Freitag, 28. Februar 2020

Drei Vorbilder für Wiederbelebungen von Unternehmen Comeback nach dem Absturz - wie geht das?

Geht doch (Details siehe nachfolgend).
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Geht doch (Details siehe nachfolgend).

4. Teil: Pakt mit den Arbeitnehmern

Trotz des Clinchs mit Kaeser und den Investoren findet Berlien im Sommer 2016 einen Käufer für die Leuchtensparte, mit dem auch die Beschäftigten einverstanden sind. Das hilft gewaltig. "Es gab nicht einen Handzettel, der vor dem Werk verteilt worden ist", erinnert sich der Osram-Chef.

Der neue Eigentümer aus China kann das weltweite Vertriebsnetz der Abspaltung (namens Ledvance) für seine eigenen Produkte nutzen. Auch Osram soll davon profitieren. Die Ledvance-Eigner werden der Chipfabrik, so ist es festgeschrieben, ein Fünftel der Jahresproduktion abnehmen.

Inzwischen goutieren die Aktionäre die Strategie. Waren die Einzelteile im Januar 2015 noch fast 28 Prozent mehr wert als Osram insgesamt, so liegt ihr Wert heute um 5 Prozent darunter.

Nicht immer stellt sich der Erfolg so rasch ein wie im Fall Osram. Vor allem Unternehmen, die von einer tief greifenden Strukturkrise befallen sind, haben länger zu kämpfen. Wie zum Beispiel die Heidelberger Druckmaschinen AG Börsen-Chart zeigen. Zwar hat der Weltmarktführer laut BCG seine Ergebnisse "bemerkenswert" verbessert. Der Einbruch bei den Aufträgen (minus 50 Prozent beim Neuverkauf seit 2007) und die digitalen Verwerfungen sind indes zu groß, um die Transformation als abgeschlossen zu betrachten. Der Umsatz lag zuletzt zwar über dem Vorjahr, aber am Ende des Jahres blieb nur ein karger Überschuss von 28 Millionen Euro in der Kasse hängen.

Auch SGL Carbon hat erst zwei Drittel des Turnarounds geschafft - bestenfalls. Das Wiesbadener Hightechunternehmen, das zum Industriebesitz von Großaktionärin Susanne Klatten (55) gehört, kommt von ganz weit unten. Zwischen 2013 und 2016 wurden eine knappe Milliarde Euro Verluste angehäuft, der Kurs sackte ins Bodenlose.

Mit dem Verkauf des alten Kerngeschäfts, den Grafitelektroden, gelang es im vergangenen Jahr immerhin, das größte Leck zu stopfen. Rund 40 Prozent seines Erlöses stößt SGL ab, bis Mitte 2017 soll der Deal abgeschlossen werden.

Für 2018 erwartet CEO Jürgen Köhler (56) dann wieder schwarze Zahlen. Und die Aktionäre dürfen auf die erste Dividende seit 17 Jahren hoffen, die diesen Namen verdient. Bis dato gab es zweimal 20 Cent pro Aktie - eine Krise kann eben, zögerlich angegangen, sehr lange dauern.

© manager magazin 6/2017
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