Mittwoch, 27. Mai 2020

Hochschulen Elitenkollaps - private Unis im freien Fall

Deutsches Harvard: Hochmut, Skandale, Geldnot
Jacobs University Bremen

Ein deutsches Harvard - das war mal der Traum. Doch die meisten Privatuniversitäten fallen bislang vor allem durch Pleiten und Skandale auf. Ein Abgesang.

Ach, hätte die Jacobs University nur von allem so viel wie vom üppigen Grün auf ihrem Campus im Bremer Nordwesten! Näher an das noble Flair der Ivy League, wie die efeuumrankten Eliteuniversitäten der amerikanischen Nordostküste genannt werden, reicht in Deutschland keine Hochschule heran. Gern ließ man sich hier oben das Attribut "Harvard an der Weser" gefallen.

Hell leuchtet junges Laub, satt erstrecken sich Rasenflächen zwischen roten Backsteingebäuden mit hohen Ziegeldächern. Doch die Stimmung im Präsidium der Privatuni, die ihren Namen dem Bremer Kaufmann und Großspender Klaus Jacobs verdankt, ist weit weniger arkadisch. Sondern bleischwer vor Sorge: Den Hochschulmanagern fehlt Geld - wieder einmal. Der jüngste Geschäftsbericht weist für das Jahr 2012 einen Fehlbetrag von satten 32 Millionen Euro aus.

Präsident Heinz-Otto Peitgen suchte Ende letzten Jahres das Weite - nach nur einem Jahr im Amt. Für den abrupten Abschied kassierte er 800.000 Euro von der Jacobs Foundation, ein im Hochschulwesen einmaliger Golden Handshake.

Nachfolgerin Katja Windt hat eine undankbare Titanenaufgabe geerbt: Sie muss drastisch Kosten senken und zugleich für mehr Einnahmen sorgen - in kürzester Zeit. Das Land Bremen, das schon die Unigründung durch einen materiellen Gegenwert von weit über 100 Millionen Euro förderte und in den kommenden Jahren Betriebskosten in Millionenhöhe subventioniert, verlangt ausgeglichene Haushalte ab 2018.

Bremer Misere ist typisch für die Privathochschulszene

Windt sind die Strapazen ins Gesicht geschrieben. Die zierliche Logistikprofessorin antwortet scharf, noch bevor eine Frage formuliert ist. Tenor: Sie glaube an "das einmalige Konzept" ihrer Uni. Was soll sie auch sagen. Massiv sparen und gleichzeitig Exzellenz bieten, das kann kaum gut gehen.

Die Bremer Misere ist typisch für die Privathochschulszene im Land. Vor allem für jene Adressen, die mit einer ähnlich großen Bugwelle daherkamen wie die Jacobs University. Den hochtrabenden Ansprüchen ihrer Chefs und Gründer fehlen solide Konzepte, um das nötige Geld einzuspielen. Zu lange haben sie sich auf üppigen Anschubfinanzierungen ausgeruht und dabei den Anschluss an die harte Realität verpasst.

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