Freitag, 19. April 2019

Einstige Glamour-Marke in Nöten Der Teufel steckt in Prada

Glamour-Marke in Nöten: Der Teufel steckt in Prada
REUTERS

Der Mailänder Luxuskonzern hat die globale Expansion überreizt und den Onlinehandel ignoriert. Nun brechen die Gewinne weg, die Umsätze schrumpfen.

Die folgende Geschichte stammt aus der Januar-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Patrizio Bertelli (71), Chef des Luxuskonzerns Prada, verliert schnell die Selbstbeherrschung. Einmal brauchte es nur einen falsch montierten Spiegel in einem seiner New Yorker Läden, und schon rastete der Mann aus: Er zerschmetterte das meterhohe Prunkstück, Hunderte Scherben prasselten zu Boden.

Keiner ist vor den Wutausbrüchen des bulligen Italieners gefeit. Vor der Mailänder Prada-Zentrale zertrümmerte er die Scheinwerfer schief geparkter Autos. Handys viel telefonierender Angestellter flogen schon durch die Büros. Selbst seiner Ehefrau und Chefdesignerin Miuccia Prada (68) warf Bertelli Schimpfworte und Gegenstände an den Kopf - in Gegenwart von Mitarbeitern. Der Patriarch weiß alles besser, er duldet keinen Widerspruch. Wer nicht kuscht, muss das Haus verlassen. In den vergangenen fünf Jahren floh ein Dutzend Senior Manager oder wurde entfernt. Bei Prada hat nur einer das Sagen, egal ob es um Applikationen auf Schuhen geht oder um Türgriffe in den Läden: Patrizio Bertelli.

Lange konnte der Autokrat unangefochten wüten und wirken, denn er und seine Gattin erarbeiteten die Erfolge aus dem Nichts. Die promovierte Politikwissenschaftlerin und ausgebildete Schauspielerin Miuccia übernahm 1978 von ihrem Großvater einen kleinen Kofferhersteller in Mailand namens Prada. Sie konnte weder Entwürfe zeichnen noch schneidern, gleichwohl war schon ihre erste Kreation - eine Tasche aus Nylon - ein Kassenschlager.

Die Unternehmensführung überließ die Stylistin weitgehend ihrem Mann. Der hatte sein Ingenieursstudium abgebrochen und besaß bereits im Alter von 21 Jahren eine Gürtelfabrik mit 25 Angestellten.

In nur einer Generation schufen Bertelli und Prada eine Weltmarke mit rund drei Milliarden Euro Umsatz und mehr als 12.000 Mitarbeitern. Die Presse bejubelte die Kollektionen; Berühmtheiten wie Dänemarks Kronprinzessin Mary oder Popidol Madonna trugen die Modelle der Modekönigin.

Glanzvoll war die Vergangenheit, grau ist die Gegenwart. Prada verliert Kunden und Marktanteile. Das vierte Jahr in Folge brechen die Gewinne mit zweistelligen Raten weg, die Erlöse schrumpfen. Die Aktie der in Hongkong notierten Firma hat seit 2013 zwei Drittel ihres Wertes verloren.

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