Donnerstag, 14. November 2019

Alles wird messbar App als Chef - wie Software Mitarbeiter durchleuchtet

Führung: App als Chef
Corbis

3. Teil: Wasabi Waiter: Wie sich der Mitarbeiter beim Spielen offenbart

Wer nicht mit einer Telefonstimme reden mag, für den hat die US-Firma Knack eine subtilere Methode parat. Sie holt die Testkandidaten dort ab, wo sie sich garantiert selbst vergessen: beim Spielen.

Das Start-up von Guy Halfteck, Harvard-Absolvent und Ex-Vizekapitän der israelischen Marine, sitzt in Palo Alto und versammelt Berühmtheiten in seinem Board of Directors: Alvin Roth, Nobelpreisträger auf dem Gebiet der Spieltheorie, berät den CEO ebenso wie MIT-Professor und Bestsellerautor Erik Brynjolfsson ("The Second Machine Age"). Eine Handvoll Neurologen, Kognitionsforscher und Statistiker mit Ivy-League-Abschlüssen zeichnen für die Entwicklung der Spiele verantwortlich.

Halfteck wurde zum Unternehmer, nachdem ihn ein Bewerbungserlebnis schwer genervt hatte. Eine Private-Equity-Gesellschaft schleuste ihn fünf Monate lang durch unzählige Interviews. "In der Zeit konnte ich keinen anderen Job annehmen - eine Zumutung." Nach der finalen Absage gründete er Knack - englisch für "die Gabe" oder "der Kniff".

Halftecks ganzer Stolz ist die Smartphone-App "Wasabi Waiter". Der Spieler muss als Kellner Gäste eines Sushi-Restaurants bedienen. Die sitzen an der Bar und sind unterschiedlich gut gelaunt, ablesbar an ihren Gesichtsausdrücken. Der Kellner soll die Gäste zufriedenstellen, sich auf neu hereindrängende Besucher einstellen, die Gerichte verteilen, abwaschen und seinen Tresen in Ordnung halten.

Risikobereitschaft, soziale Intelligenz: Wasabi Waiter braucht 20 Minuten

Mit der Art, wie er diese Aufgaben erfüllt, offenbart sich der Spieler unbewusst selbst: Risikobereitschaft, Auffassungsgabe, soziale Intelligenz, Verträglichkeitsgrad, Beharrlichkeit und mehr. Wasabi Waiter braucht höchstens 20 Minuten, um genug Daten zu sammeln.

Der Ölkonzern Shell Börsen-Chart zeigen ließ sich bereits auf ein Experiment mit Knack ein. Die interne Innovationseinheit, das sogenannte Game-Changer-Team, ist ständig auf der Suche nach neuen Businesskonzepten, die die Ölbranche umwälzen könnten. Sowohl Mitarbeiter als auch Externe dürfen den Game Changern Vorschläge unterbreiten, das Team bewertet sie dann. Diese Prüfung zeitigt gute Ergebnisse, dauert aber bis zu zwei Jahre - eine Ewigkeit im Turbokapitalismus.

Halfteck überzeugte die Game Changer, Wasabi Waiter zu testen. Zunächst mussten alle ehemaligen Ideengeber - rund 1400 - das Spiel absolvieren. Bei drei Vierteln wurden die Testergebnisse in Beziehung gesetzt zum Grad des Erfolgs, mit dem sie sich in der Shell-Ideenpipeline durchgesetzt hatten. So entstanden Profile typischer Shell-Innovatoren.

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