Sonntag, 21. April 2019

Die eigenen Kaliber der Luxusuhren-Manufakturen Die Mechanik des Erfolgs

2. Teil: Ungeahnte Verbindungen

Die dafür neu eingerichtete Fabrikationskette hat das überkommene Zusammensetzen der Uhren geradezu revolutioniert. Jedes Werk wird von hoch entwickelter Software überwacht und automatisch zur nächsten Fertigungsstation geleitet. Dabei wechseln sich voll automatisierte Werkplätze mit solchen für manuelle Arbeiten ab. Auf 50.000 Kaliber pro Jahr ist die neue Chronométrie ausgelegt. Höhenrekord.

Der wurde jüngst mit einer feinen Geschäftsverbindung belohnt. Danach liefert Breitling seine Chronografenwerke an Tudor, ein Tochterunternehmen von Rolex; und verbaut dafür Dreizeigerwerke von Tudor. Breitlings Geschäftsmodell hat etliche Interessenten angezogen. Inzwischen hat der Finanzinvestor CVC die Mehrheit der Anteile von der Familie übernommen.

Eine weitere hoch angesehene Fabrikation findet sich südwestlich in den Jura-Bergen, im weltabgeschiedenen Fleurier. Dort hat Karl-Friedrich Scheufele (59), Mitinhaber und Uhrenchef von Chopard, die Tochterfirma Fleurier Ebauches eingerichtet, für die industrielle Fertigung von Werken in größerer Stückzahl. Chopard produziert etwa 5000 hochwertige Uhren und 10.000 Werke im Jahr für das mittlere Preissegment. Insgesamt hat das Unternehmen fast 40 Millionen Franken in die Unabhängigkeit investiert, 35 Prozent der mechanischen Werke stammen aus Eigenproduktion. Das dabei gewonnene Wissen habe enorm geholfen, sagt der stets akkurat gekleidete Deutsche. "Ein strategisch wichtiger Schritt, aber kein einfaches Unterfangen."

Die Uhren der Politiker - Wie Merkel, Schulz, Schäuble und Co. die Stunden zählen

Den Anfang machte das automatische Basiskaliber 01.01-C mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, 60 Stunden Gangreserve. Damit habe es die erste Kaliberserie aus den Werkshallen von Fleurier Ebauches mit Rolex und Omega aufgenommen, notierte die "Neue Zürcher Zeitung". Mittlerweile stellt Scheufele neun eigene Werke her, ein Aufwand, der sich gelohnt hat.

Auch für Sascha Moeri sind solche Eigenentwicklungen ein zentraler Kompetenzausweis. Moeri, ein smarter 44-Jähriger, ist seit 2010 Chef der Premiummarke Carl F. Bucherer des gleichnamigen Luzerner Juweliers. In Lengnau bei Biel, einer der Hochburgen des schweizerischen Uhrenbaus, werden 25.000 Uhren pro Jahr hergestellt. Hauptsächlich im Preissegment zwischen 5000 und 20.000 Franken. Gern auch darüber.

Im vergangenen Jahr hat Moeri das Werk CFB A2000 auf den Markt gebracht, einen revolutionären Automatikmotor, den ersten industriell gefertigten Uhrenantrieb mit peripherem Rotor, der als Ring den Werkskorpus rückseitig umläuft, um bei jeder Bewegung neue Energie zu liefern. Neben dem ästhetischen habe die Konstruktion auch einen funktionellen Grund, so Moeri. "Mit diesem Rotor benötigt man weniger Gewicht, um das Uhrwerk aufzuziehen."

Auch sonst hat er reichlich Manufakturkaliber im Sortiment: Tourbillon, Flyback-Chronograf, Ewiger Kalender, entwickelt von renommierten Konstruktionsbüros wie Renaud & Papi, Vaucher, La Joux-Perret. Die eigenen Werke gehören für Moeri zur DNA des Hauses, "damit wollen wir identifiziert werden", sagt er. Seit seinem Start vor acht Jahren hat er die Produktion bei Bucherer mehr als vervierfacht.

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