Mittwoch, 19. Juni 2019

Endstation Bogenhausen Wie Martin Winterkorn aus dem Autohimmel fiel

Martin Winterkorns VW-Karriere: Szenen einer Ehe - "Wikos" Aufstieg im Volkswagen-Konzernreich
Getty Images

11. Teil: Piëch verweigert ihm die Hand

Die alte Unternehmenskultur? Zur Gefahr erklärt. Immer wieder proklamieren Matthias Müller und Herbert Diess das "New Volkswagen".

Die Absatz- und Gewinnrekorde? Als Zerrbild entlarvt.

Die Errungenschaften und Erfolge der Winterkorn-Ära? Vergessen.

Der Geschmähte weiß nicht einmal, wie viel von seinem Vermögen bleibt. Rund 130 Millionen Euro hat er brutto verdient, seit er 2002 den Chefposten bei Audi antrat. Dazu kommen nicht umgewandelte Aktienrechte und fast 30 Millionen Euro Rentenzusagen. Doch der Konzern prüft längst, ob er von Winterkorn Schadensersatz verlangt.

Noch hätten die Anwälte nichts Belastendes gegen den langjährigen Vorstandschef gefunden, heißt es in Wolfsburg. Aber als CEO trug er die größte Verantwortung, die US-Behörden könnten theoretisch gegen ihn persönlich vorgehen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Verdacht: Marktmanipulation. Winterkorn und Markenchef Diess sollen die Börsen zu spät über die drohenden Kosten informiert haben. Beide weisen die Vorwürfe zurück.

Piëch verweigert ihm die Hand

Einer der wenigen Freunde, die Winterkorn geblieben sind, ist Uli Hoeneß (64). Der Mann dürfte sehr genau nachfühlen können, wie es Winterkorn gerade geht; er rät ihm, sich "nicht zu verstecken". Hoeneß war 35 Jahre lang Manager und Präsident des FC Bayern, er hat den Klub praktisch im Alleingang zur Fußballweltmarke geformt, wurde ähnlich hofiert wie Winterkorn - und musste dann wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis.

Der Fußballmanager ist für Winterkorn seit Jahren ein Vorbild. Die beiden schätzen sich, sind inzwischen Duzfreunde und haben einander wiederholt geholfen. Audi ist mit 8,3 Prozent an Bayern München beteiligt. Jetzt darf Winterkorn seinen Sitz im Aufsichtsrat des FC Bayern behalten; "sein Rat ist uns wichtig", sagt Hoeneß. Winterkorn werde sein Mandat erfüllen. Wenigstens ein Amt, wenigstens ein Anlass, die Villa in Bogenhausen auch mal zu verlassen. Doch die Ehrentribüne des FC Bayern taugt nicht als Ersatz für die Vorstandsetage in Wolfsburg. Und auch nicht für Ferdinand Piëch.

Winterkorn hätte Piëch selbst nach dem Machtkampf noch die Ehre erwiesen. Er wollte den neuen Luxus-VW Phaeton passend zum 80. Geburtstag des Patriarchen 2017 präsentieren. Erst Matthias Müller und Herbert Diess stoppten das Projekt, schrieben die bislang angeblich aufgelaufenen Kosten von 700 Millionen Euro ab.


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Piëch hingegen denkt nicht an Versöhnung. Zuletzt treffen sich die beiden im Sommer 2015 bei einer Aufsichtsratssitzung der Porsche Holding SE. Piëch hat den Aufsichtsratsposten bei der SE als einziges Mandat behalten, Winterkorn ist als Vorstandschef geladen.

Piëch kommt, geht herum, schüttelt Hände, spricht hier und da ein paar Worte. Nur einem verweigert er sich: Als Martin Winterkorn auf ihn zugeht, wendet Piëch sich ab.

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