Donnerstag, 23. Mai 2019

Innovationen Wandlungswunder deutsche Industrie - auch digital unkaputtbar?

Innovation: Wie sich die deutsche Industrie wandelt
DPA

7. Teil: Der Roboter trägt orange

Angst, dass Roboter sie demnächst überflüssig machen, müssen die Ingenieure keine haben. Schon heute stanzen, schweißen und lackieren in deutschen Fabriken rund 130.000 Industrieroboter, 100.000 mehr als in Frankreich. Und trotzdem ist die Arbeitslosenquote beim Nachbarn gut doppelt so hoch.

Statt mit Massenarbeitslosigkeit wie noch in den 80er und 90er Jahren kämpft die heimische Wirtschaft mit Fachkräftemangel. Allerorten fehlt es an technisch ausgebildetem Nachwuchs.

Weil sich der demografische Wandel auch durch gezielte Zuwanderung nicht von heute auf morgen ausblenden lässt, versuchen Unternehmen wie Audi, ihre Experten so lange wie möglich zu halten. Die Industrie 4.0 bietet da erstaunliche Hilfsmittel. Eines davon hat die Belegschaft der Endmontage im Werk Ingolstadt auf den Namen Adam getauft.

Der Roboter trägt einen weichen orangefarbigen Kittel und steht neben einer großen Kiste voller Kühlmittelbehälter. Seine Hülle ist bestückt mit hochsensiblen Sensoren. Sobald sich ein menschlicher Kollege auf wenige Zentimeter Abstand nähert, erstarrt Adam - er soll schließlich niemanden mit seiner rohen Kraft verletzen.

Adams Job ist es, seinem Monteur das Bücken zu ersparen. Schwebt eines der halbfertigen A4, A5 oder Q5-Modelle auf der Montagestraße heran, zieht der intelligente Arm einen Kühlmittelbehälter mit seiner Saugnapfhand aus der Kiste und reicht es seinem Nebenmann. "Der Mensch konzentriert sich auf die Wertschöpfung am Auto, der belastende Teil der Arbeit wird ihm abgenommen", sagt Johann Hegel, Ingenieur und Vater von Adam.

So wie es aussieht, haben die Deutschen also beste Chancen, den anstehenden großen Innovationsschub wieder einmal zu ihrem Vorteil zu nutzen - allem Alarmismus zum Trotz. Aber der sei ja offenbar fester Bestandteil des heimischen Erfolgsrezepts, lästert Professor Alfredo Pastor von der internationalen Business School IESE in München: "Die Deutschen malen sich mit Leidenschaft die schlimmsten Szenarien aus. Und laufen dann zu absoluter Höchstform auf."

In diesem Sinne: Fürchtet euch sehr!

Die Automobilbauer haben es immer wieder geschafft, ihre Produktpalette zu veredeln. Insbesondere Premiumautos sind heute rollende Computer.

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