämpft sie mit Champagner- säbeln, Schmuck und Uhren für den Erfolg der Marke Georg Jensen. Und auch darum, die Karstadt-Episode vergessen zu machen. Für ihre erste Werbekampagne engagierte sie anstelle von Models lieber Role-Models. Starke Frauen aus dem echten Leben, darunter die Boxerin Cecilia Brækhus oder die Komikerin Sarah Kendall.

Die klare Botschaft steht auch für die Chefin des Hauses: You can never be too much you. Lass dich nicht verbiegen - und schon gar nicht in aufgezwängte Rollenbilder quetschen. Du bist, wer du bist. Das ist mehr als genug.

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