Sonntag, 15. Dezember 2019

Mäzene in Deutschland Der neue Charme der Bourgeoisie

Mäzene: Deutschlands Millionäre in Spendierlaune
DPA

Während die Superreichen anderswo ihr Geld für Arme und Kranke geben, fördert der Geldadel hierzulande lieber die Kunst. Landauf, landab überbietet sich das wohlhabende Bürgertum im neuen Mäzenatentum.

Psychedelische Farbgeschwader flirren durch die Rotunde in der Münchener Pinakothek der Moderne, ein Kristalllüster funkelt in Gestalt eines Regenschirms, der Champagner fließt, und ein schöner Dandy macht sich startklar; schwarzes Samtjackett, gegeltes Haar, fordernder Blick.

Andreas Rumbler, Christie's Chefauktionator, steht auf der Bühne, in der Rechten den Hammer, die Linke wie das Haupt der Kobra vor dem Publikum erhoben, flink züngelt der Zeigefinger hierhin, dorthin, wo immer ein Zucken ein neues Gebot verrät. Zum Ersten, zum Zweiten - halt, da wird noch mal was draufgelegt. Mit dem analytischen Blick eines Doktor Freud und der Libido des Zirkusdirektors treibt Rumbler sein Publikum zum Äußersten. Dann endlich - zum Dritten. Das Ringen hat ein Ende.

Bei keinem anderen Beutestück des Abends mischen sich so viel Kopfschütteln und Schmunzeln unter die Begierde: ein Wischmopp, platziert, als hätte ihn die Putzfrau in der Ecke stehen lassen, aber dieser ist aus Bronze und von Benjamin Bergmann. Für 16.000 Euro geht er an Susanne Porsche.

Es ist PIN.-Nacht, das populärste Benefiz-Happening der Stadt. "PIN." steht für die Freunde der Pinakothek der Moderne. Ihr Motto: "Let's Party 4 Art". Hier wird Kunst gespendet und ersteigert - für die Kunst. Wo klirrten die Gläser je unschuldiger als beim Poltern für die gute Sache, unter den Liebhabern, Kennern, Sammlern, Snobs, und vermutlich auch einer stattlichen Zahl Ignoranten. Was soll's, "dabei sein ist alles". Denn hier rockt Münchens Leistungs-, Geld- und Geltungselite.

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