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Untergangspropheten: Auf den Systemkollaps vorbereitet

Foto: Stefan Thomas Kroeger für mm

Krisenvorsorge Ans Eingemachte

Währungsreform, Vermögensverlust, Versorgungsengpässe: Nichts scheint mehr unmöglich. Untergangspropheten machen Geschäfte mit den Ängsten der Anleger. Im Angebot: Edelmetalle, Selbstversorgerfarmen, Waffen zur Selbstverteidigung.

Frank Eckhardt hat sein Versicherungsmakler-Diplom von der Handelskammer Hannover achtlos neben die Kommode gestellt. Den Platz hinter seinem Schreibtisch füllt nun eine Landkarte der kanadischen Provinz Nova Scotia. Dorthin, mehr als 5000 Kilometer von seiner Heimat entfernt, ist der 49-Jährige geflüchtet. In seinem früheren Wohnhaus in der Nähe von Göttingen ist er nur noch gelegentlich zu Besuch; die Immobilie hat er verkauft, das Büro mit dem kleinen Seiteneingang hat ein früherer Angestellter behalten, der das Versicherungsgeschäft weiterführt.

Nein, sagt Eckhardt, mit deutschen Lebensversicherungen wolle er nichts mehr zu tun haben. Denn darin steckten vor allem Staatsanleihen und andere Zinspapiere, an deren Wert er schon lange nicht mehr glaube. Überhaupt ist es mit Eckhardts Vertrauen in die Wirtschaft nicht mehr weit her.

Schon vor längerer Zeit löste er seine eigenen Lebensversicherungspolicen auf und kaufte Edelmetalle, vor allem Silber. Einige Monate später, am 9. Dezember 2005, schrieb er seinen Kunden einen Brief, in dem er seine fundamentalen Zweifel am Finanzsystem offenlegte: Die Verschuldung der westlichen Staaten habe unvorstellbare Ausmaße angenommen und sei für die Regierungen nur durch die Entwertung der Währungen zu bewältigen. In den USA drohe eine kreditfinanzierte Immobilienspekulationsblase zu platzen. Die Kunden sollten alle Papiergeldanlagen überdenken und besser in Sachwerte wie Gold und Silber investieren.

Die Reaktionen damals? Kopfschütteln.

Doch seit die Finanzkrise die Welt im Griff hält, grassiert die Angst. Eckhardt gilt nicht mehr als Spinner, sondern allenfalls als radikaler Mahner.

Die liberal-bürgerliche Szene zweifelt am System

Er ist Teil einer neuen Subkultur der Gelduntergangspropheten, die immer weitere Kreise in der Mitte der Gesellschaft ansprechen. Es ist eine liberal-bürgerliche Szene, die am System zweifelt. Diese Menschen wollen keine Revolution, sondern ihre Ruhe - Sicherheit für sich und für ihr Vermögen.

Und nebenher machen manche auch noch ein Geschäft aus der eigenen Angst und der der anderen. So wie Eckhardt, der seine bisherige Existenz aufgab. Er ging nach Kanada und begann dort Land zu entwickeln, aufzuteilen und weiterzuverkaufen. Das ist inzwischen seine Haupteinnahmequelle.

Seine alte deutsche Existenz hat er eingetauscht gegen eine Farm am Atlantik mit Obstbäumen und Wald, um Brennholz zu schlagen. Einen eigenen Brunnen hat er auch. Er wolle sich so weit wie möglich selbst versorgen können, sagt er. Autark sein für den Tag, wenn das westliche System zusammenbricht und auf das Gewohnte kein Verlass mehr ist.

"Wir steuern auf einen Systemkollaps zu", sagt Eckhardt. Er meint das wirklich ernst.

Zwei Hektar Hinterland für 35.000 Euro

Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers  2008 ist Eckhardt mit seinen düsteren Ahnungen nicht mehr allein. "Gestandene Unternehmer kommen zu mir, weil sie sehen, dass es so nicht weitergeht", sagt er. Vor einiger Zeit hat ihm sogar ein 19-jähriger Fliesenleger in einem Brief geschrieben: "Man merkt, dass das System bröckelt und dass es nicht mehr lange gutgehen kann. Ich möchte einen Neuanfang in einer Gesellschaft, wo andere Werte zählen."

Frühere Generationen von zivilisationsskeptischen Aussteigern zogen auf einen Biohof ins norddeutsche Wendland oder in die Landkommune nach Griechenland. Die neudeutschen Krisenhysteriker mögen es bürgerlicher.

