Montag, 23. September 2019

Schnappschuss-App Instagram Wie die kleine Tochter Facebook zum Durchmarsch verhilft

Instagram: Die Schnappschuss-Erfolgsstory
Instagram

3. Teil: Rakete gezündet - die nächste Cashcow

"Rückblickend ist alles so gekommen, wie wir uns das ausgemalt haben", resümiert Krieger. Er ist das unbekanntere Gesicht der beiden Gründer. Während Systrom mit 1,2 Millionen Instagram-Abonnenten Fotos teilt, agiert Krieger lieber im Hintergrund. Er kümmert sich als CTO stärker um die technischen Belange. Systrom nimmt die vielen externen Termine wahr. Ihre jeweiligen Instagram-Profile sind ein Abziehbild davon.

Systrom posierte mit Karl Lagerfeld, Annie Leibovitz und Bastian Schweinsteiger. Er war bei der Oscar-Verleihung, der Art Basel Miami, einer Modenschau mit "Vogue"-Chefin Anna Wintour und auf Popkonzerten. Es gibt Fotos von ihm über den Wolken und am Strand, von liebevoll arrangierten Essen und Bilder von Ehefrau Nicole. Natürlich fehlt auch die drollige Golden-Retriever-Hündin Dolly nicht, sie hat selbstverständlich ein eigenes Instagram-Konto.

Bei Krieger geht es deutlich weniger glamourös zu. Als CTO führt er seinen Followern vor, was Instagram alles kann; macht neben Fotos und 15-sekündigen Filmen auch sogenannte Bumerang-Videos, bei denen Szenen vor- und zurückspringen. Nur zweimal zeigt er sich mit Promis, mit First Lady Michelle Obama und der schrägen Schauspielerin und Drehbuchautorin Lena Dunham.

Interessanterweise spielen bei den jüngeren Aufnahmen von Systrom und Krieger Fotofilter kaum noch eine Rolle. Dabei hatte so alles angefangen.

Die Zeit bis zur Übernahme durch Facebook Börsen-Chart zeigen war ein Kampf gewesen. Krieger und Systrom waren ständig übernächtigt, fanden zu wenig gute Leute und mussten zu vieles selbst erledigen. Über Monate stellten sie sich abwechselnd nachts den Wecker, um die Server zu retten. Als sie kurz vor dem Verkauf die erste App für Googles Betriebssystem Android auf den Markt brachten, mussten die Rechner binnen zwölf Stunden eine Million neue Nutzer verkraften. "Es war, als hätten wir eine Rakete gezündet, und dann stieg sie auf, und wir mussten sie irgendwie in der Luft halten", beschreibt Krieger diese Phase. Er kam so gut wie gar nicht mehr vom Computer weg.

Im Spätsommer 2012 zog das neue Team in die Facebook-Zentrale in Menlo Park ein. Aus 13 Mitarbeitern sind mittlerweile mehr als 250 geworden. Insgesamt arbeiten bei Facebook rund 12.000 Menschen.

Die Topleute treffen sich wöchentlich. Krieger sitzt mit seinem Facebook-Pendant, Technologiechef Mike Schroepfer (40), genannt "Schrep", zusammen, Systrom mit "Zuck". Es geht ums große Ganze. "Mark denkt immer zehn Jahre in die Zukunft", sagt Krieger.

Die jüngste Vergangenheit bringt erste Erfolge. Aus 30 Millionen Nutzern monatlich sind mehr als 400 Millionen geworden (200 Millionen kommen täglich auf die App). Das Werbemodell wird ausgerollt. Der US-Marktforscher eMarketer geht für dieses Jahr von 600 Millionen Dollar Umsatz aus. 2017 sollen es bereits 2,8 Milliarden Dollar sein. Über Profite gibt es noch keine Prognosen. Facebook nennt für Instagram bislang weder Erlöse noch Gewinne. Zweifelsohne soll die Foto-App aber die nächste Cashcow werden.

Die Konkurrenz ins Haus holen, ohne sie zu zerstören

Kurz vor Silvester fand wieder eines der großen Treffen mit dem Chefmanagement statt. "Zuck", Sheryl Sandberg (46), Technologiechef Schroepfer und einige andere wichtige Manager sind dabei. Diese Meetings seien wie eine Aufsichtsratssitzung, erzählt Krieger. Da werde mehr als nur abgefragt nach dem Motto "ja, nein, ja, nein, ja, nein". Man erfahre, was bei Facebook los sei, was bei WhatsApp laufe und beim Virtual-Reality-Unternehmen Oculus. Echter Austausch, echte Zusammenarbeit.

Krieger und Systrom wollen sehr bald 800 Millionen Nutzer erreichen; außerdem wollen sie die Instagram-App für Regionen mit schlechter Mobilfunkverbindung optimieren. Es geht voran.

Die erfolgreiche Halbintegration der Instagram-Macher und ihres Teams hat anderen Gründern innerhalb des Facebook-Reichs einen gangbaren Weg geebnet. Zuckerberg erschloss sich über die Zukäufe neue Zielgruppen und holte sich Konkurrenz ins Haus, ohne sie zu zerstören. Das ist in der Internetbranche in dieser Form bislang niemandem gelungen.

"Können Sie sich noch daran erinnern, wie sich jeder an die Stirn fasste, als Zuckerberg den Instagram-Deal ankündigte?", fragt Facebook-Investor James Anderson von Baillie Gifford. Die Frage ist rhetorischer Natur.

Selbst Zuckerberg war sich damals nicht sicher, ob es ihm gelingen würde, aus Facebook einen mobilen Internetkonzern zu bauen. Erst später, nach dem milliardenschweren Börsengang, vertraute er Anderson an, dass er sich große Sorgen um das Geschäftsmodell gemacht habe. Die plagen ihn nun nicht mehr.

© manager magazin 1/2016
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