Montag, 20. Mai 2019

Designer Philipp Plein über Ego und Protz "Meine erste Million habe ich mit 24 gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder"

Philipp Plein: Mode für Neureiche
DPA

5. Teil: "Mit Couture verdient ja niemand Geld"

mm: Früher hat es Monate gedauert, bis ein Trend aus den USA nach Europa schwappte, heute geschieht das in ein paar Tagen. Inditex hängt jede Woche neue Ware ins Schaufenster. Da können Sie doch gar nicht mithalten.

Plein: 90 Prozent der Unternehmen folgen dem Geschmack der Verbraucher. Das sieht alles nach Kreativität aus, ist es aber nicht. Das ist knallhartes Business. Es gibt in der Mode keine Innovationen mehr, wir entwickeln keine Pille, mit der du die ganze Nacht poppen kannst. Ob Gucci oder Dolce - das sind die gleichen Produkte, dieselben Preispunkte. Den Unterschied macht allein die Aufmerksamkeit.

mm: Und die versuchen Sie mit Totenköpfen aus Swarovski-Steinen, Pelz, Schlangen- und Krokoleder zu erlangen. Das ist doch nicht mehr zeitgemäß.

Plein: Viele Leute mit Geld sehen das anders. Es wird ja nicht jeder Vegetarier, nur weil das gerade cool ist. Zudem sind Pelz und Schlangenleder nur ein kleiner Teil unseres Angebots, mit Couture verdient ja niemand Geld. Kein Michelin-Sterne-Restaurant ist profitabel, Geld macht man mit Pizza und Pasta.

mm: In Ihrem Fall mit ziemlich ausgefallener Pasta wie glitzernden Schädeln.

Plein: Wenn Ware im Handel liegt, muss sie auffallen. Dann hat der Kunde die Wahl, ob er seine 500 Euro für Ralph Lauren, Brioni oder eine andere Marke ausgibt. Wir fallen auf und können teurer sein, weil wir nicht vergleichbar sind.

mm: Fragt sich nur, wie lange Protz noch verkauft.

Plein: Es gibt zwei Dinge, die funktionieren: Name und Bling. Armani etwa ist derzeit alles andere als hot, zehrt aber noch von seinem großen Namen. Die verkaufen ein T-Shirt, das man bei Zara für 10 Euro findet, für 120 Euro. Ich kann nicht von weißen T-Shirts leben. Unser Einstiegspreis liegt bei 275 Euro. Wir müssen uns mit unserem Sortiment also differenzieren. Gucci kombiniert gegenwärtig beide Varianten: Die profitieren von einem bekannten Namen und verwenden Tigermuster, Blumen, Totenköpfe. Bling pur.

mm: Einige Luxuslabels haben den Zenit überschritten. Wem gelingt ein Comeback?

Plein: Marken sind wie Frauen. Wenn sie jung sind, will sie jeder haben, wenn sie alt sind, gehen sie zum Schönheitschirurgen. Die Luxuskonzerne tauschen Designer aus, um sich neu zu erfinden. Vielen gelingt das auch. Mit ihrer Macht und ihren Werbebudgets kontrollieren sie die Medien. Gucci, Valentino und Yves Saint Laurent sind wieder angesagt.

mm: Das heißt: Der King of Bling muss es noch mehr krachen lassen?

Plein: Ich weiß, dass die Leute über mich reden. Ich trage meinen Namen auf dem Unterarm, ich brauche ein großes Ego. Wenn du nicht an dich glaubst, tut's keiner. Meine erste Million habe ich mit 24 als Jurastudent gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder, die ich auf Messen verkauft habe. Die Leute lachten. Um das durchzustehen, brauchst du Eier wie ein Elefant. Ich habe so dicke Eier, die hat noch niemand zerbrochen.

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