Sonntag, 26. Mai 2019

Maschinenbau Daheim wachsen, dann angreifen - Chinas Griff nach der Weltmacht

Maschinenbau: Wer noch kämpft - und wer verliert
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Die Großaufträge für deutsche Unternehmen während Kanzlerin Merkels China-Besuch können es nicht überdecken: Aggressive Anbieter aus China ziehen an den Deutschen vorbei. Das heimische Erfolgsmodell ist gefährdet.

Es ist nicht einmal eine Dekade her, da war Putzmeister unangefochtener Weltmarktführer. In Aichtal am Fuß der Schwäbischen Alb bauten ein paar Tausend Mitarbeiter Betonpumpen und Mörtelmaschinen für die Welt. Die Pumpen, die den Beton Hunderte von Metern in die Luft schießen konnten, dienten auf Wolkenkratzerbaustellen rund um den Globus, in Peking, Shanghai oder Dubai.

Doch zugleich wuchs, lange Zeit unbemerkt, fast 9000 Kilometer östlich von Aichtal ein kleiner chinesischer Baumaschinenhersteller namens Sany heran. Vor zwei Jahren schluckte Sany, inzwischen ein Zehn-Milliarden-Euro-Imperium, das bewunderte Vorbild. "Ein chinesischer Traum ist wahr geworden", schwärmte Ex-Sany-Manager Deng Di.

Wird, was in Aichtal geschah, heute und morgen auch mit anderen deutschen Industrieperlen passieren? Fest steht: Die Chinesen planen genau das.

Die Regierung in Peking listet "High-end-Produktionsanlagen" unter den sieben strategischen Schlüsselindustrien auf, die sie in ihrem aktuellen Fünfjahresplan (2011 bis 2015) gezielt fördert. Will heißen: Sie hat sich vorgenommen, in den nächsten Jahren die technologische Lücke zum deutschen Maschinenbau zu schließen. Eine Kampfansage.

Billionen Devisenreserven und staatlicher Bauboom als Stütze

Mit seinen Billionen Dollar an Devisenreserven und seinem riesigen Binnenmarkt entfaltet China eine enorme Dynamik. Norbert Scheuch (54), bis vergangenen September Chef von Putzmeister, hat die am eigenen Leib zu spüren bekommen. Baumaschinen waren als einer der Schwerpunkte im vorherigen Fünfjahresplan auserkoren. Damit sei der Aufbau eines eigenen starken China-Standbeins für Putzmeister kaum noch zu leisten gewesen, sagt Scheuch.

Auch dank des staatlich angefachten Baubooms im eigenen Land haben die chinesischen Hersteller ihren Konkurrenten aus Europa weitgehend den Rang abgelaufen. Technisch halten sie inzwischen sogar mit Global Playern wie Caterpillar Börsen-Chart zeigen aus den USA und Komatsu Börsen-Chart zeigen aus Japan mit. "Chinas beste Baumaschinenhersteller sind jetzt Weltklasse", titelte der "Economist" jüngst.

Die Gewichte verschieben sich dramatisch. Noch vor sieben Jahren war der Maschinenbausektor in China kleiner als hierzulande. Jetzt ist er dreimal so groß und hat seinen Weltmarktanteil in der kurzen Zeitspanne auf 30 Prozent nahezu verdreifacht. Deutsche Hightechfirmen dagegen kamen zuletzt nur noch auf 11 Prozent.

© manager magazin 4/2014
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