Dienstag, 28. Januar 2020

Leistung um jeden Preis Der Pillenkick

Karriere: Manager suchen den Pillenkick
DPA

4. Teil: Die Droge der Alphatiere

Christoph Daum, Eckart Witzigmann, Kate Moss: Das euphorisierende Kokain macht eloquent, enthemmt und gilt noch immer als Droge der Alphatiere. In Europa ist es, nach Cannabis, das am häufigsten illegal konsumierte Stimulans.

Mit Wasserproben identifizierten Forscher die Kokshochburgen in Deutschland. Die höchste Konzentration wiesen sie im Rhein bei Mannheim nach, gefolgt von Köln und Düsseldorf. Für den Nobelskiort St. Moritz errechneten die Experten gar 22 Lines je 1000 Einwohner - pro Tag. "Kokain ist in einer bestimmten gehobenen Szene - Management, Ärzte, Kreative - weitverbreitet, zum Feiern und zur Leistungssteigerung", sagt Michael Soyka, Chefarzt der renommierten schweizerischen Privatklinik Meiringen, ein so bekannter wie diskreter Pilgerort für Angehörige besagter Kreise, die es ein klein wenig übertrieben haben.

Zu Soykas aktuellen Schützlingen gehört Marcel Dukat(*), Erbe und Miteigentümer eines Schweizer Handelsunternehmens, in dessen Verwaltungsrat er sitzt. Dukat, groß, gepflegte Kleidung, sportbegeistert, begann das Koksen mit 18; um Geld machte man sich in seiner Clique keine Sorgen, "wir haben gern und lang gefeiert". Ein paar Lines gehörten immer dazu, auf der Toilette, daheim bei den Eltern, im Separee der Nachtklubs. "Alle meine Freunde koksen", sagt Dukat.

Bloß: Die meisten von ihnen, Unternehmer, Bankiers, Ärzte, schafften es, ihren Konsum dem Partyrhythmus anzupassen - einmal im Monat oder einmal pro Woche. "Kokain macht abhängig, aber eine schwere, unkontrollierbare Sucht entwickelt nur rund ein Drittel der Konsumenten", schätzt Chefarzt Soyka, der die Szene auch als nebenberuflicher Krimiautor beschreibt.

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