Zwei Hektar im Hinterland von Nova Scotia bietet Eckhardt für 35.000 Euro an, Parzellen mit Seezugang gibt es ab 50.000 Euro. Der Bau eines 200-Quadratmeter-Hauses sei für 200.000 Euro zu schaffen. Fast alle Grundstücke liegen in einem Umkreis von 50 Kilometern. Die neuen Nachbarn sollen nicht zu weit auseinanderwohnen, damit sie sich unterstützen können. Aber jeder soll sein eigenes Stück Land besitzen. "Alles gehört allen, das funktioniert nicht", sagt Eckhardt.

Mehr als 30 Grundstücke hat er bereits verkauft, die meisten an Deutsche: "Die wandern aus wegen des dreisten Diebstahls von Vermögen in Europa."

Schuldenlast droht Staat, Firmen und Bürger zu erdrücken

Zweifel an der Theorie von der großen Krise und der Enteignung der Gerechten sind in der Szene nicht en vogue. Lieber bestärkt man sich gegenseitig in seinen Urteilen und fühlt sich immer wieder von der Realität bestätigt. Der Bruch der Euro-Regeln, der Schuldenschnitt für Griechenland und die Kontoenteignung auf Zypern lassen auch Menschen hierzulande um ihre Vermögen bangen.

Darunter sind nicht wenige, die etwas von Wirtschaft verstehen. Gerade Anhängern der Marktwirtschaft macht das politische Experiment des Euro, all die Milliarden an Garantien und Schulden, Angst. Schlimmer noch: Auch in Japan und den USA droht die Schuldenlast Staat, Unternehmen und Bürger zu erdrücken.

Die Sicherheitshysteriker ziehen daraus den Schluss, selbst weitgehende Schutzvorkehrungen treffen zu müssen. So wie der Frankfurter Vermögensverwalter, der sich ein Notstromaggregat gekauft hat, damit er nach dem Finanzarmageddon nicht im Dunkeln sitzen muss. Oder der Banker, der einer Nothilfegruppe beigetreten ist und als Beitrag zur Versorgungssicherheit einen Brotbackofen in seinem Taunusgarten gebaut hat.

Sie wollen nicht mit Namen in einem Artikel auftauchen, dazu kommen ihnen ihre eigenen Taten denn doch zu skurril vor. Aber im Stillen halten sie den Untergang der bürgerlichen Ordnung für ein realistisches Szenario.

"Sie werden alle enteignet"

Wie viel Sorge ist berechtigt? Wo beginnt die Hysterie?

Die Autoren des meistverkauften Wirtschaftsbuchs des Jahres haben dazu eine klare Meinung. "Der große Knall ist unvermeidbar", sagen Marc Friedrich und Matthias Weik. Die beiden 37-jährigen Vermögensverwalter aus dem schwäbischen Göppingen haben bereits 70.000 Exemplare ihres Gemeinschaftswerks verkauft. "Der größte Raubzug der Geschichte", so der Titel, ist ein erstaunlicher Erfolg, auch weil das Buch der beiden zuvor völlig unbekannten Betriebswirte fast ohne Werbeetat beim kleinen Tectum-Verlag erschienen ist. Es ist eine Art Manifest der Krisenphobiker-Szene geworden, das sich über Mundpropaganda verkauft.

Dass sie die üblichen Verdächtigen (die Banker und die Politiker) als Hauptschuldige hinstellen, macht die Analyse schön leicht verdaulich. Das hilft der Popularität. Mehrere Vorträge halten sie jede Woche, quer durchs ganze Land. Die Resonanz ist enorm. So auch Ende April auf einer Podiumsdiskussion bei der größten deutschen Messe für Privatanleger in Stuttgart.

"Wir haben eine Bankenkrise, eine Wirtschaftssystemkrise, eine gesellschaftliche Krise. Keines der Probleme ist gelöst", ruft Friedrich ins Publikum. "Die nächste Enteignung wird kommen - Sie werden alle enteignet!"

Andere, die bei der Messe auf einer Bühne stehen, tragen Anzug und Krawatte. Weik und Friedrich kommen in Jeans und Pullover, so wie die meisten Messebesucher. Im Gegensatz zu den Anzugträgern versprechen sie keine Sicherheit und schon gar keine Gewinne. Sie haben nur eine düstere Botschaft: Der Großteil der Bevölkerung wird 90 Prozent seines Vermögens verlieren. Denn, so ihr Argument, war es nicht bei der Währungsreform 1948 genauso?

