189 000 Euro via Crowdfunding für Yoga-Kette - aber die Matte bleibt kalt Wurden Kleinanleger von deutschem Ex-Internetstar abgezockt?

Von Heinz-Roger Dohms
Paulus Neef, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2005.

Paulus Neef, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2005.

Foto: AP

Die Idee klang fulminant. Wie immer bei ihm. "14 Millionen Menschen würden gern Yoga machen in Deutschland. Doch nur wenige tun es - und noch weniger in einem professionellen Studio. Genau das wollen wir ändern." So erzählte es Paulus Neef (55) vor einem Jahr im Werbevideo von Unyte Yoga, einem von ihm gegründeten Start-up, das die Republik mit einer neuen Yoga-Kette überziehen wollte.

Zwölf Monate später scheint von den Plänen nicht mehr viel übrig. Im Internet ist die Adresse www.unyteyoga zwar noch live. Unter der angegebenen Telefonnummer erreicht man aber niemanden mehr, Mails bleiben unbeantwortet. Und auch um das "Studio 1", das im Oktober eröffnen sollte, ist es still geworden. Das wäre alles halb so wild - hätte sich Neef seine neueste Geschäftsidee nicht von Hunderten Crowd-Investoren finanzieren lassen.

Paulus Neef war mal eine große Nummer in Wirtschaftsdeutschland - zumindest eine große Luftnummer. In den 90er Jahren gründete er Pixelpark, die berühmt-berüchtigte Neue-Markt-Firma, die auf dem Höhepunkt der "New Economy" mit fast vier Milliarden Euro bewertet wurde und kurz darauf abstürzte. Neefs eigene Karriere bei Pixelpark endete 2002 mit der Entlassung durch den Aufsichtsrat.

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chillernd ist auch das zweite große Neef-Projekt aus jener Zeit - das Webportal Sportgate, das er mithilfe des Tennisheroen Boris Becker hochziehen wollte. Die Firma ging pleite. Danach verschwand Neef von der öffentlichen Bildfläche. Bis er letztes Jahr auf der Crowdfunding-Plattform Companisto wieder auftauchte.

Companisto ist eines jener Internetportale, auf denen Schwarminvestoren in Start-ups investieren. Theoretisch könnten so auch Kleinanleger irgendwann mal das nächste Facebook erwischen.

Nach der großen Euphorie

Die Realität sieht freilich anders aus. Bislang ist in Deutschland kein einziger bedeutender Fall eines Crowd-Investors bekannt, der seinen Einsatz vervielfacht hätte. Stattdessen haben Schwarmanleger binnen weniger Jahre mehr als 30 Pleiten erlebt - unter anderem mit einem Unternehmen, das einen digitalen Stift entwickeln wollte, aber trotz Hunderttausender Euro Crowd-Kapital nur wenige Wochen durchhielt.

Trotzdem ist die Euphorie groß, als Neef im Mai 2015 Unyte vorstellt. Für die Seriosität sollen eine Handvoll renommierter Partner stehen - darunter Patrick Broome, der Yogatrainer der Fußballnationalelf. Das gut zweiminütige Werbevideo ist hochprofessionell, genauso wie die begleitende Social-Media-Kampagne. Binnen weniger Wochen investieren 258 Kleinanleger exakt 188.715 Euro. Das Geld wird Unyte auch termingerecht überwiesen, heißt es bei Companisto.

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Und seitdem? Das letzte "Projekt-Update" auf Companisto stammt vom 30. Juni 2015, auch der jüngste mit "Liebe Grüße, Paulus" unterschriebene Eintrag in der Kommentarfunktion ist bald ein Jahr alt. Bei Facebook meldeten sich die Protagonisten zuletzt am 1. Dezember. Das Statement geriet reichlich esoterisch: Man sei dabei, "Unyte weiter Leben einzuhauchen. Die letzten Monate waren eine unglaubliche Reise. Sie hat uns weit gebracht und wir sind in spannenden Verhandlungen mit einem potentiellen globalen Kooperationspartner." Am 13. März antwortet ein User auf den Post mit der Frage: "Gibt's eigentlich neue Infos? Wann eröffnet das erste Studio?" Antwort bekommt er keine.

Glaubt man den Angaben bei Linkedin, dann sind führende Köpfe des Unyte-Teams längst weitergezogen. Die Kreativdirektorin schied bereits im vergangenen Juli aus, der "Director Expansion & Construction" im Dezember. Auch Paulus Neef selbst gibt Unyte inzwischen als "frühere" Berufsstation an, von "Mai 2015 bis Januar 2016 (9 Monate)".

Was mit dem Geld passiert ist, bleibt das große Rätsel. Sämtliche Fragen des manager magazins zu Unyte ließ Neef unbeantwortet.

Den Crowd-Investoren bleibt allenfalls ein schwacher Trost. Die Unternehmensbewertung für Unyte hatte Neef offenbar freihändig auf satte sechs Millionen Euro angesetzt. Heißt: Selbst wenn das Projekt ein Erfolg geworden wäre - die Kleinanleger, von denen das Geld stammte, hätten nur einen verschwindend geringen Anteil am Unternehmen besessen.

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