Samstag, 20. Juli 2019

75 Topfrauen der deutschen Wirtschaft Die herausragende Managerin 2016: Melanie Kreis

Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post
Majid Moussavi / manager magazin
Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post

3. Teil: Sie musste nie an Türen rütteln, sie wurde immer gefragt

Sie will die Dinge durchdringen, je komplexer, desto interessanter für sie. Ihren Hang zum Perfektionismus indes versucht sie sich abzutrainieren, "sonst nähme der Arbeitstag kein Ende". Sie hat sich stets treiben lassen von ihrer Neugier, musste nie an Türen rütteln, wurde immer gefragt. So wurde aus der Physikerin, die während des Diploms an Cäsiumatomen forschte, erst eine Firmenhändlerin in der City von London und später eine Finanzvorständin.

Geboren ist Melanie Kreis dort, wo sie heute wieder arbeitet: in Bonn. Der Vater ist Beamter im Entwicklungshilfeministerium, die Mutter in Norbert Blüms Arbeitsbehörde. Man lebt bildungsbürgerlich, gibt Geld für Theater und Reisen aus. Abends liest der Vater aus der Odyssee vor.

Als erste Beamtin teilt sich die Mutter die Leitung ihres Referats mit einer Kollegin. Ohne dass daheim ständig über Frauenkarrieren geredet wird, lernt Melanie, dass Familie und Beruf zusammenpassen können.

Sie absolviert die Schulzeit mit links und stürzt sich ins Physikstudium. Das Fach hatte sie zugunsten von Mathe und Chemie in der Schule abgewählt; aber sie stellt fest: All die Jungs mit dem Leistungskurswissen sind nicht uneinholbar. Ins Wasser springen und schwimmen lernen - so hat sie es seither immer gehalten.

Lust auf Käsefondue

Ein Praktikum bei McKinsey hinterlässt das Gefühl, "in acht Wochen mehr zu lernen als in acht Monaten im Physiklabor". Sie unterschreibt bei den Beratern, die schicken sie im dritten Lehrjahr zum MBA ans Insead nach Fontainebleau. Dort wird das Ende ihrer McKinsey-Laufbahn durch ein Käsefondue der Private-Equity-Gesellschaft Apax besiegelt.

Deren Rekrutierungsdinner hat Melanie Kreis eigentlich ignorieren wollen, Firmenjäger hält sie für ruchlose Gesellen. Andererseits hat sie mal wieder Lust auf Käsefondue. Also geht sie hin, unterhält sich bestens, führt am nächsten Morgen noch ein paar offizielle Interviews - und bekommt einen Vertrag für London.

Die Welt der Dealmaker fordert ihren Intellekt heraus. Strategisch denken, die Dinge noch mal neu wenden, durchrechnen, nachverhandeln, notfalls nachts um drei, bis die Transaktion so steht, wie sie es haben will: Das liebt sie.

Ein Headhunter vermittelt sie dann 2003 zur Deutschen Post, die sucht einen M&A-Experten. Wieder einmal passt alles: Den Job traut sie sich zu, nach Deutschland will sie der Liebe wegen zurück. Die McKinsey-Vergangenheit mag geholfen haben, auch der damalige Vorstandschef Klaus Zumwinkel ist ein Meckie. Doch direkten Kontakt zur Topebene, sagt Kreis, habe es nicht gegeben, als sie zur Konzernentwicklung stieß. Der Vorstand, das war für sie "irgendwo viel weiter oben".

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