Mittwoch, 18. September 2019

Hyundai-Europachef im Interview "Ich muss Sie korrigieren: Unsere Autos sehen super aus"

Hyundais Modelle in Europa: Koreanischer Kampfplan gegen VW und Toyota
Hyundai

2. Teil: "Bei Materialien und Spaltmaßen nähern wir uns den Premium-Herstellern"

mm.de: Wie sieht es für Hyundai in Europa aus? Traditionell tun sich asiatische Marken gegen die geballte europäische Konkurrenz ja eher schwer.

Schmid: Das erste und das zweite Quartal waren die besten unserer Geschichte. Wir haben bei den Verkäufen um knapp zehn Prozent zugelegt, der Gesamtmarkt ist mit sechs bis sieben Prozent gewachsen. Wir legen über dem Marktdurchschnitt zu und das mit wesentlich niedrigeren Anreizen und wesentlich höherer Positionierung.

mm.de: Lange Zeit war Hyundai ja eher für preiswerte Autos bekannt, seit einiger Zeit gibt sich Hyundai auch bei der Optik der Autos viel Mühe…

Schmid: Da möchte ich Sie jetzt korrigieren: Unsere neuen Autos sehen super aus. Ihre Kollegen schrieben bei der Markteinführung unserer Modelle i10, i20, i30 und beim neuen Tucson, dass die Autos in ihren Segmenten Maßstäbe setzen.

mm.de: Rentieren sich diese Investitionen in ein besseres Design?

Schmid: Seit 2013 ist es unser Ziel, unser Geschäft vom immer noch sehr guten Preis-Leistungsverhältnis zu mehr Nachhaltigkeit zu bringen. Mit jeder Modelleinführung wollten wir neue Standards in der jeweiligen Klasse setzen. Unser neuer Kleinwagen i10 etwa war im Vergleich zum Vorgänger ein Quantensprung. Wir konnten unsere Transaktionspreise zwischen 18 und 37 Prozent steigern. Das gibt uns eine andere Basis für die Zukunft. Wir sind mit den Ergebnissen in Europa sehr zufrieden, weil wir das Geschäft in Richtung mehr Nachhaltigkeit, höhere Profite und besserer Positionierung drehen konnten.

mm.de: Dann wollen Sie es sich unterhalb von VW, aber oberhalb von französischen Marken wie Peugeot oder Renault einreihen.

Schmid: Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Die neue Generation unseres SUVs Tucson, die wir gerade in Europa vorstellen, muss den Vergleich nicht scheuen mit dem Kompakt-SUV der größten europäischen Marke, die noch in diesem Jahr eine Neuauflage ihres SUV vorstellt. Unser Tucson hat ein emotionales Design und eine außergewöhnlich gute Verarbeitung. Bei Materialien, Spaltmaßen, oder Türschließen nähern wir uns den Premium-Herstellern. Wir bewegen uns ein Stück weiter nach oben, wollen aber weiterhin eine zugängliche Marke mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis bleiben.

mm.de: Können Sie höhere Preise in Europa durchsetzen, wo in den letzten Jahren ja mit immer höheren Rabatten um Kunden gerungen wurde?

Schmid: Früher waren wir unterhalb des Durchschnitts unserer Wettbewerber, jetzt sind wir auf derselben Höhe. Bei unserem SUV ix35, der Vorgänger des aktuellen Tucson, konnten wir den Durchschnittspreis steigern. Nun liegen wir bei einem mittleren Preis von 25.000 Euro pro Fahrzeug. Der neue Tucson ist anders positioniert, weil er ein wesentlich höherwertiges Auto ist. Da geht der Basispreis in Deutschland bei 22.400 Euro los.

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