Sonntag, 19. Mai 2019

Meditation Innenansichten eines Chefs

Innenansichten: Meditierende Manager
Dieter Mayr für manager magazin

6. Teil: Menschlichkeit als Revolution

Entsprechend fallen die Ergebnisse einer Gallup-Studie aus: Nur 16 Prozent aller Mitarbeiter engagieren sich aktiv für ihr Unternehmen, 67 Prozent sind unengagiert, und 17 Prozent sind "aktiv unengagiert". Nicht gut.

Durch die Achtsamkeitsübungen lerne die Führungskraft, den Mitarbeiter in einem anderen Kontext wahrzunehmen, als Mensch nämlich, "das ist das eigentlich Revolutionäre daran". In seinem soeben erschienenen Buch, "Ich und die anderen", das er gemeinsam mit der Verhaltensforscherin Christiane Tramitz verfasst hat, verweist Corssen darauf, dass durch die nur geringfügige Umkonditionierung in die Bewusstheit eine Führungskraft dem "K-Modus - Konfrontation, Kampf, Killen" entkommen könne. Das Resultat: Funktionierende soziale Beziehungen in Tateinheit mit der Befriedung des Selbst.

Dem joggenden Topmanager etwa, der selbst im Entspannungsprogramm sein Leistungsprinzip und Wettbewerbsdenken auf die Spitze treibt, legt Corssen Hausaufgaben in den Laufschuh: "Bevor Sie sich zu Tode joggen, schauen Sie sich die Schöpfung am Wegesrand an." Die Klienten müssen ihm berichten, welche Blumen sie gesehen, welchen Vogel sie beobachtet, welchen Duft sie eingesogen haben. "So wird das Joggen nicht nur zur körperlichen, sondern auch zur seelischen Fitness." Auch das sei Meditation.

Für Jens Corssen ist die Sache klar: Ist der Chef gelassen, fühlen sich auch die Mitarbeiter besser, arbeiten engagierter und - Halleluja und Ooomm - "der Laden macht mehr Geld".

Empathie und Movitation

Was für viele ältere Herren in den Chefetagen eine Revolution sein mag - für die junge Generation gehört es fast schon selbstverständlich zum Mindset. Alexandra Beschenar etwa, 32, blond, entzückend, tough, ging schon während des Studiums an der European School of Business in Reutlingen für zwei Monate nach Indien und lernte Yoga.

Bei Lilly Deutschland heuerte sie an, weil die Firma Yogakurse anbietet und die Möglichkeit, als Freiwilliger in sozialen Hilfsprojekten auf der ganzen Welt mitzuarbeiten. Connecting Hearts gehört zur Firmenphilosophie, und so kam Beschenar nach Tansania, um Vorschulkinder zu unterrichten.

Nebenbei sind auch die Aufstiegschancen beim Pharmakonzern Lilly nicht schlecht: Mit 28 war Beschenar bereits Distriktleiterin für Bayern und führte ein Team von zehn Mitarbeiten. Die Mauer aus Ablehnung und Misstrauen der meist älteren Kollegen, die sich anfangs gegen sie aufbaute, ist längst zerbröselt. Beschenar gilt als empathisch und motivierend. Und dass sie Vegetarierin ist, Yoga und Meditation praktiziert und sich jedes Jahr ein paar Tage ins Exerzitienhaus Werdenfels zurückzieht, um zu fasten, weiß jeder. Gilt sie deshalb als esoterische Spinnerin? Nein, eher als Vorbild.

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