Montag, 16. September 2019

Hyundai-Europachef im Interview "Ich muss Sie korrigieren: Unsere Autos sehen super aus"

Hyundais Modelle in Europa: Koreanischer Kampfplan gegen VW und Toyota
Hyundai

3. Teil: Griechenland-Krise könnte Automarkt-Prognosen für Europa torpedieren

mm.de: Das heißt, sie wollen sich in Europa tatsächlich als direkte Konkurrenz zu Volkswagen in Stellung bringen.

Schmid: So würde ich es nicht ausdrücken. Doch unser Wunsch ist es, die beste asiatische Marke zu werden, was Qualität und Design betrifft - auch wenn bis dahin noch einiges zu schaffen ist.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf Twitter
mm.de: Das ist ein ziemliches ambitioniertes Ziel. Toyota hat sich ja jahrelang den Ruf aufgebaut, besonders zuverlässige Autos zu verkaufen.

Schmid: Das mag sein. Doch in der jüngsten Studie des Beratungsunternehmens J.D. Power, das die Qualität von Neuwagen in den USA bewertet, hat Hyundai gerade die japanischen Mitbewerber überholt.

mm.de: US-Studien helfen ihnen in Europa aber nur bedingt. Was erwarten Sie denn vom europäischen Markt in diesem Jahr?

Schmid: In diesem Jahr wollen wir mindestens so stark wachsen wie der Markt. Im ersten Halbjahr haben wir unseren Marktanteil leicht ausgebaut auf 3,3 Prozent im Pkw-Bereich. Doch es gibt große Unsicherheiten im Markt. Die aktuelle Griechenland-Krise könnte einen Vertrauensverlust der Konsumenten auslösen. Dann würde sich der Automobilmarkt wohl drehen. Momentan wachsen die europäischen Märkte im Großen und Ganzen noch. Doch mögliche Auswirkungen der Griechenland-Misere müssen wir einkalkulieren.

mm.de: Ihr Vorgänger gab für Hyundai-Kia einmal das Ziel aus, in Europa auf einen Marktanteil von 5 Prozent zu kommen. Gilt diese Vorgabe auch unter ihnen noch?

Schmid: Ja, diesen Plan haben wir vor drei Jahren erstellt und das 5-Prozent-Ziel für 2020 ins Auge gefasst. Ich würde heute aber eher sagen, dass es länger dauern wird. Doch uns geht es mehr um die Qualität des Wachstums als um das Wachstum an sich: Wir wollen eine gute, richtige Positionierung, unsere Händler sollen profitabel arbeiten. Handel und Händler sollen sich wesentlich verbessern, aber auch wir müssen uns verbessern. Und zwar nicht nur optisch, sondern auch in der Qualität zum Kunden.

mm.de: Dabei bleibt Hyundai ein Problem: Die Marke ist in vielen Deutschen noch immer kaum ein Begriff - anders als Skoda.

Schmid: Skoda wurde 1889 gegründet, seit 1921 produziert die Marke Automobile. Zeit ist aber eine unheimlich wichtige Komponente für Bekanntheit. Wer hundert Jahre in einem Markt präsent ist, ist irgendwann auch vielen Leuten ein Begriff. Hyundai deckte noch 1992 gerade die wichtigsten europäischen Märkte ab. So viel Geld können wir gar nicht investieren, um auf die Bekanntheitsgrade von Traditionsmarken zu kommen. Anders als die VW-Tochter Skoda haben wir keine große Mutter, mit deren Image wir werben können. Hyundai hat sich aus dem Nichts aus Asien nach Europa gekämpft.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung