Buchtipp zu Ostern Geniale Angsthasen

Der US-Psychologe Adam Grant erläutert, unter welchen Bedingungen Kreativität entsteht.
Beinahe-Hasenfüße: Larry Page und Sergey Brin hätten Google fast verkauft - für weniger als zwei Millionen Dollar

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Erinnern Sie sich an den Segway, diesen bizarren Elektroroller für Erwachsene, den heute höchstens noch Veranstalter von Sightseeingtouren im Programm haben? Dean Kamen, der bewunderte Erfinder der mobilen Dialyse, hielt seine neue Idee für ein Jahrhundertding, das die Personenbeförderung revolutionieren würde - und kein Geringerer als Apple-Genie Steve Jobs war derselben Meinung. Weil Kamen seinen Erfolg nicht teilen wollte, lehnte er Jobs' Investment ab. Der Segway ging als Flop in die Technologiegeschichte ein. Und er liefert Buchautor Adam Grant ein gutes Beispiel für die Unwägbarkeiten der Kreativität: Es gibt kein Abo auf tolle Ideen; wer einmal Großes geleistet hat, kann beim nächsten Mal schon grandios danebenliegen.

Schöpferkraft ist die Triebfeder des Wachstums. Doch wie lässt sie sich richtig kanalisieren? Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Wharton School of Business, legt mit "Nonkonformisten" einen umfangreichen Band vor, der das Zeug zum Bestseller hat und Sheryl Sandbergs überschwängliches Lob im Vorwort ("Adam hat mein Leben tiefgreifend beeinflusst") tatsächlich verdient. Anhand einer Fülle aktueller Forschungsergebnisse, die er geschickt mit Anekdoten über moderne Businesshelden (von Bill Gates bis Mark Zuckerberg) illustriert, fächert Grant die optimalen Bedingungen für das Neue auf und bürstet die Überzeugungen des Lesers gegen den Strich.

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Zum Beispiel den Mythos, Gründer seien stets coole Hasardeure mit ausgeprägter Risikofreude. Falsch, sagt Grant: Auch extrem Erfolgreiche sind manchmal echte Hasenfüße. Sergey Brin und Larry Page, die Google-Gründer, wollten ihre Suchmaschine bereits in einem frühen Stadium für weniger als zwei Millionen Dollar verkaufen und lieber eine sichere Karriere an der Uni machen. Zum Glück fand sich kein Käufer. Man muss kein geborener Superheld sein, um Originelles zu leisten - das ist die optimistische Kernbotschaft dieses anregenden Buches.

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