Freitag, 22. November 2019

Kunstkompass 2013 Die wichtigsten Künstler der Gegenwart

Kunstkompass 2013: Das Ruhmesbarometer der Top 20
REUTERS

Die Liste der wichtigsten Künstler der Gegenwart zeigt: Viele der 100 Großen setzen sich wieder mit der Natur auseinander. Unangefochten an der Spitze des Rankings ist Malerfürst Gerhard Richter, der die horrenden Preise, die seine Kunst erzielt, mittlerweile sogar selbst absurd findet.

Hamburg - Es war der Schweizer Philosoph, Pädagoge und Naturwissenschaftler Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), der die Losung ausgab: "Zurück zur Natur". Der leidenschaftliche Spaziergänger pries die "Majestät der Bäume" und die Vielfalt der "Kräuter und Blumen". Fazit: Die Natur ist gut, die Kultur aber verdirbt den Menschen. Die rousseausche Philosophie wirkt bis heute nach und erlebt derzeit auch in der Kunstwelt ein erfrischendes Revival.

Auf den Spuren von Rousseau wandert etwa Richard Long. Seit mehr als 40 Jahren streift der Brite durch meist unwirtliche Gegenden und sammelt Steine, Äste oder Holzstücke. Mit dieser Ausbeute inszeniert er in minimalistischen Formen wie Kreis oder Rechteck eindrucksvolle Installationen. Mit seinem konsequenten Werk gilt Long als einer der herausragenden Protagonisten der Land-Art.

Mit groß angelegten Übersichtsausstellungen in Los Angeles und München 2012 zieht die Land-Art Kunstfreunde an, auch an der Ruhr: Noch bis zum 6. Januar 2014 zeigt das Duisburger Museum DKM die Schau "Rhine Driftwood Line". Im Zentrum der Ausstellung dominiert eine Installation aus Treibholz, das Long 2001 am Rheinufer aufsammelte.

Ein weiteres illustres Beispiel für die wieder erwachte Lust auf Natur ist der Besucheransturm bei der Ausstellung "A Bigger Picture" des britischen Malers David Hockney im vergangenen Jahr im Kölner Museum Ludwig. Zuvor setzten seine farbenprächtigen Landschaftsbilder der Londoner Royal Academy ein Glanzlicht auf. Dort strömten 650.000 Besucher in die Hallen und versenkten sich andächtig in die pastoralen Werke.

Hockneys Hymnen an die Natur

Seit der Rückkehr aus seiner Wahlheimat Los Angeles ins ländliche britische Yorkshire malte Hockney eine Vielfalt an wunderschönen Landschaftsbildern. Teils an der frischen Luft entstanden, wirken die monumentalen Formate wie Hymnen an die Natur. Die klassische Landschaftsmalerei frischt Hockney durch Experimente mit digitalen Zeichnungen auf iPads auf. In großen Lettern ließ Hockney ein Zitat der Malerlegende van Gogh an die Ausstellungswände schreiben: "Ich habe den Glauben an meinen Vater verloren, aber dafür habe ich den Glauben an die Unendlichkeit der Natur gewonnen."

Ganz anders die geschichtsträchtigen Landschaften wie "Märkischer Sand" des international erfolgreichen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. Der Beuys-Schüler rangiert mit seiner magisch-beschwörenden Kunst seit Jahren unter den Top-Ten-Künstlern der Rangliste.

Einen weiteren Beleg für die neue Landlust lieferte die weltweit wichtigste Mammutschau für zeitgenössische Kunst, die Documenta 13, die im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 860.000 Besuchern nach Kassel lockte. Da wurde in den Kasseler Grünanlagen gebuddelt und gepflanzt, mit Mangold und Schmetterlingspflanzen interveniert wie nie zuvor.

Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev regte gar einen Skulpturen-Park für Hunde an - was ihr von den Kritikern prompt den Vorwurf einbrachte, sie knüpfe mit dieser "Dogumenta" an die Gründung der Ausstellung 1955 als Vitaminspritze für die Bundesgartenschau an.

Seite 1 von 2

© manager magazin 5/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung