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Koffer: Leichte Begleiter

Foto: Eva Hillreiner für manager magazin

Reisegepäck Zeitgeist auf Rollen

Schicke Trolleys markieren die neue Leichtigkeit des Seins. Der ideale Begleiter hat geschmeidige Rollen und macht sich ebenso leicht wie seinem Besitzer das Leben auf Reisen. Aber wer wirklich wichtig ist, muss immer noch schwer tragen.

Hamburg - Gesucht: Der ideale Begleiter. Wie mögen Sie Ihren am liebsten? Hart oder weich, schwarz oder bunt? Vier Rollen oder zwei? Es geht um nichts anderes als Ihren Reisekoffer, diesen kleinen, kastigen Gefährten, den Sie als Profi-Traveller öfter an Ihrer Schokoladenseite ausführen als Ihre(n) Partner(in).

Wie auch immer Ihr Kofferkarma aussieht: Wir alle wollen von unserem rollenden Begleiter heute vor allem das eine: Leicht muss er sein, der Hackenporsche. Superleicht. Das gebieten schon die gestrengen Waagen am Check-in, die im Namen der geplagten Airline-Bilanzen Aufpreise eintreiben sollen.

Doch die Lust auf Leichtigkeit, sie reicht viel tiefer. Wir wollen nicht nur leicht tragen, wir wollen uns auch leicht fühlen, erleichtert von allzu viel Mühsal und Ballast. Schließlich schleppt auch niemand mehr Akten herum. Der ganze Papierkram ruht, zu binärer Gewichtslosigkeit komprimiert, auf dem Tablet. Das wiederum ganz leger unterm Arm klemmt.

Und alles andere nimmt der moderne, mobile Mensch ebenso leicht. Schließlich könnte man ja auch - das sollen hier in der Lounge ruhig alle merken - ganz anders, jetzt und sofort! Statt den Flieger zum Meeting nach Hamburg den zum Surfen nach Hawaii boarden, no problem! Stress kennt nur der, der ihn nicht leichthändig wegpackt, und der Koffer, der kommt natürlich mit, ist ja immer alles drin, für jeden Anlass.

Früher waren Trolleys hässlich wie Trolle

Früher waren die Trolleys (vor allem die der Männer) hässlich wie Trolle, rollende Kartons aus Plaste und Elaste, bar jeder Eleganz. Nun wird das Accessoire zum Symbol für die gut erträgliche Leichtigkeit des Seins, zum Spiegel des Zeitgeistes. So erklärt es uns Gerd Müller-Thomkins, als Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln qua Amt jederzeit stilsicher. Nicht nur passen muss das Gepäckstück nämlich heute zum Outfit (für die Damen natürlich längst gesetzt), es darf und soll auch einen Blick in die Seele öffnen.

Kein Wunder, dass in der Mode der Weekender sein Revival feiert: Der hat Henkel statt Teleskopstangen, keine Rollen, bietet wenig Platz und noch weniger Knautschschutz, aber er genügt für alles Essenzielle, er demonstriert: Ich nehm's leicht.

Helden der Leichtigkeit haben den Trend gesetzt. Mal gesehen, wie George Clooney alias Ryan Bingham im Film "Up In The Air" als Outplacing-Handlungsreisender eine zu schwer beladene junge Kollegin am Gate in die wahre Kunst des Kofferpackens einführt? Das ist wirklich "light"! Oder wie der heutige Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain anno 2011 mit einem schwarzgrauen Rucksack über der Sakkoschulter zur stocksteifen Bilanzpressekonferenz auflief? Sogar ein Spitzenbanker, ließ uns Jain so wissen, kann das Leben federleicht nehmen. Alles eine Frage der inneren Balance.

Zugegeben: Manches Amt begrenzt das schwerelose Feeling ein wenig. Als Faustregel gilt, Anshu Jain hin oder her: Je höher auf der Karriereleiter, desto schwerer das Gepäck. Barack Obama lässt sich auf jeder Reise von einen Koffer aus Metall begleiten, dem mächtigsten Koffer der Welt. Der sogenannte "nuclear football" enthält die Codes für Amerikas Atomraketen und wiegt 20 Kilo. Tragen muss der US-Präsident seinen Koffer nie. Das erledigt ein Offizier für ihn. Manches wird eben erst dann ganz leicht, wenn man ganz oben ist.

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