Umsteiger Freiheit mit 50

Eine neue Welt erleben statt Geld und Dienstjahre sammeln - viele Manager finden erst in der zweiten Karriere ihre wahre Bestimmung. Ohne deswegen darben zu müssen.
Von Michael Machatschke und Mitarbeit: Henning Jauernig
Professor Dr. Bier: Markus Zeller. Erste Karriere: Brauereimanager, zweite Karriere: BWL-Professor und Craft-Bier-Brauer.

Professor Dr. Bier: Markus Zeller. Erste Karriere: Brauereimanager, zweite Karriere: BWL-Professor und Craft-Bier-Brauer.

Foto: Kathrin Spirk für manager magazin

Er hatte "ein super Büro", dazu "die geilsten Karren unterm Arsch" und konnte "fressen gehen, mit wem und wo" er wollte. Jürgen Röthig (54) - als Kind des Ruhrgebiets gern mal in Starkdeutsch unterwegs - hatte das, was viele für einen Traumjob halten. Als einer der Geschäftsführer der Deutschen Börse verdiente er prächtig, ohne sich zu überanstrengen. Im Gegenteil. Die Dinge liefen im Grunde auch ohne ihn, er fühlte sich unterfordert, am Ende leer. Und kündigte, mit 46.

Heute packt Röthig kräftig zu: greift in verspannte Muskeln, ordnet verirrte Knochen. Er ist Osteopath geworden ("der Mercedes unter den Heilpraktikern"), in einer Praxis in Oberursel bei Frankfurt. Die neue Rolle steht dem Mann mit dem wuchtigen Schädel nicht nur; sie erdet ihn, wie er sagt. In einem deutlich bescheideneren Umfeld spürt er jetzt ein Glück, das er als Börsenprofi nicht kannte.

Firmenjäger: Rene Obermann. Erste Karriere: Telekom-Chef, zweite Karriere: Private-Equity-Partner.

Firmenjäger: Rene Obermann. Erste Karriere: Telekom-Chef, zweite Karriere: Private-Equity-Partner.

Foto: Bernd Thissen/ dpa

René Obermann (53) war gut sieben Jahre lang Chef der Deutschen Telekom, in dieser Zeit hat er den Konzern radikal umgebaut, Töchter verschmolzen oder verkauft, 50.000 Mitarbeiter ausgelagert und eine Spitzelaffäre überstanden. Vier Jahre vor Ablauf seines Vertrags, er war da gerade 49, verkündete er völlig überraschend, aussteigen zu wollen. Er hatte genug von der Konzernmaschinerie, wollte "einfach neu anfangen".

2015 startete er als Partner und Deutschland-Chef des Finanzinvestors Warburg Pincus, zunächst ganz ohne eigenes Büro. Mit Geschäftspartnern trifft er sich vorzugsweise in den Szenecafés von Berlin-Mitte, bei einem halben Liter frisch gebrühtem Ingwertee. Es gefällt ihm, noch mal Novize zu sein. Der Junior an seiner Seite hat ihm eingeimpft, wie man Deals sauber rechnet. Mitte 2016 schlug er dann zu und kaufte die Mehrheit des Glasfaserspezialisten Inexio.

Markus Zeller (48) lässt nichts auf seinen alten Arbeitgeber kommen. 16 Jahre war er Vertriebs- und Eventmanager bei der Bremer Brauerei Beck & Co. ("Beck's"), die heute dem Giganten AB Inbev gehört. "Eine spannende Zeit", blickt er zurück, "ich habe da viel gelernt." Zu den Highlights zählte eine von Beck's gesponserte Tour der Rocklegende Joe Cocker. Zeller erlebte ihn im privaten Plausch ("ein ganz angenehmer, bescheidener Mensch") und sogar im Tonstudio.