Panikmache mit Zypern

Statt sich mit komplizierten Analysen abzuplagen, erzählen die beiden von den Erfahrungen ihrer Großeltern und von ihren eigenen. Friedrich studierte 2001 in Argentinien: "Ich habe dort den Staatsbankrott erlebt, die Mittelschicht wurde ausradiert. Parallelen sehe ich jetzt hier."

Wie bitte? Deutschland wächst, der Staat weist Budgetüberschüsse aus. Argentinien hingegen war damals offensichtlich pleite, heruntergewirtschaftet.

Man dürfe, sagt Weik, sich nicht in Sicherheit wiegen. Es sei doch nur eine Frage der Zeit, bis "die größte aller Spekulationsblasen platzt: die Staatsanleihenblase". Und klar sei doch auch, dass die westlichen Staaten ihre horrenden Schulden niemals zurückzahlen würden.

Ein Messebesucher wendet vorsichtig ein, es gebe doch eine Einlagensicherung, die Bankkunden schütze. Friedrich entgegnet: "Das Geld ist auf dem Konto nicht sicher, das haben wir in Zypern gesehen."

Was also solle man tun, wird er gefragt. "Gehen Sie raus aus Lebensversicherung, Riester und Rürup." Und bloß keine Aktien. "Mein Großvater hatte ein Aktiendepot, vor dem Krieg", erzählt Friedrich. "Nach dem Krieg waren 80 Prozent des Geldes weg." Wer von den Anwesenden habe denn schon langfristig Geld verdient mit Aktien? Nur wenige strecken die Arme nach oben. "Noch haben Sie Zeit, Ihre Papierwerte in Realgüterumzuwandeln und somit Ihr Erspartes in Sicherheit zu bringen", mahnt er.

Die Krise hat den Erben des bundesrepublikanischen Wohlstands ihre Sorglosigkeit genommen. Gerade weil sie es so gut hatten, ist die Angst so groß. "Wir hatten eine tolle Zeit, auf Pump", sagt Weik. "So gut wird es unseren Kindern nie wieder gehen." Es ist ein Zeichen der unsicheren Zeiten, dass sich auch diejenigen um ihre Kinder sorgen, die gar keine haben, so wie Weik. Man kann das als Selbstironie verstehen, muss es aber nicht.

Die Ratschläge der beiden Bestsellerautoren: Beteiligung an einem Bauernhof nahe dem Wohnort, eine Streuobstwiese, ein Stück Ackerland vielleicht oder auch etwas Wald. Im Übrigen, sagt Friedrich, sei es ratsam, den Bedarf an Nahrungs- und Pflegemitteln für mehrere Wochen im Keller zu lagern.

Armbrust und Astronautenfutter

Notration statt Nettorendite - das ist inzwischen ein veritabler Geschäftszweig. Wer für den Systemkollaps vorsorgen will, kann sich auf Internetseiten wie autarkewelt.de , einem weiteren Projekt von Kanada-Landvermittler Frank Eckhardt, eindecken: mit Büchern über die Lebensmittelproduktion, über mit Holz heizbare Herde oder Buttermaschinen.

Beim Wettbewerber krisenvorsorge.com  gibt's für stolze 199 Euro ein Paket mit jahrelang haltbaren Lebensmitteln. Damit einem niemand diesen kleinen Schatz abnimmt, kann man für 159 Euro eine Armbrust erwerben. Kaufargumente liefert die mit brennenden Euro-Scheinen verzierte Internetseite gratis. "Wie sind Sie vorbereitet", heißt es dort, "wenn plötzlich der Strom ausfällt? Der Wasserhahn nur noch tropft? Der Geldautomat keine Scheine mehr ausspuckt? Die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist? Sorgen Sie jetzt vor, solange die Geschäfte noch alles in reichlicher Menge anbieten."

Es ist eine Mischung aus wohligem Grusel und echtem Erschrecken. Eine Gesellschaft, in der Hunger und existenzielle Not weithin unbekannt und damit unfassbar sind, bangt um den gewohnt unbegrenzten Nachschub an Erdnussflips und Nutella.

Eugen Weinberg (35) hat im Gegensatz zu den meisten Bundesbürgern schon einen Zusammenbruch samt Versorgungsengpass erlebt. "Ich stand nach dem Untergang der Sowjetunion als 13-Jähriger in Moskau mit Wertmarken in der Hand Schlange vor dem Laden, um Toilettenpapier, Seife und Getreide für unsere Familie zu holen", sagt Weinberg, der heute bei der Commerzbank  in Frankfurt das Rohstoff-Research leitet. Fleisch und Zucker waren damals Kostbarkeiten.

