Montag, 23. September 2019

Lufthansa Bitte Sitzgurte straff ziehen

Lufthansa: Revolution von oben
DPA

Europas größte Fluglinie steckt mitten in einem beispiellosen Umbau - eine Belastungsprobe für Manager, Mitarbeiter und Kunden. Reportage über einen Konzern in Aufruhr.

In Frankfurt blicken sie auf exotische Themengärten. Da plätschert es in Zierbassins, da salutieren Palmen vor Pagoden. In Köln geht der Blick allenfalls auf einen Weiher, der sich selbst überlassen scheint, eingeklemmt zwischen Rollbahn und Cargo-Terminal.

In Frankfurt, in der Zentrale der Deutschen Lufthansa Börsen-Chart zeigen, walten sie in einem luftigen Glaspalast, der mehr als eine Viertelmilliarde Euro verschlungen hat. In Köln, bei der Tochter Germanwings, sitzt man in einem schmucklosen Riegel in Containerbauweise: monotone Fensterreihen, niedrige Decken, dünne Wände aus Gips.

Thomas Winkelmann (53), der Chef von Germanwings, hätte allen Grund, sich benachteiligt zu fühlen. Doch der gertige, groß gewachsene Manager prahlt noch mit seiner Sparzentrale. Acht Euro kalt pro Quadratmeter betrage die Miete, triumphiert er. "Meine gesamte Büroeinrichtung" - die flachen Hände weisen segnend in den Raum - "hat einen Euro gekostet." Ein Restposten zum symbolischen Preis, erstanden bei der Auflösung eines Callcenters der Telekom.

Das Siegerlächeln des Schnäppchenjägers

Thomas Winkelmann, der Schnäppchenjäger, zeigt ein Siegerlächeln. Er wähnt sich eindeutig auf der richtigen Seite - bei der neuen Lufthansa. Konzernchef Christoph Franz (53) will das Unternehmen in eine bessere Zukunft sparen, den Gewinn bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro hochtreiben. Winkelmann mit seiner Low-Cost-Airline Germanwings ist dabei einer seiner wichtigsten Verbündeten.

Was man von Marlies Rose wohl weniger behaupten kann. Die energische Frau ist bereits bei den ersten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi im April aktiv geworden. Rund 5000 Menschen waren mit Transparenten und Trillerpfeifen vor das Terminal 2 des Hamburger Flughafens gezogen. Marlies Rose stellt sich als Betriebsrätin und alte Lufthanseatin vor, die 38 Jahre lang "gern für dieses Unternehmen gearbeitet" habe. Sie geißelt den Sparkurs des Vorstands, beklagt "Heuschreckengebaren" und das neue Gewicht des Discounters Germanwings, der am Boden auf Fremdfirmen setze.

© manager magazin 6/2013
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