Mittwoch, 19. Juni 2019

mobile.de-Autokäufer können bald Händler evaluieren "Wir führen ein Bewertungssystem für Autohändler ein"

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Corbis

mm.de: Herr Krüger, über mobile.de verkaufen mittlerweile 40.000 Autohändler Gebrauchtwagen. Seit knapp zwei Jahren bietet ihre Autoplattform auch fabriksneue, konfigurierbare Autos an. Sind es noch ausschließlich wohlhabende Internet-Nerds, die ihren Neuwagen komplett online ordern - oder tun das auch schon Normalbürger?

Krüger: Das Interesse am Online-Neuwagenkauf ist ziemlich breit. Wir haben das vor kurzem von einem Marktforschungsinstitut untersuchen lassen. Im Schnitt sind Kunden, die via mobile.de an Händler Neuwagen-Anfragen abschicken, 52 Jahre alt. Ihr jährliches Haushaltsnettoeinkommen ist mit 28.000 Euro überdurchschnittlich hoch. Und es sind echte Käufer: Laut unserer Umfrage wollen die meisten innerhalb von 90 Tagen ein Auto kaufen.

Zur Person
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    Malte Krüger, 44, ist Geschäftsführer von mobile.de. Die Ebay-Tochter betreibt laut Eigenangaben den größten deutschen Internet-Fahrzeugmarkt mit 1,4 Millionen An- und Verkaufsanzeigen. Vor seinem Wechsel zu mobile.de arbeitete Krüger für AutoScout24 und gründete mit Holtzbrinck autoplenum.de.
mm.de : Gelingt es dem Gros der Autohändler bereits, Kunden auch online zum Kauf zu überreden?

Krüger: Völlig überrascht hat es uns nicht, aber bei der Umfrage kam auch etwas Erschreckendes heraus: Rund 12 Prozent der 400 Befragten, die eine Neuwagen-Anfrage per E-Mail abschickten, erhielten gar keine Antwort. Ein knappes Drittel bekam zwar eine Antwort, aber ohne konkretes Angebot.

mm.de : Woran liegt es, dass vielen Autohändler noch solche Schnitzer im Onlinegeschäft unterlaufen?

Krüger: Autohändler brauchen eine digitale Strategie, keine neuen Glaspaläste. Heute kommen Kunden durch Internet oder Smartphones ins Autohaus. Diese Kunden müssten anders behandelt werden als früher, als die Kundschaft einfach noch am Samstag zum Händler spazierte. Bei der Anpassung an die digitale Welt sind viele Händler noch ganz am Anfang. Nicht einmal ein Zehntel aller Autohändler verfügen über IT-Systeme, die Anfragen via Internet klassifizieren und in bestimmte Kundengruppen aufteilen können.


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mm.de : Weshalb ist das wichtig?

Krüger: Weil Händler ihre Online-Marketingkosten nur dann gut steuern können, wenn sie genau wissen, woher welche Anfragen kommen. Was vielen Händlern zudem fehlt, sind geschulte Mitarbeiter, die digitale Anfragen schnell und in einer guten Qualität beantworten. Oft werden Interessenten noch mit einzeiligen E-Mails abgespeist, die darauf hinauslaufen, dass sie den Händler anrufen sollen. Das motiviert Kunden nicht gerade dazu, ausgerechnet diesen Händler für den Kauf auszuwählen.

mm.de : Was müssen Händler aus ihrer Sicht ändern, damit sie in der neuen Online-Welt besser zurechtkommen?

Krüger: Händler benötigen bessere IT-Systeme und müssen definieren, wer im Haus welche Anfragen verschiedener Kundengruppen bearbeitet. Viele müssen ihre Mitarbeiter zudem neu qualifizieren. Früher kamen Kunden bis zu fünf Mal ins Autohaus, jetzt sehen sich Händler und Autokäufer im Schnitt ein einziges Mal persönlich. Die restlichen Kontakte finden per Internet oder am Telefon statt.

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