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Der Taschentycoon: Longchamp-CEO Jean Cassegrain

Foto: Getty Images for Longchamp

Fünf Minuten mit: Jean Cassegrain, CEO von Longchamp "Wenn ich mich nach einer Frau umdrehe, meist nur wegen der Handtasche"

Jean Cassegrain, CEO des Edeltaschen-Herstellers Longchamp, über die Kunst, Frauen zu verstehen.

Die Brasserie "Flottes", nahe den Tuilerien. Draußen: Austern. Drinnen: erste Business-Luncher. Jean Cassegrain findet es noch zu früh zum Essen, er bestellt ein Perrier mit Zitrone. Der Longchamp-Chef, Jeans und Jackett, schmale Krawatte, sehr gepflegter Bart, führt den Lederwarenhersteller in dritter Generation. Ein sonniger Frühlingstag, Paris à la bonheur. Zeit, über Wesentliches zu sprechen.

mm: Herr Cassegrain, Sie sind qua Beruf Frauenversteher. Erklären Sie uns bitte, was Frauen wirklich wollen.

Jean Cassegrain: Frauen sind ein Rätsel, genau das macht sie so wunderbar. Aber auch unberechenbar, das macht meinen Beruf kompliziert. Ganz ehrlich: Niemand weiß, was Frauen nächstes Jahr wollen. Und unser Geschäft ist zu schnell für Fokusgruppen und Kundenbefragungen. Deshalb vertrauen wir auf unsere Intuition. Der Rest ist Magie.

mm: Ein paar Dinge haben Sie doch sicher herausgefunden?

Cassegrain: Frauen legen mehr Wert auf Ästhetik, Männer wollen vor allem Funktion. Und Männer sind konservativ: Wenn sich am Produkt was ändert, sind sie enttäuscht. Zum Beispiel mein Portemonnaie: Das Design ist so altmodisch, dass es so nicht mehr hergestellt wird. Ich muss es mir extra anfertigen lassen. Frauen sind viel offener für Neues, sie probieren gern etwas aus und lassen sich ungern festlegen.

mm: Kommen die Damen deshalb besser mit Komplexität zurecht als die Herren?

Cassegrain: Männer denken vor allem rational, sie lieben Strukturen. Frauen denken in Beziehungen, das verschafft ihnen einen ganzheitlicheren Blick auf die Dinge. Ich würde sagen: Komplexität macht ihnen einfach weniger aus. Vielleicht haben sie deshalb im Schnitt zehnmal so viele Handtaschen wie Männer.

mm: Klären Sie uns auf: Was läuft da eigentlich zwischen einer Frau und ihrer Handtasche?

Cassegrain: Ganz einfach: Sie trägt ihr Leben darin herum. Schütten Sie den Inhalt einer Damenhandtasche auf einen Tisch - und Sie sind in der Lage, das Porträt der Besitzerin zu schreiben. Für Frauen sind ihre Taschen Lebensbegleiter. Sie erwarten von ihnen das Gleiche wie von einem Mann: Sie müssen funktional sein, belastbar, verlässlich - und dabei natürlich toll aussehen.

mm: Haben denn Frauen in Peru den gleichen Geschmack wie die in Paris?

Cassegrain: Das ist weniger eine Frage der Geografie als eine des Lebensstils. Die Menschen in den Metropolen leben oft aktiv und dynamisch, sie reisen viel und haben gewisse Ansprüche an Produkte, mit denen sie täglich zu tun haben. Das gilt für den Café au Lait ebenso wie für Kleidung oder Taschen. Was diesen Lebensstil angeht, ist die Geschäftsfrau aus Lima der berufstätigen Pariserin oft näher als eine Französin aus der Provinz.

"Optimismus und Leichtigkeit"

mm: Hat Ihr Beruf Ihren Blick auf Frauen verändert? Sehen Sie nur noch die potenzielle Kundin?

Cassegrain: Im Gegenteil: Ich nehme viel bewusster wahr, welchen Platz Frauen in der Gesellschaft haben. Wenn ich mal eine Woche in den USA bin, treffe ich in unseren Boutiquen fast nur Verkäuferinnen. In Japan dagegen arbeiten in unseren Läden beinahe ausschließlich Männer. Eine Sache stimmt allerdings: Wenn ich mich auf der Straße nach einer Frau umdrehe, interessiert mich meist vor allem ihre Handtasche.

mm: Und lässt sich dabei ein Muster erkennen? Longchamp wird ja von so unterschiedlichen Charakteren getragen wie Kate Moss und Angela Merkel.

Cassegrain: Täuschen Sie sich nicht: Kate Moss wirkt, als ob sie den ganzen Tag nur Party macht. Aber sie ist extrem diszipliniert und sehr anspruchsvoll, was Qualität betrifft. Genau wie Kanzlerin Angela Merkel, weshalb es uns sehr freut, dass sie unsere Taschen mag.

mm: Für Ihre Kampagnen haben Sie sich trotzdem lieber für die Models Moss und Alexa Chung entschieden.

Cassegrain: Ich glaube nicht, dass Frau Merkel für uns werben wollte. Sie hätte wohl auch gar nicht die Zeit dazu. Wenn ich mir die Nachrichten so anschaue, hat sie gerade ziemlich viel um die Ohren.

mm: Sie werben ja damit, "Optimismus und Leichtigkeit in das Leben der Frau" zu bringen. Waren Ihre Kundinnen vorher alle schwermütig?

Cassegrain: Natürlich nicht, aber ich finde, Luxus sollte nicht kalt und distanziert sein. Frauen schätzen Wärme und Farben sehr. Sicher, sie wollen schön aussehen, aber sich auch wohlfühlen. Deshalb dürfen die Models in unseren Anzeigen auch mal lachen. Wir wollen uns selbst nicht allzu ernst nehmen.

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