Freitag, 21. Juni 2019

Endstation Bogenhausen Wie Martin Winterkorn aus dem Autohimmel fiel

Martin Winterkorns VW-Karriere: Szenen einer Ehe - "Wikos" Aufstieg im Volkswagen-Konzernreich
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12. Teil: Interview mit Uli Hoeneß: "Er sollte sich nicht verstecken"

Im Interview mit manager magazin rät Uli Hoeneß Martin Winterkorn zur Offensive

 Leidgenossen Uli Hoeneß (r., mit Winterkorn beim Basketball) hält zu seinem "persönlichen Freund", Winterkorn bleibt im Aufsichtsrat des FC Bayern München
picture alliance / dpa
Leidgenossen
Uli Hoeneß (r., mit Winterkorn beim Basketball) hält zu seinem "persönlichen Freund", Winterkorn bleibt im Aufsichtsrat des FC Bayern München

mm: Herr Hoeneß, Volkswagen hat Martin Winterkorn nach dem Dieselskandal verstoßen, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Warum sitzt er noch im Aufsichtsrat des FC Bayern?

Uli Hoeneß: Das stand für uns nie infrage. Was bei VW passiert ist, kann ich nicht beurteilen. Aber Martin Winterkorn ist ein toller Mensch und für mich ein persönlicher Freund. Wir arbeiten beim FC Bayern sehr gut mit ihm zusammen, sein Rat ist uns wichtig. Von daher war für Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und mich immer klar: Martin Winterkorn ist gewählt bis 2018 und wird das Mandat erfüllen.

mm: Sie sprechen pro domo. Sie waren in einer ähnlichen Situation, haben sogar eine Gefängnisstrafe verbüßt.

Hoeneß: Ja, das habe ich, und Martin Winterkorn hat mir gleich gesagt, dass er immer zu mir stehen wird. Dafür bin ich ihm dankbar. Aber ich habe auch den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer in den Verwaltungsbeirat geholt, als die Korruptionsvorwürfe gegen ihn auf dem Höhepunkt waren. Das war deutlich vor dem Verfahren gegen mich. Wir haben uns beim FC Bayern immer unser eigenes Urteil gebildet, und Herr von Pierer ist am Ende auch nicht verurteilt worden. Ich bin froh, dass er uns bis heute berät. Auch er ist für mich ein echter Freund geworden.

mm: Martin Winterkorn lebt aktuell fast versteckt. Zieht er sich zu sehr zurück?

Hoeneß: Vielleicht. Er muss sich an dieses neue Leben erst gewöhnen. Das geht ja von Tempo 100 auf vielleicht 30. Aber egal was an Vorwürfen erhoben wird: Er sollte sich nicht verstecken. Ich habe mich öffentlich gezeigt, als ich am Wochenende Hafturlaub hatte. Ins Stadion durfte ich nicht, das war mit der Gefängnisleitung vereinbart. Aber ich bin mit meiner Familie ins Restaurant gegangen, war auch Golf spielen. Martin Winterkorn hat erst recht keinen Grund, sich zurückzuziehen.

mm: Sie gehen mit ihm essen, laden ihn zum Basketball ein. Was raten Sie ihm bei diesen Treffen?

Hoeneß: Er braucht Freunde. Martin Winterkorn war fast verheiratet mit Volkswagen und Audi, hat 24 Stunden am Tag für das Unternehmen gelebt. Da ergeben sich wenige Möglichkeiten, einen privaten Freundeskreis zu pflegen oder aufzubauen. Das wäre jetzt wichtig. Freunde, mit denen er zum Beispiel Schafkopf spielen und schlicht entspannen kann. Er sollte die neue Freizeit nutzen. Mal ein paar Wochen mit seiner Frau verreisen, die Bäume im Englischen Garten beim Spazierengehen anschauen und nicht nur aus dem Flugzeug.

mm: Und dann ...

Hoeneß: ... könnte ich mir vorstellen, dass sein Rat noch anderswo gefragt ist als beim FC Bayern. Das muss ja kein Autounternehmen sein.

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