"Es sind zu viele Schulden in der Welt"

Gerade wegen dieser Erfahrung ist ihm Panik fremd. An das Schlangestehen habe sich jeder damals schnell gewöhnt, weil klar war, dass es kein Dauerzustand sein würde, sagt Weinberg. Schließlich seien die Böden fruchtbar, in Russland wie in Deutschland. Seine Eltern würden heute kaum noch an die Lebensmittelmarken zurückdenken, an eine andere Folge des Zusammenbruchs dagegen oft. "Zwei Geldreformen in den 90er Jahren haben die Ersparnisse meiner Eltern fast komplett vernichtet. Den kleinen Rest fraß die Inflation auf."

Ähnliches hält er auch in seiner deutschen Wahlheimat für möglich. "Die Leute sollten sich nicht um ihr Essen Gedanken machen, sondern um ihr Geld." Er glaubt nicht unbedingt an den großen Zusammenbruch, wohl aber an die vermögensvernichtenden Folgen, die der Schuldenabbau mit sich bringen werde.

Aber wie vermögend werden die Deutschen nach der Krise noch sein? Welche Belastungen kommen auf die Bürger zu?

Daniel Stelter (48) hat es ausgerechnet und ein Buch darüber geschrieben: "Die Billionen-Schuldenbombe" heißt es (siehe Kasten "Billionenbombe" links) . Der Senior-Partner der Boston Consulting Group sitzt an einem sonnigen Frühlingstag auf der Bank vor einem italienischen Restaurant in Berlin-Mitte und äußert Dinge, die so gar nicht zum guten Wetter passen.

"Es sind zu viele Schulden in der Welt", sagt Stelter. "Davon müssen wir wegkommen. Einen einfachen Weg gibt es nicht mehr." Für Deutschland sei durch den Euro ein gigantischer Vermögensschaden eingetreten, "wir merken es nur noch nicht".

Stille Verarmung, ohne Protest und Panik

Dass die Eurozone 2015 oder 2016 in der heutigen Form nicht mehr existiert, hält er für "durchaus denkbar". Wahrscheinlich sei auch, dass der Weg dahin nicht geordnet verlaufe. Denn die Alternative - die Fiskalunion der Vereinigten Staaten von Europa - sei gerade in Südeuropa politisch unerwünscht. Wenn es stimme, dass Frankreich und andere die Fiskalunion nicht wollten, diese aber für einen funktionierenden Euro nötig sei, könne die Konsequenz doch nur heißen: den Euro auflösen, geordnete Austritte, Abwicklung der Währungsunion. "Aber das", sagt Stelter, "traue ich der Politik nicht zu."

Mal ehrlich: Ob er das nicht alles ein bisschen zu schwarz sehe?

Der Berater blickt durch die kleinen Gläser seiner Hornbrille. "Mein Vater ist 94. Der sagt immer: Daniel, du bist ein grenzenloser Optimist. Du siehst gar nicht, was da alles auf uns zukommt." Die freundliche Kellnerin räumt den Salat weg und bringt Pasta mit Salsiccia und Feigen. Kein Zweifel, noch lebt es sich ausgezeichnet in Deutschland. Warum sollte das nicht so bleiben? Es läuft doch ziemlich gut seit einigen Jahren.

Stelter denkt kurz nach. "Ich glaube nicht an den Zusammenbruch", sagt er dann. "Aber an die Enteignung der Sparer durch Zinsen unterhalb der Inflationsrate, so wie jetzt schon." Unerfreuliche Konsequenz: "Wenn ich in 15 Jahren in Rente gehe, werden meine Ersparnisse dadurch erheblich geschmälert sein", klagt der Berater.

Deutschland 2028, wie Stelter es sieht: Das ist stille Verarmung, ohne Protest und Panik.

Inflation: Es gibt kein sicheres Versteck

Der Berater hat aber auch ein Alternativszenario. In dem kracht es richtig, weil die Menschen das Vertrauen in das Geld verlieren. "Wir können eine Inflation bekommen, einfach weil die Leute das Geld nicht mehr wollen", warnt er. "Wenn die Teuerungsrate 5, 6 oder 7 Prozent erreicht, flüchten die Leute aus dem Geld."

