Montag, 22. Juli 2019

Milliardenzauber Die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

Finanzartist: Auf wen Windhorst zählen kann - und auf wen nicht
DPA

4. Teil: Bei der Kontrolle durchgerutscht

Sicher, die Grenze zum Unerlaubten wurde dabei nicht überschritten. Prüfer PwC hat die Transaktion im Rahmen des Amatheon-Jahresabschlusses abgesegnet. Aber der Fall zeigt: Hier ist einer am Werk, der tief in die Trickkiste greift. Ein Sapinda-Insider sagt: "Lars ist kein Manager, der langfristig ein Geschäft entwickelt. Er ist ein Transaktionskünstler." Windhorst sieht das selbstredend anders.

Womöglich steht er auch bei Sapinda Invest persönlich für einen Teil der 50 Millionen Euro gerade, die jährlich an die Gläubiger fällig werden. Die Performance des Fonds soll wenig berauschend sein. Offenbar liegt etwa die Hälfte des Kapitals weitgehend brach. Laut Statuten darf sich die Investmentgesellschaft nur je zu einem Zehntel an Sapinda-Deals beteiligen. Die Geldgeber wollen kein Klumpenrisiko eingehen.

Viele internationale Großbanken machen weiterhin einen großen Bogen um Windhorst. Einige halten seine Geschäfte für geradezu toxisch. Die amerikanische Citibank etwa bildete vergangenen Sommer zeitweise 175 Millionen Dollar Rückstellungen, weil einer ihrer Londoner Finanzpartner in Anleihen einzelner Sapinda-Assets investiert hatte und das bei der Risikokontrolle durchgerutscht war.

Auch bei den wenigen renommierten Adressen aus der Fonds- oder Versicherungsszene, die sich auf Windhorst einlassen, geht Vorsicht vor Rendite. Sie stecken ihr Geld am liebsten direkt in die operativen Einheiten, an denen sich Sapinda beteiligt. Da wissen sie einigermaßen, was sie kaufen.

Bei Sapinda Invest ist vom neuen Reichtum nicht viel angekommen

Bei Sapinda Invest, aber auch bei Windhorsts Flaggschiff, der Sapinda Holding, ist jedenfalls noch nicht viel angekommen vom neuen Reichtum. Die Beteiligungsgesellschaft hat noch nie eine Dividende ausgeschüttet. Die zuletzt für 2014 vorgelegten Zahlen sind nur auf den ersten Blick eindrucksvoll.

Der Profit von 187 Millionen Euro? Stammt vor allem aus Buchgewinnen. Die Dividendeneinkünfte liegen gerade mal bei 710.000 Euro. Der Cashflow? Kommt einem Rinnsal gleich. Unterm Strich stehen 26 Millionen Euro. Davon stammen 10 Millionen Euro von der Ausgabe neuer Anteile.

Klar, Windhorst ist bislang nicht unbedingt auf Dividenden aus. Das Portfolio besteht überwiegend aus Neugründungen. Sein Ziel ist es - ähnlich wie mit den Immobilieninvestments -, Werte zu schaffen und dann zu einem günstigen Zeitpunkt Kasse zu machen.

Allerdings scheint dies in den Branchen, in denen er derzeit aktiv ist, schwieriger als gedacht. 2015 sind etliche Beteiligungswerte geschrumpft. Das gilt etwa für Aktiengesellschaften wie Sequa Petroleum (von 608 Millionen auf 494 Millionen Euro) oder Wild Bunch (von 171 Millionen auf 113 Millionen Euro). Der Marktwert des Minenbetreibers Ichor Coal halbierte sich sogar beinahe.

Die Track Group, Hersteller elektronischer Fußfesseln, die Windhorst "viele Jahre Blut, Schweiß und Tränen gekostet" hat, mag den Turnaround geschafft haben. Doch ob das reicht, um die schlechte Performance anderer Beteiligungen auszugleichen, weiß nur Windhorst. Insgesamt will er einen dreistelligen Millionengewinn ausweisen, notfalls, so darf man annehmen, mithilfe kreativer Buchführung.

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