Doch nie ließ ihn der Gedanke an einen Beruf los, der ihn schon als Student fasziniert hatte: Hochschullehrer. Er promovierte nebenher, und als die Hochschule Heilbronn eine Professur für Betriebswirtschaft und Systemgastronomie ausschrieb, bewarb er sich. Der Wechsel glückte. Und wurde vor zwei Jahren gekrönt, als Zeller in ein kühnes Projekt einsteigen konnte: die Wiedergründung der 1968 geschlossenen Bremer Union Brauerei; an alter Stätte - schön wie ein Schloss -, mit trendigen Craft-Bieren. Als Gesellschafter und Ratgeber sorgt er nun dafür, dass die neue alte Union im beinharten Bierbusiness besteht. "Ich genieße diese Vielfalt", sagt Zeller. Und die Freiheit, über Themen mal gründlich nachzudenken. Sei es ein Forschungsthema oder die Frage, wie man ein Biobier auf den Markt bringt.

Vom Börsianer zum Heiler, vom CEO zum Tech-Investor, vom Bierverkäufer zum Professor und Brauereibesitzer - drei Beispiele für erstaunliche Karriereschwenks. Und für einen sublimen Trend. Es gärt etwas unter den Führungskräften des Landes. Gerade in mittleren Jahren drängt es viele zu einem Cut. Statt nach Macht sehnen sie sich mehr nach Erfüllung, Sinn - und vor allem Freiheit. Sie sind die starren Regeln und kräftezehrenden Pflichten leid, die einem im Konzern so oft den Spaß an der Arbeit rauben.

Das Spektrum bei den Umsteigern reicht vom Durchstarten in der Selbstständigkeit bis zum späten Wechsel in ein völlig neues Metier; von Kombikarrieren als Aufsichtsrat und Investor bis zu jenen ehemaligen Topverdienern, die sich einer sozialen Mission verschreiben. Die einen brechen aus eigenem Antrieb mit ihrer alten Stellung, andere werden durch eine Umstrukturierung unfreiwillig ins neue Leben geschubst.

Was treibt all jene an, die um die 50 noch mal von der großen Freiheit träumen? Und wie riskant ist so ein Ausbruchsversuch?

So unterschiedlich die Motive sind, eine Facette eint die Abtrünnigen: Es geht ihnen nicht in erster Linie um mehr Freizeit. "Die alte Vorstellung - ich klotze ran bis Mitte 50 und dann mache ich es mir gemütlich - hat ausgedient", attestiert der Frankfurter Psychologe Arvid Rapp vom Coachinganbieter Incon-HR. Wer heute 55 ist, gebärdet sich meist zehn Jahre jünger, sucht neue Herausforderungen. Er oder sie will nicht von den Erträgen der Vergangenheit leben, sondern von den prallen Eindrücken eines ausgefüllten Alltags.

So viel Vermögen anzuhäufen, dass man weit vor der Rente ausgesorgt hat, ist in einer Ära extrem niedriger Zinsen ohnehin schwierig geworden. Nur mit immensem Einsatz und ausgefeilter Taktik gelingt heute noch der Reichtum nach Plan.

Natürlich hilft ein gewisses Polster beim Übergang. Auch Ex-Börsianer Röthig wäre der Umstieg schwerer gefallen, hätte er nicht zuvor hochtourig verdient, als Investmentbanker bei der Privatbank Metzler.

Zuweilen ist ein Vermögen sogar der Anlass, über die eigene Rolle nachzudenken, so wie bei Bernard Eßmann (51). Dem Münchener gelang es, binnen eines Jahrzehnts finanziell völlig unabhängig zu werden. Nach einem BWL-Studium und ein paar Jahren als Berater bei Roland Berger machte er sich mit 29 selbstständig. Gemeinsam mit einem Schulfreund baute er eine Private-Equity-Gesellschaft auf, sammelte Geld ein, formte aus Klitschen Unternehmen und verkaufte sie mit Millionengewinnen.

Irgendwann indes fragte er sich: "Will ich das mein ganzes Leben machen?" Mit 40 verkaufte er seine Anteile und ging samt Familie für ein Jahr nach Südafrika, um dort gemeinsam mit Gattin Julia bei der Hilfsorganisation "Hands at Work" zu arbeiten. Die anfänglichen Zweifel an der neuen Rolle zerstreute ein Wink des Schicksals.

