Mittwoch, 20. November 2019

Milliardenzauber Die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

Finanzartist: Auf wen Windhorst zählen kann - und auf wen nicht
DPA

5. Teil: Bei Ölgeschäften verzockt

Das Geschäft vieler großer Portfoliounternehmen läuft allenfalls zäh. Ichor Coal beispielsweise leidet schwer unter dem Preisverfall bei Rohstoffen - und hält sich vor allem durch einen Abnahmevertrag mit dem südafrikanischen Energiekonzern Eskom am Leben.

Aber auch hausgemachte Probleme drücken aufs Ergebnis. Offenbar erfüllt Sapinda-CEO Edwin Eichler (57) nicht die in ihn gesetzten Erwartungen. Der ehemalige Vorstand von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen, geholt als Aushängeschild, ist immer noch der Konzernmann, der gern dirigiert und moderiert. Weniger gut versteht er sich darauf, einzelne Geschäfte voranzubringen. Deshalb wohl hat Windhorst ihm unlängst den ehemaligen Investmentbanker Wahid Chammas (40) als Vize zur Seite gestellt. Der soll neuen Schwung von der Finanzierungsseite bringen.

Windhorst selbst wiederum hat sich mit seinen Ölspekulationen verzockt. Nach dem Preissturz hatte er Anfang vergangenen Jahres die Chance gewittert, günstig an Ölfelder in der Nordsee zu kommen. Windhorst: "Das Gebiet war für Newcomer bislang unerreichbar."

Im Juni einigte er sich mit gleich drei Gesellschaften, der BASF-Tochter Wintershall, der französischen Total und dem österreichischen OMV-Konzern, auf die Übernahme von Bohrstellen. Gesamtvolumen: Über 800 Millionen Euro, wovon Windhorst allein der BASF gut 600 Millionen zahlen wollte. Aus dem Dealmaker wäre über Nacht ein Ölmagnat geworden, wenn auch ein kleiner.

Doch Windhorst war zu unvorsichtig. Er hatte nicht einkalkuliert, dass der Ölpreis noch weiter fallen könnte. Seine Co-Investoren wollten den Wintershall-Kauf bald nicht mehr mittragen.

Bittere Lektion

Im September und Oktober versuchte Windhorst nachzuverhandeln. Wahrscheinlich wäre die BASF Börsen-Chart zeigen sogar darauf eingegangen, hätte es sich um einen langjährigen Partner gehandelt. So aber blieben BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel (56) und seine Truppe hart. Kurz vor Weihnachten gab Windhorst auf und ließ das Geschäft platzen. Nun muss er eine geleistete Anzahlung von 30 Millionen Dollar abschreiben, die sich Wintershall sicherheitshalber für den Fall hatte geben lassen, dass der Verkauf nicht zustande kommt.

Gut möglich, dass Windhorst außerdem weitere Papiere von Sequa Petroleum erwarb, um den Kurs zu stützen. Ein drastischer Kursrutsch der Ölaktie hätte die Anleihegläubiger auf den Plan rufen können.

Alles in allem also eine bittere Lektion für Windhorst. Sie zeigt ihm die Grenzen seiner Finanzakrobatik auf.

Trotz aller Bemühungen um Seriosität - im Windhorst-Reich steckt noch reichlich Geist der Flegeljahre. Und das muss sich ändern. Windhorst sollte möglichst rasch beweisen, dass seine Beteiligungen auch nachhaltig Geld verdienen. Sonst gerät der Brutkastenbetreiber schnell in den Ruf, vor allem fragwürdige Hoffnungswerte zu züchten.

Zudem fehlt ein echtes Risikomanagement. Bislang bemühen sich lediglich einzelne Sapinda-Kontrolleure darum, Exzesse zu vermeiden. Das genügt nicht.

Und schließlich macht Windhorst auffallend gern Geschäfte mit Leuten, die bereits einmal gestrandet sind. Der Schweizer Guy Dubois (57) gehört dazu; gegen ihn ermittelte die Züricher Staatsanwaltschaft. Der Koreaner Seok Ki Kim; er wird offenbar in seinem Heimatland wegen Insiderhandels verfolgt. Der ehemalige Private-Equity-Mann Tim Whyte; von der Financial Service Authority (FSA) längere Zeit unter "Arrest" gestellt.

Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Ihm gewährte Windhorst durch eine Anstellung Unterschlupf.

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