Was macht eigentlich ... Michael Kemmer?

Der langjährige Geschäftsführer des Bankenverbands investiert ausgerechnet in - Fintechs.
Michael Kemmer

Michael Kemmer

Foto: Janek Stroisch für manager magazin

Als junger Banker schon nahm sich Michael Kemmer (61) vor, seine Berufslaufbahn mit 60 abzuschließen. Irgendwann, fand er, müsse es mal gut sein mit den durchgetakteten Tagen. Aber wie das manchmal so ist: Kaum hat er die Zeit für sich, ist es auch nicht recht.

Demo und Demontage: Es passiert selten, dass Mitarbeiter für ihren Chef auf die Straße gehen. Michael Kemmer erlebte es vor zehn Jahren, als ihn Bayerns damaliger Ministerpräsident Horst Seehofer bei der BayernLB kippen wollte (kl. Foto). Ein Jahr später trat er wegen des Hypo-Alpe-Adria-Desasters aber doch noch ab. Ein gerichtliches Nachspiel endete mit Einstellung gegen 20.000 Euro Geldauflage. Seine Karriere begann Kemmer bei der HypoVereinsbank, wo er es bis zum Risikovorstand brachte. Von 2010 bis 2017 war er oberster Lobbyist der Privatbanken.

Demo und Demontage: Es passiert selten, dass Mitarbeiter für ihren Chef auf die Straße gehen. Michael Kemmer erlebte es vor zehn Jahren, als ihn Bayerns damaliger Ministerpräsident Horst Seehofer bei der BayernLB kippen wollte (kl. Foto). Ein Jahr später trat er wegen des Hypo-Alpe-Adria-Desasters aber doch noch ab. Ein gerichtliches Nachspiel endete mit Einstellung gegen 20.000 Euro Geldauflage. Seine Karriere begann Kemmer bei der HypoVereinsbank, wo er es bis zum Risikovorstand brachte. Von 2010 bis 2017 war er oberster Lobbyist der Privatbanken.

Foto: Getty Images News/Getty Images

Leger - Polo, helle Hose - sitzt der Zwei-Meter-Mann an einem heißen Sommertag in seinem Lieblingscafé in München am Isarhochufer, das Gesicht gebräunt, tiefenentspannt. "Schade" findet er, dass sein Job als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) im Herbst 2017 nach gut sieben Jahren so abrupt endete. An der Aufgabe als Lobbyist hatte der ehemalige BayernLB-Chef und HypoVereinsbank-Vorstand nicht nur viel Spaß gewonnen, sondern auch einiges Ansehen erworben. Aus der Sicht von BdB-Präsident Hans-Walter Peters (63) war er indes ein wenig zu glanzvoll unterwegs, und so fand er sich drei Jahre früher als vereinbart auf der Straße wieder, genauer gesagt: im Café.

Also kehrte er zu seinem Ursprungsplan zurück. "Ich habe sofort entschieden, keinen Vollzeitjob mehr zu übernehmen." Die neue Freiheit nutzt er für ausgiebige Zeitungslektüre oder Joggen am Morgen. Dann vielleicht noch eine Runde mit dem Rad durch den Englischen Garten. Wenn sich seine Frau von ihrer Aufgabe als Chefärztin loseisen kann, geht es auch mal zum Wandern nach Südtirol.

Rekordsommer lassen sich schlechter verbringen. "Ich gehöre nicht zu denen, die einen durchstrukturierten Tag brauchen", sagt Kemmer, der sich allerdings - sicher ist sicher - dann doch noch ein wenig Schreibtischarbeit aufhalsen ließ.

Vergangenes Jahr holte ihn das Züricher Fintech Loanboox, eine digitale Plattform zur Kommunalfinanzierung, in seinen Deutschland-Beirat. Dort diskutiert er nicht nur mit, sondern hilft auch praktisch: Ist bei einer Bank der Vorschlag einer Kooperation mit Loanboox zur Vorstandsvorlage gediehen, ruft er schon mal an und erklärt diese "gute Sache". Zudem berät er das Fintech Acatus, eine Plattform für Syndizierungen. In die Start-ups hat er auch investiert, mit "sehr viel Freude".

Während er sein Fintech-Portfolio damit als abgeschlossen betrachtet, wäre bei den Aufsichtsratsmandaten wohl noch Luft. Bisher gehört er dem Verwaltungsrat des Luxemburger Logistikers Logwin an, der zu 86 Prozent im Besitz des BMW-Erben Stefan Quandt (52) ist und wo er unlängst den Vorsitz des Prüfungsausschusses übernahm. Soeben kam ein Aufseherjob bei der auf Banken spezialisierten Beratung Eurogroup Consulting hinzu, über einen Uraltkontakt aus seiner Zeit bei der genossenschaftlichen DZ Bank.

Kemmers Netzwerk ist - eine Seltenheit - über alle drei Säulen des Bankensystems gespannt. Weitere Mandate scheinen da nur eine Frage der Zeit zu sein. Es wird ja auch mal wieder Winter.