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Finanzartist: Auf wen Windhorst zählen kann - und auf wen nicht

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Milliardenzauber Die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

Das Comeback ist spektakulär. Aus dem Nichts baute der zweifache Pleitier eine beachtliche Unternehmensgruppe auf. Ein Hasardeur ist er geblieben.

Die Investmentbanking-Koryphäe der internationalen Großbank war überwältigt. Die Location? Eine 68-Meter-Superjacht mit Hubschrauberlandeplatz. Die Speisen? Vom Sternekoch. Der Service der 27-köpfigen Besatzung? Umsorgend auf Schritt und Tritt. Und dann noch der Ausblick, den der Eigner der "Global", Lars Windhorst (39), den Gästen bot. Pünktlich zum venezianischen Kunst-Happening "Biennale" durfte das Schiff vis-à-vis dem Markusplatz anlegen.

Euphorisiert verschickte der Mann von seinem Smartphone Fotos an Bekannte: Wie könnt ihr euch eine solche Party entgehen lassen? Kommt her - und bringt gleich eure Frauen mit, textete er dazu. Lars Windhorst weiß, was Investoren lieben. Zielsicher trifft er Lebensstil und Geschmack der internationalen Hochfinanz. Mit seinen Accessoires (dazu gehört auch ein Privatjet) kann er es mit jedem Ölmagnaten und Oligarchen aufnehmen.

Wenn allerdings der Champagner erst mal aus dem Kopf ist, muss auch risikofreudigen Investmentbankern klar sein, dass es der Gastgeber nicht nur beim Feiern extravagant mag. Immerhin hat Windhorst, der mit 16 Jahren seine erste Firma gründete, bereits zwei Pleiten (2003 und 2009) samt Privatinsolvenz hingelegt. Danach schaffte er jedes Mal den Turnaround, und zwar spektakulär.

Tatsächlich ist Windhorst inzwischen besser im Geschäft als je zuvor. Sein persönlicher Lebensstil erreicht mindestens Thomas-Middelhoff-Qualität zu dessen besten Zeiten, und das nicht nur, weil er selbst für die Strecke Berlin-Hamburg seinen Privatjet abheben lässt. Er hält sich kerzengerade im eng geschnittenen Maßanzug, sein jungenhafter Charme mischt sich angenehm mit schneller Intelligenz und sprudelnder Rhetorik.

Ihm gehören Öl- und Minenunternehmen. Er hält Beteiligungen an schillernden Firmen wie dem Filmverleiher Wild Bunch ("Ziemlich beste Freunde"), entwickelt große Agrarprojekte in Afrika und spekuliert tüchtig mit notleidenden Betrieben.

Für seine diversen Gremien hat Windhorst Granden wie Beraterlegende Roland Berger (78) oder Hubertus von Grünberg (73; ehemals Conti, ABB) verpflichtet. Kürzlich konnte er sogar einen echten Scheich als Miteigner für die Sapinda Holding - den berichtspflichtigen Kern seines Firmenreichs - gewinnen. Sultan Bin Khalifa Bin Zayed Al Nahyan (50), Chef von Abu Dhabi Capital und ältester Sohn des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, investierte einen dreistelligen Millionenbetrag.

Lars Windhorst selbst sagt, sein Geschäftsmodell sei so einzigartig, dass er möglichst wenig darüber verraten wolle, um keine Nachahmer anzulocken. Alle anderen fragen sich, ob jemand wirklich so viel besser sein kann als der Markt, so viel schlauer als das Gros der Investoren.

Wettbüro Windhorst

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In seinem dritten Anlauf mischt der pfiffige Entrepreneur einen Inkubator, wie ihn die Samwer-Brüder betreiben, mit einem aggressiven Hedgefonds vom Schlage Elliott, wie ihn der Amerikaner Paul Singer (71) sein Eigen nennt.

