Sonntag, 15. September 2019

Schnappschuss-App Instagram Wie die kleine Tochter Facebook zum Durchmarsch verhilft

Instagram: Die Schnappschuss-Erfolgsstory
Instagram

2. Teil: Erfolgsmaschine Smartphone - Lehrbeispiel für Siemens, Bosch und Telekom

Das einstige Risiko Smartphone hat Zuckerberg für sein Unternehmen in eine Erfolgsmaschine verwandelt. Ihm gehören heute mit Facebook, WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram gleich vier der sechs weltweit nutzerstärksten Apps. Für 2015 rechnet der reichste Mann seiner Generation mit einem Umsatz von 17,4 Milliarden Dollar, 78 Prozent davon erzielt mit Werbung in Smartphone-Apps.

Die Übernahme von Instagram gilt mittlerweile als Blaupause dafür, wie Facebook seine Satelliten managt - und selbst davon profitiert. Ein Lehrbeispiel auch für viele technologiegetriebene Konzerne wie Siemens Börsen-Chart zeigen, Bosch oder die Telekom Börsen-Chart zeigen, die sich mit dem Kauf digitaler Start-ups erneuern müssen. Und dabei häufig scheitern, weil man sich fremd bleibt.

Facebook fördere ein Umfeld, in dem unabhängig denkende Gründer nach ihren eigenen Vorstellungen Unternehmen bauen könnten und dabei von Facebooks Erfahrung, Ressourcen und Größe profitieren, schrieb Zuckerberg 2014 bei der Übernahme von WhatsApp. Bei dem Messaging-Dienst soll das Instagram-Wunder wiederholt werden.

Dass Zuckerberg es mit der Freiheit seiner Tochterfirmen ernst meint, zeigt schon die Distanz, die er ihnen zubilligt. Das kleine Team von WhatsApp musste bis heute nicht in die Facebook-Zentrale einziehen. Der spätere Zukauf Oculus Rift, ein Entwickler virtueller Realitäten, sitzt nun zwar in Menlo Park, Mitgründer Palmer Luckey (23) fühlt sich aber frei wie ein Vogel. Zuckerberg verhalte sich ihm gegenüber nicht wir der Boss, sagt er. Er sei ein Gesprächspartner.

Freiheit für die Töchter

Auch Systrom und Krieger durften weiter ihre eigene, noch junge Firmenkultur pflegen. Und so blieb ihr Sinn für Ästhetik bestehen, der zweifelsohne wichtigste Grund für Instagrams Beliebtheit. Viel Weißraum, wenig Text, eben mehr Foto- als Freundebuch. Zusätzliche Funktionen wie Bildschnitte, Videos im Zeitraffer oder Videos mit Sprungeffekt wurden ausgegliedert in Apps wie Layout, Boomerang oder Hyperlapse.

All diese Ideen finanziert Zuckerberg aus den Facebook-Gewinnen. Synergien werden dort genutzt, wo sie allen Parteien logisch erscheinen. Und bei der Personalsuche profitiert Instagram von den deutlich professionelleren Prozessen der Mutter.

Vor gut eineinhalb Jahren holte Facebook die Instagram-Daten aus der Amazon Cloud in die eigenen Zentren. Das begünstigt die Datenverarbeitung etwa bei gemeinsamen Projekten. Als Instagram in diesem Jahr erstmals Werbung in die Bilderflut einspielte, profitierten die Macher der Foto-App von den Analysetools des Mutterhauses.

Facebooks Team für künstliche Intelligenz arbeitet gerade daran, Bilder zu entschlüsseln. Algorithmen sollen nicht nur Gesichter erkennen, sondern das ganze Foto lesen können - das nützt dem bildlastigen Netzwerk und Instagram gleichermaßen. Und wenn Entwickler Apps für Apples und Googles mobile Betriebssysteme updaten, dann tauschen sich die Teams über die Tücken aus, damit Fehler nicht zweimal gemacht werden.

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© manager magazin 1/2016
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