Freitag, 20. September 2019

Hyundai-Europachef im Interview "Ich muss Sie korrigieren: Unsere Autos sehen super aus"

Hyundais Modelle in Europa: Koreanischer Kampfplan gegen VW und Toyota
Hyundai

4. Teil: "Wir wollen Hyundai emotionaler machen, da haben wir noch viel Verbesserungspotenzial"

mm.de: Was unternehmen sie, um ihre Marke bekannter zu machen?

Schmid: Wir wollen uns mit exzellenten Produkten beweisen. Um die Markenbekanntheit zu steigern, sponsert Hyundai Fußball-Großveranstaltungen wie etwa jene der Fifa. Dennoch können sie 20 Jahre Marktpräsenz nicht mit 80 Jahren vergleichen. Natürlich haben wir einen Nachteil in der Bekanntheit, weil uns die eigene, jahrzehntelange Historie fehlt. Die bauen wir erst auf. Aber es kommt noch etwas dazu: In deutschsprachigen Ländern ist alleine das Wort Hyundai schon schwierig.

mm.de: Hyundais waren bislang eher Vernunft- als Spaßautos. Passt das überhaupt noch in ihre neue, höhere Positionierung?

Schmid: Wir kommen aus dem sehr rationalen Bereich. Kriterien wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sind für unsere Kunden aber noch immer wesentlich. Ein neuerer Kaufgrund ist das Design, und in diese Richtung wollen wir weitergehen. Wir wollen die Marke emotionaler zu machen, da haben wir noch großes Verbesserungspotenzial. Wir ändern deshalb derzeit die Art unseres Auftritts. Unsere Produktfotos sind hochwertiger mit einer Premium-Optik. Wir bewegen uns viel mehr in Richtung Warmes und Menschliches.

mm.de: Bei einem wichtigen Trend in der Autoindustrie hört man von Hyundai in Europa kaum etwas: Bei Elektroautos. Warum hat Hyundai kein Serienmodell mit Elektroantrieb am Start?

Schmid: Wir haben in Europa mehrfach die Elektroantriebs-Version unseres Kleinwagen i10 gezeigt. Unsere Konzernmutter arbeitet an verschiedenen alternativen Antriebssträngen und hat auch bereits einen E-Auto-Großversuch in Seoul gestartet. Bei Elektroautos ist es offensichtlich, dass sie sich nur verkaufen, wenn es hohe Unterstützungen der jeweiligen Länder und Regierungen gibt. In Europa bin ich jedoch stolz darauf, dass wir unseren Kompakt-SUV ix35 Fuel Cell mit Brennstoffzellenantrieb verkaufen. Der fährt elektrisch und ist wie ein herkömmliches Auto zu handhaben. Trauriger Weise entwickelt sich die Infrastruktur für Wasserstoff-Tankstellen noch nicht so, wie es die EU versprochen hat.

mm.de: Gibt es für ein so exotisches Auto wie der Wasserstoff-ix35, der mindestens 65.000 Euro kostet, in Europa überhaupt einen Markt?

Schmid: Derzeit verkaufen wir das Auto in 13 europäischen Ländern. Die Kunden sind bisher sehr zufrieden damit, in diesem Jahr wollen wir zwischen 150 und 200 Exemplare des ix35 Fuel Cell verkaufen. In den kommenden Jahren planen wir, einige Hundert Exemplare des ix35 Fuel Cell abzusetzen. Das ist ein echter Erfolg - und wir sind damit vor unserem Mitbewerber Toyota. Denn Hyundai hat als erster Hersteller ein in Serie gebautes Wasserstofffahrzeug auf den Markt gebracht. Die Limitierung liegt in der Infrastruktur. Wir hätten mehr Nachfrage nach unserem Brennstoffzellenauto, doch das Tankstellennetz ist noch zu löchrig.

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