Samstag, 7. Dezember 2019

Fortschritt braucht Freiraum Kreativität - eine Anleitung zum Andersdenken

manager magazin

2. Teil: Wie sich Kreativität mit voller Wucht entfaltet

Um komplexe Abläufe zu managen, setzen Unternehmen auf Effizienz, Normen und Kontrolle - und je größer eine Firma, desto mehr fürchtet sie das umstürzlerische Potenzial ungehemmten Denkens, kritisiert Alf Rehn, Managementprofessor an der Abo Akademi in Finnland. "Wahre Kreativität ist von Natur aus unangepasst und bedroht den Status quo. Konzerne mögen das nicht."

  • Wer innovativ sein will, muss zulassen, dass die Kraft des Neuen auch nach innen zerstörerische Wucht entfaltet. Denn:
  • Kreativität ist Kampf. Alles Neue hat Gegner, gegen die es sich durchsetzen muss. Das Establishment muss besiegt werden.
  • Kreativität ist Anarchie. Ideengeber müssen Gehör finden, ohne Rücksicht auf tradierte Hierarchien.
  • Kreativität will Freiheit. Erfinder brauchen Spielräume, Zeit und Ressourcen, bis ihr Produkt wirklich fertig ist.
  • Kreativität will Liebe. Talente wollen gehätschelt werden, ohne dass dies zu einer Zweiklassengesellschaft führt. Das erfordert viel Feingefühl.

Jede kreative Anstrengung wird scheitern, wenn die Unterstützung des Topmanagements fehlt. Dann droht der Rückfall ins müde Klein-Klein inkrementellen Optimierens. Dann schrumpft die Revolution zur Best Practice.

Für Wooga wäre schlichtes Optimierungsdenken tödlich, sagt Head of Studio Stephanie Kaiser: "Reine Variationen alter Ideen nimmt der Nutzer garantiert nicht an. Schlichte Copycats funktionieren nie." Die Berliner brauchen den originären Geistesblitz, müssen immer wieder neu ansetzen, ausprobieren, verwerfen. Das ist anstrengend, oft frustrierend. Um drohenden Flops das Traumapotenzial zu nehmen, haben sich die Woogas im Frühjahr 2013 einen zentralen Glaubenssatz verordnet: Es gibt keine schlechten Ideen - nur solche, die sich nicht durchsetzen.

An einer Wall of Fame prangen jetzt die Namen von Hits neben solchen, die gestoppt wurden, chronologisch geordnet. "Welches Spiel beim Nutzer ankommt, kann keiner von uns prognostizieren", sagt Kaiser. Wird ein Flop an der Wand verewigt, ist "Liebeskummer" erlaubt.

Wooga gibt sich alle Mühe, seine Kreativen bei Laune zu halten. Die meisten Unternehmen indes hören ihren Leuten bei der Ideenproduktion nicht einmal zu, wie eine repräsentative Haufe-Studie zeigt: 84 Prozent der befragten Arbeitnehmer gaben an, sich bereits mit eigenen Einfällen und Vorschlägen eingebracht zu haben. Jeder Dritte machte sich sogar Gedanken über seine Abteilung hinaus. Doch mehr als die Hälfte glaubt, dass nicht mal jede vierte Idee bei den Vorgesetzten ankommt.

© manager magazin 12/2014
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