Top-Analyst zweifelt am Erfolg Sind selbst Apple-Fans zu geizig für das neue iPhone 8?

Das iPhone 8 soll in seiner günstigsten Variante mehr als 1000 Dollar kosten. Doch nur jeder fünfte Apple-Kunde ist bereit, diesen Preis zu zahlen, prophezeit eine Studie. Womöglich überschätzt Konzern-Chef Tim Cook die Nibelungentreue seiner Fans.
Am 12. September wird Tim Cook das neue iPhone 8 vorstellen

Am 12. September wird Tim Cook das neue iPhone 8 vorstellen

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2007 bis 2017: So haben sich iPhones verändert

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In diesem Herbst läuten wieder die Glocken: Die neueste Generation des iPhones steht vor der Tür und Apple-Chef Tim Cook wird das neue Modell wie gewöhnlich mit viel Tamtam vorstellen. Bevor aber am 12. September die Einzelheiten des iPhone 8 offiziell sind, kursieren vor allem Teil-Informationen.

Mehr als 1000 Dollar soll danach das neue iPhone kosten. Je nach Ausstattung könnten es sogar zwischen 1200 und 1400 Dollar werden - das macht Kunden möglicherweise stutzig. Vor wenigen Tagen prophezeite Barclays-Analyst Mark Moswitz in einer Studie: Nicht mal jeder fünfte Kunde sei bereit, diese Summe auf den Tisch zu legen.

Zum Vergleich: Der Verkaufspreis beim iPhone 7 lag am Starttermin bei 649 Dollar. Und Samsung zieht mit einem Preis von 999 Dollar für das vergangene Woche erschienene Galaxy Note 8 zwar im Premiumsegment mit, liegt damit aber immer noch unter dem voraussichtlichen Preisniveau des iPhone 8.

Revolution oder Evolution? Kleiner oder größer? Wie viele neue Modelle?

Moswitz beruft sich dabei auf eine Umfrage von Wireless Subscriber Survey in diesem August, berichtet "9to5Mac".  Seit vielen Jahren analysiert der Experte das Kaufverhalten von Apple-Kunden. Demnach waren sie im Juni 2017 weniger an Apple-Produkten interessiert als noch Ende 2015. Moswitz unterlegt diese Behauptung allerdings nicht mit konkreten Zahlen.

Das neue iPhone hält er nach den bislang durchgesicherten Informationen für "mehr evolutionär als revolutionär" - das ist kein großes Kompliment für einen Konzern, der über viele Jahre als höchst innovativ galt. Zugleich sieht er Apple unter starkem Druck, weil das Unternehmen nach der Präsentation am 12. September die hohen Investorenerwartungen erfüllen muss.

Dies könne schwieriger werden als erwartet, wenn man bedenke, dass nur 18 Prozent der potenziellen iPhone-Käufer bereit seien, 1000 Dollar für ein neues Gerät zu zahlen.

Kein "next big thing"

Der hohe Preis ist vermutlich auf wenig weltbewegende, jedoch für Apple wichtige Veränderungen zurückzuführen. Jedoch ist davon nichts völlig neu: Andere Entwickler wie Samsung zum Beispiel setzen schon seit 2015 auf den drahtlosen Akkulader, über den das iPhone 8 verfügen soll.

Auch mit Blick auf andere Details halten es Apple-Zulieferer aus China mit der Geheimhaltung nicht allzu genau: Ein OLED-Display soll praktisch von Ecke zu Ecke reichen und den Rahmen um den Bildschirm fast komplett verschwinden lassen. So entstünde ein deutlich größerer Bildschirm, ohne dass das iPhone insgesamt wächst. Außerdem verlängert die stromsparende OLED-Technologie die Akkulaufzeit.

Verzicht auf Markenzeichen

Auch der klassische Home-Button, der seit 2007 fest zur Marke gehörte, verschwindet. Falls er tatsächlich gebraucht wird, erscheint der Knopf nur noch virtuell unten auf dem Bildschirm.

Und der Fingerabdruck-Sensor "Touch ID"? Fehlanzeige. Apple schaffte es ebenso wie zuvor Samsung beim Galaxy S8 bisher nicht, einen funktionierenden Fingerabdruck-Sensor unter dem OLED-Display zu verbauen. Jedoch setzt Apple von nun an auf Gesichtserkennung per Kamera, auf die Face ID.

Nicht bestätigt, aber höchstwahrscheinlich ist die Funktion des kabellosen Aufladens. Doch in jüngster Zeit kamen Gerüchte auf, die die Effektivität des Aufladens anprangerten. Demnach habe sich Apple nicht für die schnellste technische Option entschieden, wodurch der Aufladeprozess zur Geduldsprobe werden könnte.

Der südkoreanische Apple-Konkurrent Samsung brachte vergangene Woche mit dem überarbeiteten Galaxy Note 8 eine Alternative auf den Markt - und das zu einem deutlich geringeren Preis.

Weil Apple voraussichtlich nicht mit technischen oder designtechnischen Raffinessen punkten wird, könnte also Tim Cook seine Fans enttäuschen. Die warten schon länger auf das "nächste große Ding". Apple-Fans unterstellt man viel Geduld und dass sie fast schon in bedingungsloser Nibelungentreue zu "ihrem" Unternehmen halten. Der Analyse von Mark Moswitz zufolge könnte diese Liebe beträchtlich erkaltet sein.

Nach den ersten Verkaufszahlen des teuren, neuen iPhone 8 wird sich zeigen, wie treu und begeistert Apple-Fans in aller Welt tatsächlich sind.

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