Vieles erinnert an ein Wettbüro. Da werden Summen auf Firmen gesetzt, die am regulären Markt kaum einen Cent bekämen. Da werden Unternehmen finanztechnisch aufgeblasen, um Gewinne zu kreieren. Das Geschäft läuft in vielen Teilen unkontrolliert, alles ist auf fiebriges Wachstum ausgerichtet. Denn Windhorst reckt sich tatsächlich nach der globalen Premiumliga, in der legendäre Investoren wie Warren Buffett (85) und Private-Equity-Größen wie KKR spielen. Sie nennt er als seine Vorbilder. The sky is the limit.

Schon jetzt liegt eine erstaunliche Menge Geld auf dem Tisch. Von bis zu 2,5 Milliarden Euro ist die Rede. Hat Windhorst tatsächlich einen Weg gefunden, mit wenig Einsatz großes Geld zu machen? Oder ist da erneut mehr Schein als Sein? Die offenkundige Maßlosigkeit weckt Argwohn. Die Intransparenz seiner Unternehmensgruppe tut ein Übriges.

Schon jetzt liegt viel Geld auf dem Tisch

Ein Gutteil der Geldströme im Firmengeflecht entspring privaten Windhorst-Gesellschaften, die auf hübschen Erdflecken wie den Britischen Jungferninseln zu Hause sind, wo die Steuern homöopathisch dosiert sind und Wirtschaftsprüfer und Regulatoren im Ruf stehen, die ansässigen Firmen nicht bis in den letzten Winkel auszuleuchten.

Selbst hochrangige Windhorst-Groupies würden wohl nicht ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass stets alles zu 100 Prozent mit rechten Dingen zugeht. Der Wirtschaftsprüfer EY ist angewiesen, die Bücher der Holding besonders aufmerksam zu studieren und schon beim geringsten Verdacht sofort Alarm auszulösen. Freilich wissen sie, dass der Arm der Prüfer nicht wirklich weit reicht. Nur der König selbst kennt die Verästelungen seines Reichs.

Vor einigen Monaten legte Shearman-&-Sterling-Anwalt Georg Thoma (71) sein Boardmandat bei der Sapinda Holding nieder. Die einen sagen, weil er im Aufsichtsrat der Deutschen Bank  stark eingespannt sei. Andere deuten an, ihm werde die Sache bei Windhorst allmählich zu heiß.

Selbst einstige Gefährten wie der südafrikanische Geschäftsmann Robert Hersov (55), der Windhorst in dessen schwersten Zeiten beistand, haben die Geschäftsbeziehungen weitgehend eingestellt. Hersov, so heißt es aus seinem Umfeld, habe den Eindruck gewonnen, Windhorst sei "economical with the truth" - bei vielem, was er sage, existiere ein wahrer Kern, aber drumherum Sagengewebe.

Windhorst gibt sein Bestes. Er arbeitet hart. Sein Ideenreichtum versiegt nie. "Er will nicht falschspielen", sagt einer seiner Mitstreiter. Auf viele wirkt er gewinnend.

Tatsächlich hat Windhorst gehörige Anstrengungen unternommen, damit man ihn endlich als kreditwürdigen Kaufmann akzeptiert.

Wo hat Windhorst das Geld her?

Bis 2012 soll Windhorst einen dreistelligen Millionenbetrag aus Finanzgeschäften an die Geschädigten seiner Bankrotte gezahlt haben. Windhorst: "Ich wollte keine Heckenschützen." Seitdem investiert er kräftig in eigene Unternehmungen.

Wo hat er das Geld her? Das Gros stammt aus Immobiliengeschäften. Windhorst hat es verstanden, aus den rasant gestiegenen Wohnpreisen in Deutschland massiv Profit zu schlagen. Ein Erfolg, von dem er selbst überrascht ist: "Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass sich das Geschäft so prächtig entwickelt."

