Dienstag, 23. April 2019

189 000 Euro via Crowdfunding für Yoga-Kette - aber die Matte bleibt kalt Wurden Kleinanleger von deutschem Ex-Internetstar abgezockt? 

Paulus Neef, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2005.

Die Idee klang fulminant. Wie immer bei ihm. "14 Millionen Menschen würden gern Yoga machen in Deutschland. Doch nur wenige tun es - und noch weniger in einem professionellen Studio. Genau das wollen wir ändern." So erzählte es Paulus Neef (55) vor einem Jahr im Werbevideo von Unyte Yoga, einem von ihm gegründeten Start-up, das die Republik mit einer neuen Yoga-Kette überziehen wollte.

Zwölf Monate später scheint von den Plänen nicht mehr viel übrig. Im Internet ist die Adresse www.unyteyoga zwar noch live. Unter der angegebenen Telefonnummer erreicht man aber niemanden mehr, Mails bleiben unbeantwortet. Und auch um das "Studio 1", das im Oktober eröffnen sollte, ist es still geworden. Das wäre alles halb so wild - hätte sich Neef seine neueste Geschäftsidee nicht von Hunderten Crowd-Investoren finanzieren lassen.

Paulus Neef war mal eine große Nummer in Wirtschaftsdeutschland - zumindest eine große Luftnummer. In den 90er Jahren gründete er Pixelpark, die berühmt-berüchtigte Neue-Markt-Firma, die auf dem Höhepunkt der "New Economy" mit fast vier Milliarden Euro bewertet wurde und kurz darauf abstürzte. Neefs eigene Karriere bei Pixelpark endete 2002 mit der Entlassung durch den Aufsichtsrat.

S

chillernd ist auch das zweite große Neef-Projekt aus jener Zeit - das Webportal Sportgate, das er mithilfe des Tennisheroen Boris Becker hochziehen wollte. Die Firma ging pleite. Danach verschwand Neef von der öffentlichen Bildfläche. Bis er letztes Jahr auf der Crowdfunding-Plattform Companisto wieder auftauchte.

Companisto ist eines jener Internetportale, auf denen Schwarminvestoren in Start-ups investieren. Theoretisch könnten so auch Kleinanleger irgendwann mal das nächste Facebook erwischen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 6/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung