Freitag, 20. September 2019

Milliardenzauber Die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

Finanzartist: Auf wen Windhorst zählen kann - und auf wen nicht
DPA

2. Teil: Wettbüro Windhorst

In seinem dritten Anlauf mischt der pfiffige Entrepreneur einen Inkubator, wie ihn die Samwer-Brüder betreiben, mit einem aggressiven Hedgefonds vom Schlage Elliott, wie ihn der Amerikaner Paul Singer (71) sein Eigen nennt.

Vieles erinnert an ein Wettbüro. Da werden Summen auf Firmen gesetzt, die am regulären Markt kaum einen Cent bekämen. Da werden Unternehmen finanztechnisch aufgeblasen, um Gewinne zu kreieren. Das Geschäft läuft in vielen Teilen unkontrolliert, alles ist auf fiebriges Wachstum ausgerichtet. Denn Windhorst reckt sich tatsächlich nach der globalen Premiumliga, in der legendäre Investoren wie Warren Buffett (85) und Private-Equity-Größen wie KKR spielen. Sie nennt er als seine Vorbilder. The sky is the limit.

Schon jetzt liegt eine erstaunliche Menge Geld auf dem Tisch. Von bis zu 2,5 Milliarden Euro ist die Rede. Hat Windhorst tatsächlich einen Weg gefunden, mit wenig Einsatz großes Geld zu machen? Oder ist da erneut mehr Schein als Sein? Die offenkundige Maßlosigkeit weckt Argwohn. Die Intransparenz seiner Unternehmensgruppe tut ein Übriges.

Schon jetzt liegt viel Geld auf dem Tisch

Ein Gutteil der Geldströme im Firmengeflecht entspring privaten Windhorst-Gesellschaften, die auf hübschen Erdflecken wie den Britischen Jungferninseln zu Hause sind, wo die Steuern homöopathisch dosiert sind und Wirtschaftsprüfer und Regulatoren im Ruf stehen, die ansässigen Firmen nicht bis in den letzten Winkel auszuleuchten.

Selbst hochrangige Windhorst-Groupies würden wohl nicht ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass stets alles zu 100 Prozent mit rechten Dingen zugeht. Der Wirtschaftsprüfer EY ist angewiesen, die Bücher der Holding besonders aufmerksam zu studieren und schon beim geringsten Verdacht sofort Alarm auszulösen. Freilich wissen sie, dass der Arm der Prüfer nicht wirklich weit reicht. Nur der König selbst kennt die Verästelungen seines Reichs.

Vor einigen Monaten legte Shearman-&-Sterling-Anwalt Georg Thoma (71) sein Boardmandat bei der Sapinda Holding nieder. Die einen sagen, weil er im Aufsichtsrat der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen stark eingespannt sei. Andere deuten an, ihm werde die Sache bei Windhorst allmählich zu heiß.

Selbst einstige Gefährten wie der südafrikanische Geschäftsmann Robert Hersov (55), der Windhorst in dessen schwersten Zeiten beistand, haben die Geschäftsbeziehungen weitgehend eingestellt. Hersov, so heißt es aus seinem Umfeld, habe den Eindruck gewonnen, Windhorst sei "economical with the truth" - bei vielem, was er sage, existiere ein wahrer Kern, aber drumherum Sagengewebe.

Windhorst gibt sein Bestes. Er arbeitet hart. Sein Ideenreichtum versiegt nie. "Er will nicht falschspielen", sagt einer seiner Mitstreiter. Auf viele wirkt er gewinnend.

Tatsächlich hat Windhorst gehörige Anstrengungen unternommen, damit man ihn endlich als kreditwürdigen Kaufmann akzeptiert.

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