Seine ergiebigste Ertragsquelle: Grand City Properties. Die Gesellschaft hat sich darauf spezialisiert, heruntergekommene Wohnungen in Deutschland, aus denen Mieter geflüchtet sind, aufzukaufen und mit geringem Aufwand aufzupeppen. Danach werden die Assets bilanziell hochgeschrieben, hübsche Gewinne ausgewiesen und neue Schulden gemacht. So schnellte der Wert der Firma mit ihren 76.000 Wohnungen durch die Betondecken - von 150 Millionen Euro im Jahr 2012 auf heute fast drei Milliarden Euro.

Die wichtigste Ertragsquelle: Wohnungen in Deutschland aufpeppem

Die Geschäftsidee hatte der ehemalige Vermögensverwalter Yakir Gabay, der zugleich größter Aktionär ist. Windhorst bezeichnet den Israeli als Freund. Jedenfalls sind die beiden ein sehr erfolgreiches Team.

Windhorst schaffte es mit geringem eigenen Einsatz, Geld für Anleihen und später Kapitalerhöhungen zusammenzubringen. Zwischenzeitlich hielten Windhorsts Firmen bis zu 30 Prozent der Anteile. Verkäufe brachten mehr als 400 Millionen Euro Cash. Die Gesellschaft Aroundtown, die Gewerbeimmobilien bündelt, schuf weiteres Vermögen.

Inzwischen ist Windhorst aus dem Immobilienbusiness weitgehend ausgestiegen. Er glaubt, dass sich anderswo mehr verdienen lässt.

Ein Teil der Mittel für seine wilden neuen Ideen stammt von Sapinda Invest. Dem in Luxemburg registrierten Geldpool, der wiederum einer seiner beiden karibischen Stiftungen gehört haben Anleihegläubiger rund eine Milliarde Euro für fünf Jahre zur Verfügung gestellt. Windhorst muss ihnen 5 Prozent Zinsen zahlen, wenn's gut läuft mehr.

Über die Anlegerschar ist wenig bekannt. Der Versicherer Generali und Abu Dhabi Capital sowie etliche Schwerreiche sollen dabei sein.

Weitere Gelder steuern Windhorsts Offshore-Firmen in den Kreislauf. Sapinda Asia etwa, registriert auf den British Virgin Islands, ist Großaktionär bei Windhorsts Ölableger Sequa Petroleum. Über das Vehikel Centrics Oil & Gas stellte der Finanzmagier eine Zwischenfinanzierung von über 140 Millionen Dollar bereit. Im vergangenen Jahr der Kredit dann im Rahmen der Platzierung eines 300-Millionen-Dollar-Bonds mithilfe der Windhorst-Bank Anoa Capital in entsprechende Anteile an der Wandelanleihe getauscht. So mehrt sich der Einsatz. Vor allem wird er sicherer.

Das Vorgehen hat Methode. Das Geschiebe zwischen Windhorsts Family Office, den Investmentvehikeln und den Beteiligungen wirkt wie ein Hütchenspiel. Das verwirrt selbst den Aufmerksamsten. Da werden Löcher gestopft. Und mitunter auch erstaunliche Werte kreiert.

So erwarb das Agrarunternehmen Amatheon Agri zum 31.12.2014 von Sapinda Asia einen Zehn-Millionen-Euro-Anteil an einer mit 8,25 Prozent verzinsten Anleihe von Amatheon Financing für zwei Millionen und schuf damit bei sich einen Sondergewinn von acht Millionen Euro.

Bei der Kontrolle durchgerutscht

Sicher, die Grenze zum Unerlaubten wurde dabei nicht überschritten. Prüfer PwC hat die Transaktion im Rahmen des Amatheon-Jahresabschlusses abgesegnet. Aber der Fall zeigt: Hier ist einer am Werk, der tief in die Trickkiste greift. Ein Sapinda-Insider sagt: "Lars ist kein Manager, der langfristig ein Geschäft entwickelt. Er ist ein Transaktionskünstler." Windhorst sieht das selbstredend anders.