Eßmann überstand einen spektakulären Autounfall auf einer entlegenen Piste unversehrt. Als er dann noch die rührende Anteilnahme der afrikanischen Mitstreiter erlebte, war er sich seines neuen Weges sicher: "Da wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war." Heute lenkt er von München aus die eigene Stiftung Peppercorn, die sich um Aidswaisen kümmert. Mehrmals im Jahr besucht er Hilfscamps in Südafrika, in Mosambik und im Kongo.

Die Öko-Analystin: Susan Dreyer. Erste Karriere: Fondsmanagerin, zweite Karriere: Öko-Aktivistin.

Die Öko-Analystin: Susan Dreyer. Erste Karriere: Fondsmanagerin, zweite Karriere: Öko-Aktivistin.

Foto: Paula Winkler für manager magazin

Pures Weiter-so reicht vielen nicht mehr, selbst wenn es noch so einträglich ist. Das zeigt auch der Fall von Susan Dreyer (41).

Sie war ein Star der Frankfurter Finanzszene, reüssierte bereits im zarten Alter von 27 als Fondsmanagerin bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Sie schrieb einen viel beachteten Börsenratgeber ("Der entspannte Weg zum Reichtum"), erhielt Auszeichnungen.

Doch einen Tag nach der Kür zur Managerin des besten Deutschland-Aktienfonds reichte sie die Kündigung ein. "Bei der Preisverleihung war ich so unglücklich wie selten zuvor in meinem Leben", erzählt sie. Ihr war der Sinn ihrer Tätigkeit abhandengekommen.

Dreyer stieg aus ohne Plan, ging nach Berlin, versuchte sich zunächst als Aushilfslehrerin. Heute leitet sie den deutschen Arm der Non-Profit-Organisation CDP, die Umweltdaten von Firmen analysiert und nachhaltige Investments fördern will.

Nur eine Gruppe von Führungskräften scheint gegen solch nagende Selbstzweifel bisher weitgehend immun zu sein - die Topshots ganz oben in den Konzernen.

Wer da über weiche Teppiche wandelt, ist mitunter wie auf Droge. Adrenalin und Dopamin schaukeln einander hoch, eilfertige Zuarbeiter und die Symbole der Macht schmeicheln dem Ego. "Ich beobachte oft, wie das Gefühl der eigenen Wichtigkeit die Leute regelrecht berauscht", sagt die Münchener Headhunterin Jacqueline Bauernfeind von Board Consultants International. "Das gibt ihnen eine ungeheure Energie."

Wendepunkt Krise

Entsprechend selten sind freiwillige Abgänge à la René Obermann, der alle Avancen, wieder einen Konzern zu führen, ausschlug (selbst die Lufthansa lehnte er ab). Skepsis am eigenen Tagwerk befällt die Elite in der Regel erst, wenn Aufstiegsträume platzen, familiäre Krisen ausbrechen, sich ein Gefühl der Überforderung breitmacht. Oder wenn - die hässliche Seite des Arbeitslebens 2.0 - die Stelle verloren geht. Umstrukturierungen und Hyperkonkurrenz kosten gerade Manager in mittleren Jahren immer öfter den Arbeitsplatz.

Längst nicht allen Verdrängten gelingt es, sich eine befriedigende neue Existenz aufzubauen. Wer um die 50 ist, findet auch bei bester Qualifikation nur selten eine vergleichbare Stellung. Insbesondere Konzernleute tun sich schwer. Sie gelten als überspezialisiert und viel zu verwöhnt für kleinere Unternehmen. "Viele meiner Auftraggeber im Mittelstand sind nicht scharf auf Manager aus Großkonzernen", berichtet Personalberaterin Bauernfeind.

Da müssen dann schon ein paar günstige Umstände zusammentreffen - gern auch eine ordentliche Abfindung -, damit das zweite Berufsleben trotzdem glückt.

Vom Vorstand zum Vater

Der Start-up-Pate: Torsten-Jörn Klein. Erste Karriere: Verlagsmanager, zweite Karriere: Business Angel und Investor.

Der Start-up-Pate: Torsten-Jörn Klein. Erste Karriere: Verlagsmanager, zweite Karriere: Business Angel und Investor.

