Freitag, 6. Dezember 2019

Lieber nützlich als schön Warum Antimode die neue Mode ist

Hart drauf: Mode muss nicht mehr schön sein. Nützlich reicht schon.

Sport, verbal gern aufgemotzt als Athleisure, ist bei den Labels schon lange angesagt. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis die Designer auch diesen Trend auf die Spitze treiben: Function over Fashion, Funktionalität vor Ästhetik, eine Art Antimode als neuer Metamodetrend. Abgeguckt bei Extremsportarten - von Fallschirmspringen bis Radrennen (die windschlüpfrigen Rundumbrillen kommen wieder). Oder gleich bei Extremerfahrungen etwa von Polarforschern.

Hoch im Kurs stehen auch Anleihen aus Berufsbekleidung, vorausgesetzt, die Jobs erfordern harten körperlichen Einsatz. So stellen Designer wie Calvin Klein Feuerwehrkutten mit Leuchtstreifen vor. Verkauft wird der Look als Streetstyle, verlangt werden High-Fashion-Preise. Off Whites Virgil Abloh macht eine Weste , die aussieht, als hätte sie einem Sergeant beim Praktikum in der Anstreicherkolonne gedient. An der Speerspitze der Function-Bewegung: der Londoner Craig Green, mit seinem Motto "uniform and utility". Eine weiße Daunenjacke, Michelinmännchen-mäßig aufgeplustert und mit Kapuze, die man bis zur Nasenspitze zuziehen kann, war sofort ausverkauft.

In einer Designstudie wird der Anzug zum Survival-Zelt. Labels wie Fear of God promoten den Siedler- und Trapperstil amerikanischer Einwanderer, mit Pferdedecken als Schals und Lederchaps, im Wilden Westen Schutz vor Klapperschlangen. Man weiß ja nie, wer einem auf dem Weg ins Büro begegnet.

mm

© manager magazin 1/2019
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