Womöglich steht er auch bei Sapinda Invest persönlich für einen Teil der 50 Millionen Euro gerade, die jährlich an die Gläubiger fällig werden. Die Performance des Fonds soll wenig berauschend sein. Offenbar liegt etwa die Hälfte des Kapitals weitgehend brach. Laut Statuten darf sich die Investmentgesellschaft nur je zu einem Zehntel an Sapinda-Deals beteiligen. Die Geldgeber wollen kein Klumpenrisiko eingehen.

Viele internationale Großbanken machen weiterhin einen großen Bogen um Windhorst. Einige halten seine Geschäfte für geradezu toxisch. Die amerikanische Citibank etwa bildete vergangenen Sommer zeitweise 175 Millionen Dollar Rückstellungen, weil einer ihrer Londoner Finanzpartner in Anleihen einzelner Sapinda-Assets investiert hatte und das bei der Risikokontrolle durchgerutscht war.

Auch bei den wenigen renommierten Adressen aus der Fonds- oder Versicherungsszene, die sich auf Windhorst einlassen, geht Vorsicht vor Rendite. Sie stecken ihr Geld am liebsten direkt in die operativen Einheiten, an denen sich Sapinda beteiligt. Da wissen sie einigermaßen, was sie kaufen.

Bei Sapinda Invest ist vom neuen Reichtum nicht viel angekommen

Bei Sapinda Invest, aber auch bei Windhorsts Flaggschiff, der Sapinda Holding, ist jedenfalls noch nicht viel angekommen vom neuen Reichtum. Die Beteiligungsgesellschaft hat noch nie eine Dividende ausgeschüttet. Die zuletzt für 2014 vorgelegten Zahlen sind nur auf den ersten Blick eindrucksvoll.

Der Profit von 187 Millionen Euro? Stammt vor allem aus Buchgewinnen. Die Dividendeneinkünfte liegen gerade mal bei 710.000 Euro. Der Cashflow? Kommt einem Rinnsal gleich. Unterm Strich stehen 26 Millionen Euro. Davon stammen 10 Millionen Euro von der Ausgabe neuer Anteile.

Klar, Windhorst ist bislang nicht unbedingt auf Dividenden aus. Das Portfolio besteht überwiegend aus Neugründungen. Sein Ziel ist es - ähnlich wie mit den Immobilieninvestments -, Werte zu schaffen und dann zu einem günstigen Zeitpunkt Kasse zu machen.

Allerdings scheint dies in den Branchen, in denen er derzeit aktiv ist, schwieriger als gedacht. 2015 sind etliche Beteiligungswerte geschrumpft. Das gilt etwa für Aktiengesellschaften wie Sequa Petroleum (von 608 Millionen auf 494 Millionen Euro) oder Wild Bunch (von 171 Millionen auf 113 Millionen Euro). Der Marktwert des Minenbetreibers Ichor Coal halbierte sich sogar beinahe.

Die Track Group, Hersteller elektronischer Fußfesseln, die Windhorst "viele Jahre Blut, Schweiß und Tränen gekostet" hat, mag den Turnaround geschafft haben. Doch ob das reicht, um die schlechte Performance anderer Beteiligungen auszugleichen, weiß nur Windhorst. Insgesamt will er einen dreistelligen Millionengewinn ausweisen, notfalls, so darf man annehmen, mithilfe kreativer Buchführung.

Bei Ölgeschäften verzockt

Das Geschäft vieler großer Portfoliounternehmen läuft allenfalls zäh. Ichor Coal beispielsweise leidet schwer unter dem Preisverfall bei Rohstoffen - und hält sich vor allem durch einen Abnahmevertrag mit dem südafrikanischen Energiekonzern Eskom am Leben.