Foto: Kathrin Spirk für manager magazin

Sollte Torsten-Jörn Klein (52) jemals mit seiner beruflichen Zäsur gehadert haben - heute ist ihm das nicht mehr anzumerken. Aufgeräumt, ja bester Laune bittet er in seinem Hamburger Haus zum Gespräch. Zwei Kleinkinder - seine Zwillinge - spielen auf dem Fußboden.

Das Ende seiner ersten Karriere kam unerwartet. Klein war Auslandsvorstand bei der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr, verantwortlich für rund 30 Länder. Sein gut dotierter Vertrag war gerade verlängert worden, als Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (51) im Frühjahr 2013 zum großen Umbau bei dem Hamburger Magazinverlag ansetzte. Das Ausland spielte kaum noch eine Rolle, Klein war auf einmal überzählig.

Er handelte bei Rabe eine stattliche Abfindung heraus und gönnte sich erst mal eine Auszeit, in der er mit seiner Frau durch Südamerika reiste. Als sich kurz darauf ein CEO-Job im Handel zerschlug, entschied er sich für einen radikalen Wandel. Mit den Millionen, die er zum Abschied erhalten hatte, gründete er einen Wagniskapitalfonds, der sich inzwischen an acht deutschen Start-ups beteiligt hat, darunter Rebelle.de (Secondhand für Luxusmode) und Kapilendo.de (Finanztechnologie).

Klein berät die Gründer bei der Strategie, hilft ihnen mit seinen alten Kontakten in aller Welt. Und erfreut sich seines privaten Glücks. Erst nach dem Abschied bei G+J wagte er sich auch an die Gründung einer Familie. "Meinem Rausschmiss", behauptet er, "habe ich irgendwie auch die Geburt meiner Kinder zu verdanken."

Die Start-up-Szene zählt mittlerweile zum wichtigsten Tummelplatz der Umsteiger. Meist schlüpfen die Ex-Manager in die Rolle des Investors und Mentors, vulgo Business Angels. So lassen sich die eigenen Erfahrungen und Verbindungen am besten einbringen.

Obendrein macht das Eintauchen in die quirlige Community Spaß. "Ich habe das Gefühl, ich werde jeden Tag jünger", schwärmt Magnus Graf Lambsdorff (55), ehemals hoch dotierter Headhunter bei Egon Zehnder, der jetzt bei der Berliner Tech-Brutstätte Hitfox mitmischt.

Die zweite Einfallschneise für die Karriere nach der Karriere ist die Private-Equity-Szene. Dort sind neben Telekom-Aussteiger Obermann viele Ex-Manager heimisch geworden, etwa Goldman-Banker Alexander Dibelius (57) oder Wolfgang Colberg (57), zuvor Finanzchef bei Evonik. Wieder gibt es eine Symbiose. Die Fonds profitieren von den Drähten der Seitenwechsler; die wiederum reizt es, eigenes Geld einzusetzen und es womöglich mit großem Hebel zu vermehren.

Zunehmend attraktiv wird mittlerweile auch eine zweite Karriere als Aufsichtsrat. Claudia Süssmuth Dyckerhoff (49) hat sich auf diesen Weg begeben. Sie war Direktorin bei McKinsey und hätte das sicherlich noch einige Jahre bleiben können. Doch im vergangenen März zog sie sich auf den ruhigeren Posten des Senior External Advisor zurück. Den Freiraum nutzt die Gesundheitsexpertin für Mandate in den Verwaltungsräten zweier Weltkonzerne aus der Schweiz: des Pharmariesen Roche und des Spezialchemikers Clariant.

An der Spitze des Roche-Boards sitzt einer, der geradezu mustergültig vom Anführen aufs Beaufsichtigen umgeschaltet hat: Christoph Franz (56). Noch zu Lufthansa-Zeiten legte er sich mehrere Ratsposten in der Schweiz zu. Ende 2013 lehnte er dann überraschend eine weitere Amtszeit als Lufthansa-CEO ab und wurde Verwaltungsratspräsident bei Roche. Der Vorsitz eines Schweizer Verwaltungsrats macht zwar mehr Arbeit als das Leiten eines deutschen Aufsichtsrats, bedeutet aber trotzdem beträchtlich weniger Strapazen als das operative Führen eines Dax-Konzerns. Und ist überdies sehr ansprechend vergütet. Franz kassiert bei Roche über vier Millionen Franken, der Lufthansa-Chef kommt hingegen auf kaum zwei Millionen Euro.