Flüchten? Wohin denn? "There is no place to hide", sagt Stelter, es gibt kein sicheres Versteck. "Aktien und Gold  sind bessere Investments als vieles andere. Aber letztlich wird der Staat ihnen einen Teil davon wegnehmen."

Wer davor Angst hat, der lagert sein Gold daheim im Tresor oder vergräbt es im Garten. Der legt sein Bargeld nicht auf das Bankkonto, sondern ins Schließfach oder macht es gar wie ein süddeutscher mittelständischer Unternehmer, der einen nicht unerheblichen Betrag in die Wand des Swimmingpools eingemauert hat. Das ist radikal, aber vorläufig legal, denn: Was keine Kapitalerträge bringt, muss dem Finanzamt nicht gemeldet werden.

Erst falls wieder eine Vermögensteuer eingeführt würde, müsste jeder seine Schätze offenlegen und einen Teil davon abgeben - oder riskieren, sich ab dann als Steuerhinterzieher strafbar zu machen.

Juristischer Panzerschrank

Steffen Krug (40) glaubt, einen eleganteren Weg gefunden zu haben, um Vermögen langfristig zu schützen: eine Lebensversicherung, aufgelegt in Liechtenstein, also außerhalb der EU. Der Gründer des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM) in Hamburg verspricht Investments gemäß den Lehren der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek heißen seine Helden.

Die warnten im vergangenen Jahrhundert so eindringlich wie erfolglos vor der Manipulierbarkeit staatlichen Monopolgeldes. Besonders dann, wenn es sich um Papiergeld handelt, das nicht in eine festgelegte Menge Edelmetall umgetauscht werden kann. Genau das Geld also, das die meisten Staaten seit Abschaffung des Goldstandards 1971 haben. Die größte Gefahr für Freiheit und Wohlstand geht für diese Denker seit jeher vom nimmersatten Staat aus.

Dieses ideologisch begründete Misstrauen hat Krug auf seine Geschäftsidee gebracht. Bei der "IfAAM Compass Police" kauft der Kunde kein Portfolio aus Staatsanleihen und Bankschulden, so wie bei einer herkömmlichen deutschen Kapitallebensversicherung. Stattdessen kann der Anleger aus einer kleinen Palette von Investmentfonds wählen, die in Edelmetalle und Goldminen investieren sowie in Aktien substanzstarker Firmen.

Der Liechtensteiner Policenmantel soll der juristische Panzerschrank sein, den auch die hartnäckigsten Finanzbeamten nicht knacken können. Die Idee: Bei früheren Krisen kamen Fonds, die rechtlich gesehen Sondervermögen des Anlegers sind und eben nicht Bankeinlagen, bei Enteignungen erst lange nach den Kontoguthaben an die Reihe.

Vermeintliche Sicherheit hat einen stolzen Preis

Lebensversicherungen wurden erst durch die Währungsreform 1948 entwertet. "Nehmen wir den schlimmsten Fall, dass wir mal ein totalitäres System bekommen mit Kapitalverkehrskontrollen, wo Sie Ihr Geld nicht mehr aus der EU bekommen", sagt Krug. "Dann ist es hilfreich, sein Geld vorzeitig über das Fürstentum Liechtenstein internationalisiert zu haben."

Die meisten Menschen würden sagen, dass wir von einem totalitären System sehr weit entfernt sind. Doch seit der Zypern-Krise hat Krug schon mehr Kundenanfragen erhalten als im gesamten vergangenen Jahr. Die Mindestanlagesumme beträgt 50.000 Euro. Der Assetmanager hat ein durchaus einträgliches Geschäft entwickelt. Je nach Höhe des Investments zahlt der Kunde 2 bis 5 Prozent Abschlussgebühr. Dabei sind die Fonds über eine Direktbank an der Börse für weniger als 2 Prozent Handelsgebühr erhältlich. Die vermeintliche Sicherheit hat einen durchaus stolzen Preis.

Dass weitgehende Autarkie eine ziemlich unbequeme Angelegenheit ist, musste übrigens auch Frank Eckhardt schon feststellen. Vorigen Winter wurde er von einem Schneesturm überrascht und war auf seiner kanadischen Farm plötzlich drei Tage lang vom Strom abgeschnitten. Ein Versorgungsengpass, an dem das Finanzsystem allerdings überhaupt keine Schuld hatte: Es war einfach ein Baum auf eine Überlandleitung gestürzt.

In der Einöde von Nova Scotia soll so was häufiger vorkommen.

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