Aber auch hausgemachte Probleme drücken aufs Ergebnis. Offenbar erfüllt Sapinda-CEO Edwin Eichler (57) nicht die in ihn gesetzten Erwartungen. Der ehemalige Vorstand von ThyssenKrupp , geholt als Aushängeschild, ist immer noch der Konzernmann, der gern dirigiert und moderiert. Weniger gut versteht er sich darauf, einzelne Geschäfte voranzubringen. Deshalb wohl hat Windhorst ihm unlängst den ehemaligen Investmentbanker Wahid Chammas (40) als Vize zur Seite gestellt. Der soll neuen Schwung von der Finanzierungsseite bringen.

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Windhorst selbst wiederum hat sich mit seinen Ölspekulationen verzockt. Nach dem Preissturz hatte er Anfang vergangenen Jahres die Chance gewittert, günstig an Ölfelder in der Nordsee zu kommen. Windhorst: "Das Gebiet war für Newcomer bislang unerreichbar."

Im Juni einigte er sich mit gleich drei Gesellschaften, der BASF-Tochter Wintershall, der französischen Total und dem österreichischen OMV-Konzern, auf die Übernahme von Bohrstellen. Gesamtvolumen: Über 800 Millionen Euro, wovon Windhorst allein der BASF gut 600 Millionen zahlen wollte. Aus dem Dealmaker wäre über Nacht ein Ölmagnat geworden, wenn auch ein kleiner.

Doch Windhorst war zu unvorsichtig. Er hatte nicht einkalkuliert, dass der Ölpreis noch weiter fallen könnte. Seine Co-Investoren wollten den Wintershall-Kauf bald nicht mehr mittragen.

Bittere Lektion

Im September und Oktober versuchte Windhorst nachzuverhandeln. Wahrscheinlich wäre die BASF  sogar darauf eingegangen, hätte es sich um einen langjährigen Partner gehandelt. So aber blieben BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel (56) und seine Truppe hart. Kurz vor Weihnachten gab Windhorst auf und ließ das Geschäft platzen. Nun muss er eine geleistete Anzahlung von 30 Millionen Dollar abschreiben, die sich Wintershall sicherheitshalber für den Fall hatte geben lassen, dass der Verkauf nicht zustande kommt.

Gut möglich, dass Windhorst außerdem weitere Papiere von Sequa Petroleum erwarb, um den Kurs zu stützen. Ein drastischer Kursrutsch der Ölaktie hätte die Anleihegläubiger auf den Plan rufen können.

Alles in allem also eine bittere Lektion für Windhorst. Sie zeigt ihm die Grenzen seiner Finanzakrobatik auf.

Trotz aller Bemühungen um Seriosität - im Windhorst-Reich steckt noch reichlich Geist der Flegeljahre. Und das muss sich ändern. Windhorst sollte möglichst rasch beweisen, dass seine Beteiligungen auch nachhaltig Geld verdienen. Sonst gerät der Brutkastenbetreiber schnell in den Ruf, vor allem fragwürdige Hoffnungswerte zu züchten.

Zudem fehlt ein echtes Risikomanagement. Bislang bemühen sich lediglich einzelne Sapinda-Kontrolleure darum, Exzesse zu vermeiden. Das genügt nicht.

Und schließlich macht Windhorst auffallend gern Geschäfte mit Leuten, die bereits einmal gestrandet sind. Der Schweizer Guy Dubois (57) gehört dazu; gegen ihn ermittelte die Züricher Staatsanwaltschaft. Der Koreaner Seok Ki Kim; er wird offenbar in seinem Heimatland wegen Insiderhandels verfolgt. Der ehemalige Private-Equity-Mann Tim Whyte; von der Financial Service Authority (FSA) längere Zeit unter "Arrest" gestellt.

Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Ihm gewährte Windhorst durch eine Anstellung Unterschlupf.

