Montag, 22. Juli 2019

Milliardenzauber Die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

Finanzartist: Auf wen Windhorst zählen kann - und auf wen nicht
DPA

3. Teil: Wo hat Windhorst das Geld her?

Bis 2012 soll Windhorst einen dreistelligen Millionenbetrag aus Finanzgeschäften an die Geschädigten seiner Bankrotte gezahlt haben. Windhorst: "Ich wollte keine Heckenschützen." Seitdem investiert er kräftig in eigene Unternehmungen.

Wo hat er das Geld her? Das Gros stammt aus Immobiliengeschäften. Windhorst hat es verstanden, aus den rasant gestiegenen Wohnpreisen in Deutschland massiv Profit zu schlagen. Ein Erfolg, von dem er selbst überrascht ist: "Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass sich das Geschäft so prächtig entwickelt."

Seine ergiebigste Ertragsquelle: Grand City Properties. Die Gesellschaft hat sich darauf spezialisiert, heruntergekommene Wohnungen in Deutschland, aus denen Mieter geflüchtet sind, aufzukaufen und mit geringem Aufwand aufzupeppen. Danach werden die Assets bilanziell hochgeschrieben, hübsche Gewinne ausgewiesen und neue Schulden gemacht. So schnellte der Wert der Firma mit ihren 76.000 Wohnungen durch die Betondecken - von 150 Millionen Euro im Jahr 2012 auf heute fast drei Milliarden Euro.

Die wichtigste Ertragsquelle: Wohnungen in Deutschland aufpeppem

Die Geschäftsidee hatte der ehemalige Vermögensverwalter Yakir Gabay, der zugleich größter Aktionär ist. Windhorst bezeichnet den Israeli als Freund. Jedenfalls sind die beiden ein sehr erfolgreiches Team.

Windhorst schaffte es mit geringem eigenen Einsatz, Geld für Anleihen und später Kapitalerhöhungen zusammenzubringen. Zwischenzeitlich hielten Windhorsts Firmen bis zu 30 Prozent der Anteile. Verkäufe brachten mehr als 400 Millionen Euro Cash. Die Gesellschaft Aroundtown, die Gewerbeimmobilien bündelt, schuf weiteres Vermögen.

800
Millionen Euro"

Windhorsts geschätztes Vermögen

Inzwischen ist Windhorst aus dem Immobilienbusiness weitgehend ausgestiegen. Er glaubt, dass sich anderswo mehr verdienen lässt.

Ein Teil der Mittel für seine wilden neuen Ideen stammt von Sapinda Invest. Dem in Luxemburg registrierten Geldpool, der wiederum einer seiner beiden karibischen Stiftungen gehört haben Anleihegläubiger rund eine Milliarde Euro für fünf Jahre zur Verfügung gestellt. Windhorst muss ihnen 5 Prozent Zinsen zahlen, wenn's gut läuft mehr.

Über die Anlegerschar ist wenig bekannt. Der Versicherer Generali und Abu Dhabi Capital sowie etliche Schwerreiche sollen dabei sein.

Weitere Gelder steuern Windhorsts Offshore-Firmen in den Kreislauf. Sapinda Asia etwa, registriert auf den British Virgin Islands, ist Großaktionär bei Windhorsts Ölableger Sequa Petroleum. Über das Vehikel Centrics Oil & Gas stellte der Finanzmagier eine Zwischenfinanzierung von über 140 Millionen Dollar bereit. Im vergangenen Jahr der Kredit dann im Rahmen der Platzierung eines 300-Millionen-Dollar-Bonds mithilfe der Windhorst-Bank Anoa Capital in entsprechende Anteile an der Wandelanleihe getauscht. So mehrt sich der Einsatz. Vor allem wird er sicherer.

Das Vorgehen hat Methode. Das Geschiebe zwischen Windhorsts Family Office, den Investmentvehikeln und den Beteiligungen wirkt wie ein Hütchenspiel. Das verwirrt selbst den Aufmerksamsten. Da werden Löcher gestopft. Und mitunter auch erstaunliche Werte kreiert.

So erwarb das Agrarunternehmen Amatheon Agri zum 31.12.2014 von Sapinda Asia einen Zehn-Millionen-Euro-Anteil an einer mit 8,25 Prozent verzinsten Anleihe von Amatheon Financing für zwei Millionen und schuf damit bei sich einen Sondergewinn von acht Millionen Euro.

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