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Mercedes SLS AMG electric drive: Unter Vollspannung

Foto: Andy Ridder für manager magazin

Mercedes SLS AMG-ED Freude am Stromern

Der Elektroflügeltürer Mercedes SLS AMG electric drive bietet revolutionäre Technik. Testen kann man das rein elektrisch angetriebene Sondermodell nur in Affalterbach. Für manager magazin hat sich der Ex-Banker und Ex-Rennfahrer Thomas Bscher hinter das Steuer gesetzt.

Affalterbach - Mit schnellen Autos kennt sich Thomas Bscher aus: 1995 wurde der heute 61-Jährige Weltmeister für Langstreckenrennen in der GT-Klasse. Im Jahr darauf belegte er beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans den vierten Platz. Wer diesen Profi in die schwäbische Provinz locken will, braucht einen starken Köder.

Gleich ob von seinem Wohnsitz in Köln aus - bis 1996 war Bscher persönlich haftender Gesellschafter bei der damals ebenso unabhängigen wie ehrenwerten Privatbank Sal. Oppenheim - oder von seinem Arbeitsplatz in Berlin, wo Bscher denkmalgeschützte Immobilien "entwickelt": Es muss etwas ganz Exquisites sein, um ihn zu reizen.

Beim Angebot, das rein elektrisch angetriebene Sondermodell des Mercedes SLS AMG zu testen, das am AMG-Standort Affalterbach für die Probefahrten der handverlesenen Kleinserienklientel bereitsteht, sagt Bscher sofort zu.

Tatsächlich bietet der Electric-Drive- ("ED"-)Flügeltürer einzigartige Technik: Vier Motoren, einer für jedes Rad, liefern 751 PS und aus dem Stand 1000 Newtonmeter Drehmoment: Ähnlich viel wie der Bugatti Veyron, den Bscher bis 2007 als Markenchef im VW-Konzern entwickelt hat. Für die Insassen fühlt sich jeder Kick-down an wie ein Schlag in die Magengrube.

Nichts wird gebremst

Noch eine Besonderheit: Das computergesteuerte "Torque Vectoring" verteilt die Antriebskräfte auch bei radikalen Lenkmanövern binnen Millisekunden so präzise auf die Räder, dass der Wagen kein Differenzial braucht, ohne ESP auskommt - und dennoch schneller um die Kurven fegt als mit diesen herkömmlichen Techniken. "Nichts wird gebremst, keine Leistung geht verloren", erläutert AMG-Projektleiter Jan Feustel.

Beim Losfahren stellt Thomas Bscher daher das Fahrprogramm des SLS-ED auf "SportPlus", das ebenfalls dosierbare Torque Vectoring auf die höchste Stufe.

Schon in der scharfen Biegung der Landstraße entfährt dem mm-Tester ein freudig-bewunderndes "Toll!". Nach wenigen kurvenreichen Kilometern folgt das ausführlichere Urteil: "Enormer Antritt, viel mehr Beschleunigungsvermögen als erwartet, dazu eine bisher nicht gekannte Agilität."

Erstaunlich, denn der Elektroflügeltürer bringt 2,1 Tonnen auf die Waage. Allein seine Lithium-Ionen-Akkus wiegen mehr als eine halbe Tonne. Das macht ihn rund 400 Kilo schwerer als das Modell mit Verbrennungsmotor.

Harte Federung für Spaßtouren

Zum Fahrwerk will sich Bscher "lieber nicht äußern": Im SportPlus-Modus, bei dem alle Aggregate ihre maximale Leistung abgeben wie im Renneinsatz, ist die Abstimmung zwar neutral, die Federung aber zu hart für den Rücken des Testers.

Der konzentriert sich auf den Fahrspaß durch das "sagenhafte Einlenkverhalten" und klackert bei jedem Verzögerungsmanöver mit den Paddeln am Lenkrad, um die Kraft der elektrischen Motorbremse zu verstellen. Die lädt als "Rekuperation" die Fahrbatterien wieder auf.

Nach 60 Kilometern Probefahrt hat der SLS-ED 40 Prozent seiner Stromreserven verbraucht. Trotz sportlicher Fahrweise ergibt dies eine Reichweite von 150 Kilometern. Der Tester nennt das "sehr respektabel" und "allemal genug" für die "Spaßtouren", zu denen solche Supersportwagen meist genutzt werden.

Zwar würde sich Bscher, der aktuell am liebsten seinen diskret aufgerüsteten BMW 135 fährt, keinen SLS-ED kaufen. Dafür ist ihm der Flügeltürer dann doch zu auffällig.

Dennoch sieht er in dem Elektrosupersportler die Zukunft der Fahrfreude: Wenn es dereinst mal keine Verbrennungsmotoren mehr geben sollte, "dann wird diese Technik für Spaß bei der automobilen Fortbewegung sorgen."

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