"Fast schon Erpressung"

Kaum hatte Whyte bei Sapinda angeheuert, brachte er die Anleihegläubiger des damals wankenden Goldschürfers Petropavlovsk gegen sich auf. Der Vorwurf: versuchtes "Green Mailing". Zu Deutsch: fast schon Erpressung. Sapinda hatte Aktien der in London gelisteten Gesellschaft erworben, die er sich inklusive einer Lästigkeitsprämie abkaufen lassen wollte. Daraus wurde nichts. Beim Abstimmungstermin stellte sich heraus, dass Whyte und Windhorst die Aktien gar nicht physisch besaßen. Die Bank hatte die georderten Papiere nicht rechtzeitig geliefert.

Nur selten schreckt Windhorst vor schlechtem Leumund zurück. So wie im Fall von James (Jim) Giffen (74), Eigentümer und Chef der in New York ansässigen Beraterbank Mercator Corporation. Es lohnt sich, die Geschichte nachzuerzählen, weil sie zeigt, wie unbekümmert das ewige Wunderkind agiert.

Die Sache mit James Giffen

Der Amerikaner Giffen war im Jahr 2010 zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er kasachische Behörden - angeblich mit Billigung der CIA - bestochen hatte. Anfang 2014 traf sich Windhorst auf Empfehlung eines Bekannten mit Giffen auf seiner Jacht "Global" in karibischen Gewässern. Man besprach Investmentmöglichkeiten in Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

Am Ende verabredeten die Herren eine langfristige Zusammenarbeit. Giffen sollte "Beratungsdienstleistungen in Zusammenhang mit Investmentgelegenheiten" erbringen. Überdies sollte Giffen eine Sapinda-Außenstelle in New York einrichten. Vorgesehene Vergütung für Giffen: 700.000 Dollar plus Bonus. Weitere 300.000 waren für Angestellte vorgesehen, wie Windhorst nach dem Treffen per E-Mail an den neuen Partner schrieb.

Im Februar und Mai reiste Giffen zu Besprechungen nach London - und wurde von Windhorsts Leuten äußerst unterkühlt empfangen. Jedenfalls stellte Giffen daraufhin eine Rechnung und reichte später in New York Klage wegen Vertragsbruchs ein. Windhorst will erst im Nachhinein die Vergangenheit des Beinahegeschäftspartners gegoogelt und deshalb einen Rückzieher von seinem Angebot gemacht haben. Womöglich haben ihn auch seine Aufsichtsräte zur Abkehr bewogen.

Windhorsts Marsch ins Putin-Reich

So war es zumindest unlängst im Fall von Chlodwig Reuter (68), einem ehemaligen Topmann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Windhorst hält große Stücke auf ihn. Konnte ihn aber nicht wie vorgesehen in den Board von Sapinda holen, weil er schon bei der luxemburgischen Volga Group im Board sitzt. Die gehört dem Oligarchen Gennadi Timtschenko (63). Der zählt zu jenen Russen, die von der EU seit der Krim-Krise mit einem Einreiseverbot belegt sind.

Es ist also ein weiter Weg, den Windhorst noch zurücklegen muss, will er die Anerkennung bekommen, nach der er strebt. Im November wird er 40, aber statt das Erreichte zu konsolidieren, geht er weiter voll ins Risiko.

Als Nächstes plant er unter anderem eine Expansion nach Russland. In Moskau soll ein Büro aufgebaut werden, samt einer neuen Gesellschaft. Sapinda Eurasia soll sie heißen und in Putins embargogeschädigtem Reich investieren. Die Krise bietet schließlich auch Chancen, sofern man risikofreudig ist.

Die Mittel dazu hat Windhorst. Weitere 100 Millionen Euro kann er nun einsetzen. Diese Summe zahlt der Scheich aus Abu Dhabi für einen 10-Prozent-Anteil an der Sapinda Holding. Eine Hälfte ist schon überwiesen. Die andere kommt, sobald der Jahresabschluss 2015 vorliegt.

Auch Superreiche aus dem Morgenland lassen bei Windhorst Vorsicht walten.

Anmerkung: Dieser Text ist zuerst in der April-Ausgabe von manager magazin (4/2016) erschienen.