Montag, 27. Mai 2019

75 Topfrauen der deutschen Wirtschaft Die herausragende Managerin 2016: Melanie Kreis

Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post
Majid Moussavi / manager magazin
Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post

4. Teil: Schwangere Dealmakerin

Von den ersten Zukäufen, die ihr neuer Arbeitgeber damals durchspielte, soll sie abgeraten haben. 2005 saß sie erstmals neben Vorstand Appel bei einem wichtigen Deal im Driver's Seat: Die Post übernahm den britischen Logistiker Exel, Kreis leitete das Projektteam, hochschwanger.

2008 dann der nächste große Coup: der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank. Kreis (zum zweiten Mal kurz vor dem Mutterschutz) arbeitete mit Bernd Boecken zusammen, dem Bereichsleiter Finanzen, zu der Zeit in seinem letzten Dienstjahr. Ein denkwürdiges Dream-Team seien sie gewesen, "der Pensionär und die Schwangere". Am Freitag besiegelte dieses Team den Deal, am Montag darauf brach Lehman Brothers zusammen. Punktlandung.

Die Jury
Christoph Zeiss
ist Mitgründer der internationalen Personalberatung Heads!.
Carsten Kratz
ist Sprecher der Geschäftsleitung der Boston Consulting Group für Deutschland und Österreich.
Steffen Klusmann
ist Chefredakteur des manager magazins.
Janina Kugel
ist als Personalchefin und Arbeitsdirektorin eine von zwei Frauen im Siemens-Vorstand.
Christiane Benner
"prima inter pares" des Jahres 2015 und zweite Vorsitzende der IG Metall.
Isabell Welpe
ist Managementprofessorin und hält an der TU München den Lehrstuhl für Strategie und Organisation.
Ralf Kleindiek
ist Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und war federführend am Quotengesetz beteiligt.
Werner Brandt
sitzt den Aufsichtsräten von Innogy, RWE und ProSiebenSat.1 vor und kontrolliert die Lufthansa sowie Osram Licht.

Danach steigt Kreis zackig auf: 2010 Leiterin Konzerncontrolling, 2013 Finanzvorstand der Express-Sparte, 2014 Arbeitsdirektorin. Der Personalerjob wird mehr oder weniger überfallartig an sie herangetragen, weil das Ressort nach dem abrupten Ausscheiden von Angela Titzrath verwaist ist.

Ihre Bewährungsprobe hat sie im Sommer 2015, als die Gewerkschaft Verdi sich mit der Post einen gnadenlosen Arbeitskampf liefert. Brief-Vorstand Jürgen Gerdes und Appel wollen neue Mitarbeiter zukünftig nur noch in Billigtöchtern anstellen. Verdi läuft Sturm, vier Wochen lang wird gestreikt, Kreis soll den Konflikt lösen.

Das gelingt ihr tatsächlich, mit viel Fingerspitzengefühl. "Wenn Dinge schwierig werden, muss man ruhig bleiben und sie auf menschlich korrekte Weise rüberbringen", sagt sie. Das Verhandlungsziel, den Bruch der Tarifeinheit, nimmt sie keinen Fingerbreit zurück. Die "FAZ" schreibt später: "Die Post bereitet Verdi ein Waterloo an der Ahr."

Hart verhandeln kann Melanie Kreis. Doch hält sie auch stand, wenn ihr Gegenüber mit unfairen Mitteln kämpft? Würde sie es wollen? Noch hat sie das nicht erlebt: "Wir gehen vorstandsintern sehr unpolitisch miteinander um, mit großem Respekt für die Expertise des anderen." Bisher ist sie nirgends unterlegen.

Oder doch, einmal vielleicht. Vergangenes Jahr traf sich der Vorstand für ein paar Stunden auf der Kartbahn, zwecks Teambuilding. Kreis lag vorne, doch dann, ein einziger dummer Fahrfehler, und Express-Vorstand Ken Allen zog an ihr vorbei. Einen Pokal hat sie trotzdem bekommen, für Platz zwei. Eine echt "traurige Geschichte", sagt Kreis. Und muss lachen.

© manager magazin 1/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung