Freitag, 13. Dezember 2019

Hyundai-Europachef im Interview "Ich muss Sie korrigieren: Unsere Autos sehen super aus"

Hyundais Modelle in Europa: Koreanischer Kampfplan gegen VW und Toyota
Hyundai

An diesem Sommertag Ende Juni gleicht die Hyundai-Europazentrale einem Abenteuer-Spielplatz für Erwachsene: Hinter dem verglasten Gebäude in Offenbach nahe Frankfurt haben die Koreaner einen Hindernisparcours für Geländeautos aufgeschüttet.

Auf den kleinen Rundkurs ist Hyundais neuer Europachef Thomas Schmid mächtig stolz. "Welcher andere Hersteller kann ein solches Erlebnis direkt hinter seiner Zentrale bieten?", fragt er, als er sich mit manager-magazin.de zum ersten großen Interview seit seinem Amtsantritt am 1. April 2015 trifft. Auf welche Design- und Qualitätshöhenflüge er die koreanische Marke in den kommenden Jahren schicken will, erzählte er in der kommenden Stunde ausführlich bei Mineralwasser und Kaffee.

manager-magazin.de: Herr Schmid, noch vor kurzem galt Hyundai als Angstgegner von Volkswagen. Selbst VW-Chef Winterkorn befand in einem Youtube-Video, dass bei Hyundai nichts scheppere. Zuletzt gab es solche Ansagen aus Wolfsburg kaum mehr. Wundert Sie das als neuer Hyundai-Europachef nicht?

Zur Person
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    Thomas Alexander Schmid, 56, ist seit 1. April 2015 Europa-Chef von Hyundai. Der gebürtige Österreicher stieß im Jahr 2013 zu Hyundai Motor Europe, wo er als Vorstand für Vertrieb und Flottenmanagement zuständig war. Davor arbeitete er in Österreich für die Autohersteller Hyundai, Kia, General Motors und Fiat.
Thomas A. Schmid: Grundsätzlich messen sich die Guten immer untereinander. Wir bauen heute Autos effizient und in sehr hoher Qualität, das Video hat den Eindruck wohl noch verstärkt. Hyundai ist erst seit Mitte der 1990er-Jahre in Europa vertreten, in dieser kurzen Zeit hat die Marke Enormes geschaffen. Qualitativ sind wir auf Augenhöhe mit den großen Herstellern - auch beim Volumen. Wir sind extrem stark gewachsen. Vor zwanzig Jahren verkauften wir noch eine Million Fahrzeuge, jetzt sind es acht.

mm.de: Damit sind sie derzeit unter den fünf größten Autoherstellern weltweit. Ihr Konkurrent Volkswagen will bis 2018 an Toyota vorbeiziehen, General Motors folgt knapp dahinter. Haben Sie ähnliche Verkaufsziele und wollen aus dem Drei- einen Vierkampf machen?

Schmid: Nein. Wir sind kein Unternehmen, das sich zum Ziel setzt, hier erster sein zu wollen. Unser Eigentümer meinte einmal, dass Hyundai die geliebteste Marke, die "most beloved brand", werden soll. Natürlich haben wir wie jedes Industrieunternehmen Wachstumspläne. Doch die zielen nicht darauf ab, weltweit Nummer vier oder Nummer drei zu werden.

mm.de: Wenn sie nicht die Größten werden wollen: Was sind dann die Zielsetzungen, die sie intern für Hyundai ausgeben?

Schmid: Wir haben zwei Kriterien, bei denen wir die Besten sein wollen: Bei der Kundenzufriedenheit und der Qualität. Das wird uns dabei helfen, nachhaltig zu wachsen.

mm.de: Doch weltweit ist das Wachstum von Hyundai zuletzt ins Stocken geraten.

Schmid: In unserem größten Markt, in China, wachsen wir nicht mehr so stark wie noch die Jahre zuvor. Auch die größte europäische Automarke hat dasselbe Problem. Auf ihrem Heimatmarkt wachsen die chinesischen Autobauer mit verbesserten eigenen Produkten nun stärker als die Importmarken. In den USA hat sich der Automarkt sehr positiv entwickelt, doch hauptsächlich zugelegt haben das SUV-Segment und die Pickup-Trucks. Im Pickup-Segment sind wir gar nicht vertreten. Bei den SUVs sind unsere Fabriken in den USA komplett ausgelastet. Doch da wo wir stark waren, im Limousinen-Bereich, geht der Markt zurück. Da müssen wir Stück für Stück unsere Modellpalette umstellen.

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