Freitag, 19. April 2019

Die eigenen Kaliber der Luxusuhren-Manufakturen Die Mechanik des Erfolgs

3. Teil: Der Preis der Freiheit

Die deutsche Vorzeigemarke Nomos ist mit der Fertigung eigener Werke besonders gut gefahren. Firmenchef Uwe Ahrendt (48) kann seit drei Jahren zweistelliges Umsatzwachstum vorweisen - trotz Uhrenflaute.

2005 brachte Nomos ein eigenes Automatikwerk auf den Weg, 2014 folgte das eigene Schwingsystem, eine kleine Sensation, die 2015 noch getoppt wurde vom ultraflachen Automatikwerk DUW 3001, hymnisch begrüßt von der Fachwelt. Die neue Freiheit hatte natürlich ihren Preis. Allein die Entwicklung des Schwingsystems hat gut elf Millionen Euro verschlungen.

Für Ahrendt hat sich die Investition ausgezahlt: "Wir stellen heute dreimal so viele Uhren her wie 2012, das ganze Wachstum der letzten Jahre wäre nicht möglich gewesen, weil wir vom Zulieferer auf die Mengen von 2010 limitiert sind."

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Ähnlich sieht man das bei Oris. In den goldenen 60er Jahren haben in der dreistöckigen Fabrik in Hölstein, einem 2500-Seelen-Flecken 25 Autominuten südöstlich von Basel, 800 Leute 1,2 Millionen Armbanduhren und Wecker gebaut. Heute wird das Gros der Arbeiten von Partnerfirmen erledigt. Einzig Endmontage, Vertrieb und Kundenservice sind noch in den hauseigenen Werkräumen untergebracht. Man hält sich schlank.

Ulrich W. Herzog, der Verwaltungsratsvorsitzende, bis vor einem Jahr CEO und ein Apostel der Mechanikauferstehung, lässt sich gern mit dem Satz zitieren: "Während die Genfer Uhren für Adelige herstellten, bauten wir Wecker für Menschen, die morgens rechtzeitig aufstehen müssen." 2017 klingt das so: "Real watches for real people".

Der stämmige Patron mit dem kahlen Rundschädel hat Oris 33 Jahre lang geführt. Zuvor war er bei Chevron Oil für 150 Tankstellen zuständig. Er hat der Uhrenmarke nach der Quarzkrise wieder Respekt verschafft. Mit Mechanik zu maßvollen Preisen. Pünktlich zum 110. Jubiläum 2014 brachte er das erste eigene Kaliber heraus, limitiert auf 220 Exemplare. Oris hatte bis zur Quarzkrise rund 280 Werke selbst entwickelt, war also im besten Sinne vorbelastet. Herkunft verpflichtet!

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