Montag, 21. Oktober 2019

Schnappschuss-App Instagram Wie die kleine Tochter Facebook zum Durchmarsch verhilft

Instagram: Die Schnappschuss-Erfolgsstory
Instagram

Als Facebook 2012 die Foto-App Instagram kaufte, wunderte man sich. Inzwischen dominiert der Konzern das mobile Internet, und die Übernahme gilt als stilbildend.

Als es Anfang April 2012 ernst wurde, rief Kevin Systrom (31) seinen Mitgründer Mike Krieger (29) an. Mark Zuckerberg (31) habe ein Angebot für ihre Foto-App Instagram gemacht. Er solle sich sofort in den nächsten Zug von San Francisco nach Palo Alto setzen. Treffpunkt: Bahnsteig Caltrain Station.

Kriegers Gedanken rasten. Wie viel hatte Facebook Börsen-Chart zeigen für ihre Foto-App wohl geboten? Und wie würden sie sich entscheiden?

Systrom saß derweil auf einer Bank in der Bahnstation und wartete ungeduldig auf Krieger. Als der in Palo Alto ankam, staunte er: Eine Milliarde Dollar bot Zuckerberg für die gerade mal 18 Monate alte App Instagram, davon 300 Millionen Dollar in bar.

Krieger und Systrom blieben direkt am Bahnsteig sitzen. Eineinhalb Stunden diskutierten sie. Pendler rauschten vorbei, Züge fuhren ein und aus, als es um "einen wirklich interessanten Moment" ging, wie es Krieger rückblickend etwas gestelzt ausdrückt.

Instagram hatte damals lediglich 13 Mitarbeiter und kein Geschäftsmodell. Gut, es gab rund 30 Millionen Nutzer, aber es fehlte jegliche Fantasie, wie man damit Geld verdienen könnte.

Nicht einmal Facebook Börsen-Chart zeigen , das weltweit größte Onlinenetzwerk, das damals kurz vor seinem Börsengang stand, hatte zu dem Zeitpunkt eine klare Vorstellung davon, wie es von dem massenhaften Gebrauch von Smartphones profitieren konnte. Über die Website erlöste Facebook 2011 zwar rund 3,7 Milliarden Dollar und machte eine Milliarde Dollar Gewinn. Doch für das mobile Zeitalter hatte Mark Zuckerberg keine Lösung parat - was auch der US-Börsenaufsicht SEC aufgefallen war.

Mehrere Briefe schickten die Verantwortlichen dem damaligen Finanzvorstand David Ebersman (46). Tenor: Facebook müsse deutlicher sagen, dass es im mobilen Web vielleicht kein Geld erlösen werde.

Hinzu kam ein weiteres Problem: Zuckerberg und seine Entwickler hatten sich verzockt. Sie hatten auf die falsche Technologie gesetzt. Eine HTML-App sollte auf allen Geräten gleich gut funktionieren. Das ist in etwa so, als baute man in jedes Auto den gleichen Motor ein. Es führte zu langen Ladezeiten, Abstürzen und genervten Nutzern. Ein Strategiewechsel musste her. Schnell.

Facebook benötigte native Apps, also für jedes Betriebssystem optimierte Software. Eine davon war Instagram. Kein Preis war Zuckerberg zu hoch, um den zwergenhaften Konkurrenten zu schlucken.

Die beiden Instagram-Gründer indes wollten nur verkaufen, wenn ihnen die größtmögliche Unabhängigkeit gewährt würde, so hatten sie es verabredet. Zuckerberg machte daraufhin drei Zugeständnisse. Er verpflichtete sich

  • weiter ins Unternehmen zu investieren,
  • die Mitarbeiterzahl den Ambitionen anzupassen,
  • den Gründern ausreichend Freiraum zu lassen.

Am Osterwochenende 2012, in Zuckerbergs Haus, stimmte Systrom dem Deal schließlich zu.

Das Jahr markiert für Facebook die Wende hin zum mobilen Webplayer - zum wahrscheinlich besten der Welt. Denn nach Instagram griff Zuckerberg erneut zu und sicherte sich für 22 Milliarden Dollar den Messaging-Dienst WhatsApp. Wieder so ein absurd teuer anmutender Zukauf. Zugleich ließ er die Facebook-App entschlacken und gliederte eine eigene, separate Messaging-App aus.

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