Mittwoch, 22. Mai 2019

Meditation Innenansichten eines Chefs

Innenansichten: Meditierende Manager
Dieter Mayr für manager magazin

3. Teil: Positive Energie

Seine Frau drängte ihn, auch etwas für sich zu tun: "Du kannst gar nicht mehr abschalten." Arrigoni entschied sich für eine Meditationsschulung. Schon als Student, wenn er überlastet war, legte er sich aufs Bett, machte seinen inneren Kopf ganz schwarz - und entspannte.

Vom Meditieren war er zunächst enttäuscht, anstelle des siebten Himmels, den er sich erhofft hatte, schoss ihm Profanes durch den Kopf wie: "Ich müsste mal die Schuhe zum Schuster bringen." Es hat gedauert, bis er reinkam, trotzdem blieb er konsequent dabei, ein- bis zweimal am Tag für 15 bis 20 Minuten alle Geräte stummzustellen. Und siehe da, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Er konnte abschalten. Nun weiß er, wovon er spricht. "Innehalten hilft, wenn man gehetzt ist."

Es wirkt. Was lange als esoterische Spinnerei galt, ist heute wissenschaftlich akzeptiert. Die Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, wird mittlerweile sogar von den Krankenkassen anerkannt. Oder, wie Roland Fuschelberger, Arzt im Reichenrefugium "Lanserhof" in Österreich, sagt: "Wenn man per Meditation das Gehirn leer macht, dann geht auch der Blutdruck abbi."

Der vergnügte Mittvierziger nimmt sich mit ganzheitlichem Blick der Malaisen der Manager an. Allerhöchste Zeit sei es, dass sich die Führungskräfte und das System änderten. Und all jene, die sich bei ihm ein ums andere Mal wieder in Topform bringen lassen, sähen das auch so, selbst die härtesten unter ihnen. Allerdings immer mit dem unguten Gefühl: Wenn ich das Ding nicht durchziehe, dann macht's halt ein anderer. "Die sind innerlich zerrissen", sagt Fuschelberger. Die Folge sind massive Schlafstörungen, Rücken- und Verdauungsprobleme, Gereiztheit bis hin zur Aggressivität.

Die internationale Klientel wächst

Die meditierenden Manager - sie alle brauchen einen Meditationsmanager, einen, der sie anleitet. Ohne Guru geht es nicht. Die einen gehen ins Kloster, die anderen suchen regelmäßig eine der bekannten deutschen Koryphäen auf oder buchen lieber gleich ein Original: einen Rinpoche. Anna Preen ist 72 und arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit S.E. Shyalpa Rinpoche zusammen (sie unterrichtet seine Kinder und übersetzt für ihn).

Von Jahr zu Jahr wachse die internationale Klientel, berichtet sie. Immer mehr Businessmänner aus Asien, Amerika und Europa reisen an zu den Massen-Lectures, die Seine Eminenz, der auch in der stierblutroten Kutte wie eine exzentrische Kreuzung aus coolem Rock 'n' Roller und smartem Salonintellektuellen wirkt, in Hongkong regelmäßig abhält.

Die Gebühren dieser erlesenen Darreichungen für den Geist werden in der Regel auf Spendenkonten eingezahlt und fließen in soziale Projekte in Indien oder Nepal. Böse Zungen zischeln, auch teure Luxuslabel würden davon profitieren, wenn sich die Frauen der Erleuchteten im Gegenzug westlicher Konsumdekadenz hingeben. Die Rinpoches, ob sie nun in Asien, Europa oder in den Vereinigten Staaten auftreten, sind auf lange Zeit ausgebucht.

Die Luxusvariante sieht so aus: Man lässt sich seinen Privatguru öfter mal aus Indien einfliegen. Sicher, er lade ihn gelegentlich ein, wiegelt etwa Investor Lars Windhorst ab, als wir ihn auf das Gerücht ansprechen, aber der habe sowieso in Europa zu tun. Windhorst, das gefallene Wunderkind der Kohl-Ära, das sich wieder zurückgekämpft hat, stellt sich allmorgendlich yogamäßig auf den Kopf. Dabei geht es ihm nicht um Entspannung, sondern um positive Energie. "Die Müdigkeit kommt eigentlich immer aus dem Kopf."

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