Im Weichbild von Start-ups, Private Equity und Aufseherposten macht der Hamburger Personalberater Thomas Tomkos ganz neue Chancen aus. "Da eröffnen sich Möglichkeiten, die es vor 10 oder 15 Jahren so noch nicht gab", sagt der Deutschland-Chef von Russell Reynolds. Gerade in der Kombination. Man sei gut ausgelastet, ohne permanent gehetzt zu sein, und die Bezahlung stimme auch, so Tomkos.

Klassisches Unternehmertum hingegen reizt nur wenige. "Ich bin aus dem Alter raus, mich um die Telefonleitungen zu kümmern", findet ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling, der mit 60 aufhören will, aber noch voller Pläne steckt.

Was unter Spätgründern derzeit boomt, sind nischige, kulinarische Geschäftsideen wie etwa hoch spezialisierter Weinhandel. Coach Arvid Rapp warnt indes vor Blauäugigkeit. "Die meisten Einsteiger unterschätzen massiv, wie viel Geduld der Aufbau eines tragfähigen Geschäfts braucht."

Heilpraktiker Jürgen Röthig kennt das. Im ersten Monat kam nur ein Patient in seine Praxis, im zweiten waren es drei. "Ich wollte schon aufgeben", bekennt er. Erst nach drei Jahren hatte er sich etabliert.

Auch Ernst Fassbender (58) kennt den Frust der ersten Tage. Mit 55 stieg der langjährige Deutschland-Chef der Investmentbank Lazard ins Filmgeschäft ein und holte damit einen Jugendtraum nach. Schon mit 16 Jahren hatte er sich einen Ausbildungsplatz als Kameramann besorgt, war aber am Veto seiner Eltern abgeprallt.

Der späte Einstieg geriet zu einer harten Lehrstunde, über die er heute laut und herzlich lacht. Monatelang feilte er an einem Drehbuch; bat dann ein paar Profis - darunter ein Regisseur -, um ihr Urteil. Das Erstlingswerk fiel glatt durch. "Die sagten mir: So geht es gar nicht. Schulnote Fünf. Das war in gewisser Weise neu für mich."

Erst als erfahrene Autoren das Skript überarbeiteten, entstand eine Grundlage für ein tragfähiges Projekt. Zwei Filme hat Fassbender inzwischen begleitet ("Das brandneue Testament", "Suntan"). Sein erstes Projekt in Federführung ist ausgerechnet ein kubanischer Film, der im März in Havanna gedreht werden soll.

Wer einmal von der neuen Freiheit gekostet hat, der mag sie nicht mehr abgeben, so strapaziös es auch sein mag. Jörg Beyer (52) hat kaum einen Tag Urlaub gehabt, seit er sich Anfang 2012 mit einem Partner selbstständig gemacht hat, nach einem Dutzend Jahren in hohen Positionen bei der Deutschen Post DHL. Sein neu gegründeter IT-Dienstleister Leanix zählt inzwischen 21 Mitarbeiter, eine Filiale in den USA und viele prominente Kunden wie Adidas, Zalando, RWE oder Vodafone.

Das "schnelle Feedback von Kunden, Interessenten und Konkurrenten" mache ihm einfach Spaß, sagt Beyer, mit seinen Kollegen teile er "eine Leidenschaft". In einen Konzern will er auf keinen Fall zurück.

Markus Zeller, der aus Neigung Professor und Brauer wurde, rät gleichwohl zu Vorsicht. Unzufriedenheit allein genüge nicht als Triebfeder für einen Ausstieg aus der alten Jobmühle. Die Alternative dazu müsse "wirklich glücklicher machen". Zeller wirft einen beseelten Blick in den Gastraum seiner Brauerei, der auch heute Abend wieder rappelvoll sein wird. Zumindest seine Entscheidung war wohl richtig.