Samstag, 17. August 2019

Hemdenhersteller Mark Bezner über Mode und Management Der Trend zum Slim-Fit-Manager

Siegertyp: Olymp ist einer der größten Hemdenfabrikanten Europas (Umsatz: 225 Millionen Euro). Mark Bezner führt das Unternehmen seit 2010 in dritter Generation.

Hemdenhersteller Mark Bezner über Patriarchen, Slim-fit-Manager und deren Kragenweite.

Mark Bezner (52) fährt im blauen Porsche Panamera zum Lunch vor. Das Hotelrestaurant in Bietigheim heißt "Eberhards", es gehört seinem Vater, und der heißt Eberhard (79). Dieser empfiehlt uns Rinderfilet, das wir mit asiatisch zubereitetem Gemüse und Pommes (!) verzehren. Mark Bezner trägt einen dunkelblauen Anzug und ein weißes Bodyfit-Hemd mit Haifischkragen, von denen er über 60 Exemplare zu Hause im Schrank hängen hat. Er wirkt athletisch, der Händedruck hat Schraubstockqualität.

manager magazin: Heute schon geschwommen?

Mark Bezner : Ja, drüben im Bietigheimer Hallenbad. Um 6 Uhr habe ich 60 Bahnen durchgezogen - das sind 1500 Meter. Im Sommer mache ich das jeden Tag in meinem Außenpool. Da bin ich in meinem Element, sehe nur Wasser und Kacheln.

mm: Klingt nach trübem Zeitvertreib.

Bezner : Ist es aber nicht. Beim Schwimmen komme ich immer wieder auf die eine oder andere Idee. Die schreibe ich danach gleich auf. Deshalb habe ich in meiner Sporttasche immer Block und Stift.

mm: Sie schafften es als Schwimmer fast zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Sind Ex-Leistungssportler bessere Manager?

Bezner : Das ist zu pauschal. Aber man lernt einiges durch den Sport, zum Beispiel Zeitmanagement oder das Setzen von Prioritäten. Und als Sportler ist man extrem zielorientiert. Mein Unternehmen Olymp ist für mich deshalb Sport. Mich treibt nicht der Profit an, sondern die Marktposition. Ich will aufs Siegertreppchen.

mm: Wirtschaften als Sport?

Bezner : Viele Manager sind ja inzwischen fast Leistungssportler. Sie joggen, sie laufen Marathon, sie fahren Rad. Und sie ernähren sich vernünftig. Der Manager von heute ist deshalb meist fit und schlank ...

mm: ... und trägt Slim-fit-Hemden?

Bezner : Ja, der Trend geht eindeutig zu engeren, körperbetonten Silhouetten. Ich nenne es die Jogi-Löw-Optik. Mann trägt zwar nach wie vor dunkle Anzüge, aber auch die sind inzwischen viel enger geschnitten als noch vor ein paar Jahren.

mm: Lean Management produziert also Lean Manager, die alle gleich aussehen - und auch gleich ticken?

Bezner : Die Manager von heute sind sich in der Tat fast alle in gewissen Punkten ziemlich ähnlich. Sie haben oft dieselbe Ausbildung, einen MBA in den USA oder Großbritannien gemacht. Sie haben dieselbe Sprache drauf, und sie handeln fast synchron.

mm: Vermissen Sie bei Ihrer Klientel Charisma?

Bezner : Früher gab es deutlich mehr Typen, auch weil es mehr Patriarchen gab. Unter meinem Vater, der das Unternehmen aufgebaut hat, herrschte auch noch ein ganz anderer Stil.

mm: Wie beim Schwimmen haben Sie also auch in Bezug auf die Unternehmensführung Ihren ganz persönlichen Stil entwickelt?

Bezner : Ja, heute wird bei uns viel mehr im Konsens entschieden und in Teams gearbeitet. Ich gehe durch den Betrieb, rede mit den Leuten. Und meine Tür steht offen. Die Nähe zu den Mitarbeitern war schon meinem Vater immer sehr wichtig.

mm: Sie sind Familienunternehmer, ist das eine andere Kragenweite als die von angestellten Managern?

Bezner : Unternehmer wie wir denken langfristig. Als wir vor Jahren begannen, viele Millionen Euro in die Endkundenwerbung zu investieren, wussten wir, dass sich das erst in ein paar Jahren auszahlen würde. Wir haben uns diese Zeit gegeben. Wer - wie in Konzernen - am Quartalsergebnis gemessen wird, pusht vielleicht lieber kurzfristig den Umsatz, weil er sich dadurch einen Bonus, eine Beförderung oder gar einen Job woanders verspricht. Diesen Managern ist oft egal, was in fünf Jahren mit der Marke passiert.

mm: Trotzdem haben Sie ein paar gute Freunde in der schwäbischen Konzernwelt.

Bezner : Es gibt auch dort ein paar langfristig denkende Manager. Mein Freund Wendelin (Wiedeking) war so einer. Oder Hartmut Jenner, der Chef von Kärcher. Der ist ein Vollblutunternehmer, durch und durch von Kärcher geprägt. Den sehen sie selbst im Stadion beim VfB Stuttgart nie ohne Kärcher-Krawatte.

mm: Muss sich, wer mit Ihnen Geschäfte macht, eigentlich an eine Kleiderordnung halten, also Hemd und Krawatte?

Bezner : Wenn wir zum Beispiel mit den Digitals von Jungunternehmen verhandeln, sitzen uns im Sommer schon mal Leute in Shorts und T-Shirts gegenüber.

mm: Nehmen Sie solche Kerlchen überhaupt ernst?

Bezner : Klar, inzwischen haben wir ja auch - aber nicht nur für sie - T-Shirts im Programm.

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